Umweltbewegung aus Halver

Extinction-Rebellion: erste XR-Gruppe im Sauerland - Aufruf zur Rebellion

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Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion protestieren mit einem Die-In – sie stellen sich tot. Mit der Protestaktion wollen die Teilnehmer gegen die Zerstörung des Planeten durch den Klimawandel protestieren.

Halver - In Halver gibt es jetzt eine Extinction-Rebellion-Gruppe. Sie ist die erste im Sauerland. Wir haben den Sprecher getroffen und gefragt, warum es diese Umweltbewegung geben muss.

Eine neue Bewegung soll durch Halver und durchs Sauerland gehen. Dafür setzt sich Thilo Kortmann ein. Er hat die erste Extinction-Rebellion-Gruppe (Rebellion gegen das Aussterben, kurz: XR) in Halver gegründet. Das ist damit die erste Gruppierung dieser Art im Sauerland. 

Es sei Zeit, sagt er. Schon lange habe der gebürtige Halveraner, der nach Dortmund gezogen ist, nach einer XR-Gruppe im Sauerland Ausschau gehalten. Aber keine gefunden. „Warum ist das so?“, hat er sich gefragt. „Ist es der Sauerländer? Ist der Sauerländer zufrieden? Ist er einfach nicht rebellisch genug?“ Pauschal konnte der XR-Sprecher das nicht beantworten. Wollte er auch nicht. 

Fridays for Future als Vorbild

Er ist selbst Halveraner und Sauerländer. Er liebt seine Heimat und kommt gerne vorbei. Und: Er glaubt an rebellische Halveraner. Vor allem an rebellische Jugendliche. Fridays for Future mache es vor. 

XR ist wie Fridays for Future eine Umweltschutzbewegung. Aber die Mitglieder demonstrieren nicht nur freitags mit Plakaten auf öffentlichen Plätzen. Sie versuchen, mit zivilem Ungehorsam die Regierung zum Handeln zu zwingen und stellen drei klare Forderungen auf. 

1. Sagt die Wahrheit 

Die Regierung muss die existenzielle Bedrohung der ökologischen Krise offenlegen und den Klimanotstand ausrufen. Alle politischen Entscheidungen, die der Bewältigung der Klimakrise entgegenstehen, werden revidiert. Die Regierung, die Medien und alle anderen gesellschaftlichen Institutionen müssen kommunizieren, wie dringend notwendig ein Umsteuern ist und was jeder Einzelne, jede Gemeinde und jedes Unternehmen dazu beitragen kann.

2. Handelt jetzt 

Die Regierung muss jetzt handeln, um die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen bis 2025 auf Netto-Null zu senken. Das Artensterben muss gestoppt werden und der ökologische Raubbau mit allen Mitteln eingedämmt und – wenn möglich – wieder rückgängig gemacht werden. Zentrales Ziel der Gesellschaft ist in Zukunft, das Klima und die Ökosysteme der Erde so zu stabilisieren, dass sie allen Menschen und allen Arten ein sicheres Zuhause bietet.

3. Politik neu leben 

Die Regierung muss eine Bürgerversammlung für die notwendigen Maßnahmen gegen die ökologische Katastrophe und für Klimagerechtigkeit einberufen. Die Regierung muss nach deren Beschlüssen handeln.

Mit verschiedenen Aktionen machen sie auf sich aufmerksam: mit Sitzblockaden, Kampieren, Die-Ins oder Swarming. Bei Die-Ins legen sich die Demonstranten auf den Boden und stellen sich tot, um auf etwas aufmerksam zu machen, das lebensbedrohlich ist – in diesem Fall der Klimawandel. Bei Swarming (Ausschwärmen) werden kurzzeitig Straßen mit Bannern blockiert. „Passanten und Autofahrer werden mit Flyern informiert und mit Keksen und Gesang bei Laune gehalten“, sagt Thilo Kortmann. Aus Dortmund kennt der 42-Jährige die Aktionen. Er selbst war bereits bei solchen Veranstaltungen dabei und wenn er durch die Straßen im Ruhrgebiet läuft, sieht er an Laternenpfählen Sticker von XR. 

Auch in Halver kleben an Stopp-Schildern beispielsweise Aufkleber mit der Aufschrift „(Stop) eating animals“ („hört auf, Tiere zu essen“). Damit hat XR jedoch nichts zu tun, wie Thilo Kortmann versichert. Für ihn sei das aber ein Zeichen dafür, dass die Rebellion in Halver – und im Sauerland – nicht ausgestorben ist. 

Die Umwelt liegt ihnen am Herzen

Er selbst ist in Halver aufgewachsen, ging dort zur Schule und zog fürs Studium nach Paderborn. Er lebte in Frankfurt und Hamburg – und jetzt in Dortmund. In Halver habe er oft das Gefühl gehabt, nicht mehr atmen zu können. Eingeengt durch Menschen, die sehr konservative Vorstellungen vom Lebensweg, Arbeit und Karriere haben. „Meine Eltern waren dagegen immer sehr tolerant: ,Mach das, was du liebst.’“ Die Umwelt lag ihm schon immer am Herzen, sagt er. 

Dass er aktiv werden muss, merkte er vor rund einem Jahr. Als „leidenschaftlicher Wanderer“ beobachtet er, dass Industriegebiete immer größer werden, sagt er. Wie in Halver zum Beispiel in Oeckinghausen. Er kann die Entwicklung in seiner Heimat nicht verstehen. Was er selten im Wald sieht: Menschen. Vielleicht ein Grund, warum sie den Sinn für die Natur verloren haben. Der Halveraner gibt niemandem die Schuld. 

Vielmehr glaubt er, die Menschen werden dazu erzogen, nicht mehr zu rebellieren. Stattdessen würde alles versucht, sie zufrieden zu stimmen. Die Kultur, in der die heutige Generation lebt, trage dazu bei. Kortmann hat einen Menschen vor Augen, der per Knopfdruck seiner Gier nach Konsum nachgeht und es sich im Konsum gemütlich macht. Und sich mit Schlagermusik in eine heile Welt flüchtet. 

Er selbst teilt sich ein Hybrid-Auto mit seiner Frau. „Ich selber nutze das Auto kaum. Nur selten. Ich gehe möglichst viel zu Fuß.“ Das mache er für die Umwelt, aber auch für seine Gesundheit. Über sich selbst sagt er, er lebt enthaltsam. Er lege weder Wert auf neue Klamotten, noch auf die neueste Technik. Er hört die Forderung, nur noch qualitativ hochwertiges Fleisch zu produzieren, sieht sie aber abgepacktes Fleisch beim Discounter kaufen. „Wie vielen liegt das Thema Umwelt wirklich am Herzen?“, fragt er. 

Eventhalle in Halver

Die Idee, eine Eventhalle in Halver zu errichten, kann er nur bedingt nachvollziehen. Wichtig sei, dass dafür nicht Natur geopfert werde. „Der Bereich Heesfelder Mühle ist wunderschön. Man sollte da nicht weiter bauen, weil ansonsten das Gebiet auch optisch weiter leidet.“ Sollte es dazu kommen, dass die Halle gebaut wird, könne man überlegen, ob XR reagiert. „Man sollte klug und nachhaltig planen. Und nicht blind mit dem Dampfhammer. Und auch nicht aus Prestige, Eitelkeit und besonders dann nicht, wenn sich einzelne Personen profilieren wollen“, sagt er. 

Die Eventhalle wäre für ihn ein gutes Beispiel die dritte Forderung von XR zu nutzen: Bürgerversammlungen. Dann könnten Menschen direkt über solch ein Projekt entscheiden. Mit der XR-Gruppe will er eine Plattform bieten, bei der Menschen jeden Alters, denen die Umwelt wirklich am Herzen liegt, mitmachen können. „Der rebellische Geist ist eine Frage der kulturellen Erziehung. Meine Generation ist mit der Musik von Nirvana, Vorbildern wie Kurt Cobain und gesellschaftskritschen Filmen wie Fight Club groß geworden.“ Extinction Rebellion sei im Ansatz damit zu vergleichen. 

Seit rund drei Monaten ist die XR-Gruppe in den sozialen Netzwerken zu finden. Etwas, was ihn als Social Media Manager zusätzlich interessiert: „XR ist ein Social-Media-Phänomen.“ Die Bewegung wachse jeden Tag. In Halver sei noch alles am Anfang. Wenn sich genug gefunden haben, kann es richtig losgehen.

Aktiv werden Wer mehr über Extinction Rebellion Halver wissen möchte, findet die Gruppe auf Instagram und Facebook unter xr_halver.

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