Erpressung? Freispruch für 22-Jährigen

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Halver -  Stattlich war der strafrechtliche Vorwurf, stattlich das zusammengetretene Schöffengericht, doch letztlich blieb von dem Vorwurf nichts übrig: Mit einem Freispruch endete im Amtsgericht Lüdenscheid das Verfahren gegen einen 22-jährigen Schalksmühler. Ende November 2014 sollte er sich in Halver einer versuchten räuberischen Erpressung schuldig gemacht haben.

Von Thomas Krumm

Der Angeklagte und das angebliche Opfer, ein 23-Jähriger aus Halver, unterhielten offenbar schon seit längerem schwierige Beziehungen. „Jede ‚Soap-Opera’ im Fernsehen ist nichts gegen das, was da gelaufen ist“, erklärte ein als Betreuer des 23-Jährigen tätiger Sozialarbeiter. Fast täglich hätten sich die beiden Männer gegenseitig bei der Polizei angezeigt. Anlass für die Anzeige, die dem Strafverfahren zugrundelag, war die Behauptung, dass der Angeklagte eine Forderung verbunden habe mit einer Drohung. Ihm gehörende Daten-CDs und eine Entschädigung von 500 Euro sollte er verlangt haben, weil der Zeuge den Motorroller seines Bruders umgestoßen und dabei beschädigt hatte. Die Geldforderung bestätigte der Zeuge vor Gericht – von der Drohung mit Schlägen ins Gesicht wusste er aber nichts mehr. Er habe aber Angst vor dem Angeklagten gehabt.

Der Angeklagte bestritt ebenfalls, dass er den Zeugen bedroht habe. Er bestritt aber nicht, dass er den 23-Jährigen von der Total-Tankstelle in Halver bis nach Hause verfolgt habe. Neben dem Geld verlangte er einige Daten-CDs zurück, die angeblich seinem Bruder gehörten. „Ich habe ihm CDs von mir gegeben“, bestritt der Zeuge diese Besitzverhältnisse. Seine CDs habe er nur übergeben, um Ruhe zu haben. Zahlreiche Details aus dem spannungsreichen Verhältnis des Geschädigten und des Angeklagten wucherten im Gerichtssaal weiter vor sich hin, doch Oberstaatsanwalt Dr. Pauli hatte genug gesehen: „Ich will niemanden mehr hören“, leitete er die Verabschiedung der verbliebenen Zeugen ein. „Es gab keine räuberische Erpressung, weil es keine Bedrohung gab, und es gab keine Erpressung, weil der Angeklagte sein Eigentum zurückhaben wollte“, fasste er das Ergebnis der Hauptverhandlung zusammen und beantragte einen Freispruch. Dem schloss sich Strafverteidiger Frank Peter Rüggeberg an. Das Schöffengericht entschied entsprechend.

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