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Tankstelle im MK: „Erheblicher Umsatzeinbruch“ durch Straßensperrung

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Von: Sarah Lorencic

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Rainer Kinder fährt, was er fahren muss. An den Preisen kann er nichts ändern, sagt er. Aber die Preise sind extrem.
Rainer Kinder fährt, was er fahren muss. An den Preisen kann er nichts ändern, sagt er. Aber die Preise sind extrem. © Sarah Lorencic

Einmal tanken macht den Geldbeutel leerer als noch vor einiger Zeit. Die Spritpreise sind hoch. Die Tankstellenbetreiber machen die Preise nicht, leiden aber mit. Eine Umfrage an den Zapfsäulen und hinter den Theke.

Halver – Darf’s noch etwas dazu sein? Die Brötchen in der Tankstelle sind frisch belegt, die Regale aufgefüllt und Zeitschriften sortiert. Eine Tankstelle ist heute mehr, als der Name erahnen lässt. Doch die Betreiber haben es schwer und sind auf die Brötchen angewiesen.

Vor allem jetzt mit den gestiegenen Spritpreisen. Und vor allem ein Standort in Halver, die Star-Tankstelle. „Wir verzeichnen erhebliche Umsatzeinbrüche“, erzählt der Stationsleiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Die vielen Wochen und Monate der B229-Sperrung haben sich auch in seinen Bilanzen bemerkbar gemacht. Mehr als ein Drittel fehlt.

Pendlerin Nina Schumacher glaubt, sie geht nur noch arbeiten, um tanken zu können.
Pendlerin Nina Schumacher glaubt, sie geht nur noch arbeiten, um tanken zu können. © Sarah Lorencic

Das liegt auch an den Spritpreisen, ist der Tankwart sicher. Aber vor allem an den Baustellen. Denn eigentlich, sagt er, hat die Star-Tankstelle die günstigsten Preise. Allerdings machen die ein, zwei Cent momentan keinen Unterschied mehr. Es bleibt teuer, für manche kaum bezahlbar. Und am Ende ziehen die lokalen Tankstellen nach und passen die Preise an, wie man auf clever-tanken.de zum Beispiel verfolgen kann.

An den Mitarbeitern aber ließen die Kunden ihren Unmut nicht aus. „Die wissen, dass wir keinen Einfluss auf die Preise haben“, sagt er. Und noch ist er froh, dass die meisten neben der Tankfüllung auch noch einen Kaffee oder ein belegten Brötchen kaufen. Ginge es nur ums Benzin, hätte die Tankstelle schon dicht machen können, ist sich der Stationsleiter sicher. Während die Spritpreise sich stetig verändern und immer teurer werden, bleiben sie im Geschäft noch konstant. Aber auch das wird nicht mehr lange so bleiben. „Die Einkaufspreise steigen auch.“ Früher oder später müsse man auch diese Preiserhöhung weitergeben. Sonst würde es nur einem „Geld tauschen“ gleichen.

Die Zapfsäulenumfrage

Morgens gegen 10 Uhr kostet der Liter Super 1,80 Euro. Nur vereinzelt halten Personen, um ihr Auto zu tanken. Matthias Lauermann zum Beispiel. Zu den Spritpreisen kommt ihm folgender Gedanke: „Da kommt wohl bares Geld aus dem Zapfhahn.“ Weniger fahren kann der Halveraner nicht. Er ist auf dem Weg zu Senioren, die er zur Tagespflege am Burgweg bringt. Er tankt grundsätzlich nur noch E10, aber selbst der ist so teuer wie nie.

Matthias Lauermann ärgert sich am Donnerstag über den niedrigen Preis nach dem Tanken.
Matthias Lauermann ärgert sich am Donnerstag über den niedrigen Preis nach dem Tanken. © Sarah Lorencic

Neben den Spritpreisen ärgern den CDU-Politiker aber auch die Straßensperrungen. Er muss mittlerweile das Dreifache an Zeit für den Fahrdienst einplanen. Auf dem Rückweg von Schalksmühle muss er feststellen, dass der Literpreis binnen kurzer Zeit gesunken ist. Bis auf 1,71 Euro innerhalb einer Stunde. Und plötzlich stehen Autos Schlange.

Für 1,80 Euro hätte Christina Tralau nicht getankt, sagt sie. „Viel zu teuer alles“, beschwert sie sich und ist in guter Gesellschaft. Mit „unglaublich“, kommentiert Kostas Psaroudakes die Preise. Er muss viel mehr Geld monatlich fürs Tanken einplanen als vorher, sagt er. „Das ist für mich ein Problem.“ Gleich nebenan tankt Alexander Thurn. Er hat nichts mehr zu lachen. Er fährt jeden Tag von Siegburg nach Halver, 180 Kilometer insgesamt. Pendlerin Nina Schumacher schließt sich gleich an. Sie fährt jeden Tag von Remscheid nach Iserlohn. 112 Kilometer. „Man arbeitet nur noch, um tanken zu können.“ Zu den Preisen sagt sie: „Geht gar nicht.“

Die Preise sind unverschämt. Wo soll das denn noch hinführen?

Gerd Domel Halver

Das Problem hat Anita Werner nicht mehr. Sie ist aus Schalksmühle nach Halver gezogen, weil sie hier arbeitet. Das war zwar nicht der einzige, aber ein wichtiger, ausschlaggebender Punkt für die junge Frau. Zur Arbeit kann sie jetzt einfach zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Tanken ist sie an diesem Morgen, um ihren Pkw für eine Reise nach Augsburg vollzutanken. „Ganz schön teure Reise – und Preise wie an der Autobahn.“

Gerd Domel muss zwar nicht mehr zur Arbeit fahren, aber spazieren fahren würde der Rentner auch nicht mehr. Nur noch nötige Strecken werden mit dem Pkw erledigt. „Die Preise sind unverschämt. Wo soll das denn noch hinführen?“, fragt der 62-Jährige. „Ich fahre, was ich muss“, sagt Rainer Kinder. Fürs Volltanken sind auch mal 90, 100 Euro weg, sagt der Rentner. Ändern, weiß er, kann er eh nichts. Aufs Auto ist man im ländlichen Raum angewiesen, sagt auch Matthias Lauermann. Die alternativen Beförderungen sind rar. „Und am Ende trifft es vor allem die Berufspendler“, so Lauermann.

Die Gründe für die hohen Spritpreise vermag eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, zu kennen. Sie sagt, an den Preisen ist die Regierung schuld. Beim Erzählen kommt sie von den Spritpreisen von Höcksken auf Stöcksken und landet bei Corona und der Impfpflicht. Dass sie montags auch mal spazieren geht, gibt sie zu. Und auch, dass sie sich fühlt wie in der DDR. Die hohen Spritpreise, die keiner mehr bezahlen kann – für sie ergibt das alles Sinn.

Warum ist es so teuer?

Ein Faktencheck mit Hilfe von correctiv.org: Hauptursache für die derzeit hohen Kraftstoffpreise ist der deutlich gestiegene Ölpreis. Dieser hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt, erklärt ein Pressesprecher des Mineralölwirtschaftsverbands: „Ursache dafür ist die mit dem Abebben der Corona-Pandemie gestiegene globale Rohöl-Nachfrage bei begrenztem Angebot.“ Politisch spielen außerdem vor allem zwei Dinge eine entscheidende Rolle: Die Wiederanhebung des Mehrwertsteuersatzes und die Einführung der CO2-Abgabe auf Kraftstoffe.

Im Rahmen des Klimaschutzprogramms hatte die Bundesregierung 2019 beschlossen, eine CO2-Bepreisung für Verkehr und Wärme ab 2021 einzuführen. Im Oktober 2020 stimmte der Bundestag mit den Stimmen von Union, SPD und Grünen einem Gesetz zu, das eine höhere CO2-Abgabe auf Kraftstoffe einführte, als ursprünglich angedacht.

Im Januar 2021 trat der CO2-Preis auf Kraftstoffe erstmals in Kraft. Unternehmen, die diese fossilen Kraftstoffe auf den Markt bringen, müssen seit Januar entsprechende Emissionszertifikate erwerben, wodurch sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher ebenfalls die Preise erhöhten. Dem Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands zufolge machte der CO2-Aufschlag 7 bis 8 Cent pro Liter Kraftstoff aus. Und er ergänzt: „Ohne den CO2-Aufschlag wäre der Dieselpreis nicht auf einem Allzeithoch. Der CO2-Aufschlag steigt zum 1. Januar 2022 um weitere 1 bis 2 Cent je Liter.“

Grundsätzlich beeinflusse die Einführung der CO2-Abgabe die Kraftstoffpreise, bestätigt auch die ADAC-Sprecherin. Die aktuelle Erhöhung sei jedoch vor allem „marktbedingt“.

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