Erst fliegen Sangria-Eimer, dann die Fäuste

HALVER/HAGEN ▪ Wie schnell sich eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro in Luft auflösen kann, zeigt ein Fall, der heute in zweiter Instanz vor der 7. Kleinen Strafkammer des Hagener Landgerichts verhandelt wurde. 

Das Amtsgericht Lüdenscheid hatte einen 50-jährigen Halveraner vor ein paar Monaten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro verurteilt. Laut Anklage hatte der Mann am 8. August vergangenen Jahres auf einer Mallorca-Party in Kierspe ordentlich zugelangt. Fliegenden Sangria-Eimern sollen fliegende Fäuste gefolgt sein.

Nachdem die für hiesige Verhältnisse ungewöhnlichen Trinkgefäße durch die Luft geflogen waren, war es zu einem Tumult gekommen. In dessen Verlauf soll der Angeklagte, als Teil der Security, einem stark alkoholisierten Gast einen Faustschlag verpasst haben, was zu starken Kopfschmerzen beim Geschädigten geführt haben soll. Gegen das Urteil des Amtsgerichts hatte der Halveraner Berufung eingelegt, und so landete der Fall heute in zweiter Instanz vor dem Hagener Landgericht. Doch zu Beginn des Prozesses fehlte jede Spur vom Angeklagten.

Sein, durch einen Unfall auf der Autobahn aufgehaltener und sich dadurch verspäteter Rechtsanwalt erklärte, sein Mandant hätte ihm gegenüber geäußert, in dem Schreiben vom Gericht habe gestanden, dass er nicht persönlich erscheinen brauche. Auch wenn das von den Anwesenden als schwer nachvollziehbar angesehen wurde, stand einer Verhandlung nichts im Wege, da der Anwalt eine Vertretungsvollmacht für den 50-Jährigen vorweisen konnte. Auch ein ordnungsgemäß geladener Zeuge war dem Gerichtssaal ferngeblieben. Grund: Er steckte in Magdeburg fest.

Auf seine Vernehmung konnte gestern jedoch verzichtet werden, da die Kammer schnell klar machte, dass kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestehen würde. Dieser Umstand führte schließlich dazu, dass das Verfahren gegen den bisher nicht vorbestraften Halveraner eingestellt wurde. Auch wenn ihm dadurch die Prozesskosten erspart blieben, die Rechnung für seinen Anwalt, der den 50-Jährigen immerhin in zwei Instanzen verteidigt hatte, nimmt ihm keiner ab. ▪ Jana Peuckert

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