Ergreifendes Konzerterlebnis der Kantorei Halver

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Ergreifend war die Aufführung der Johannespassion von der Kantorei Halver und dem Consortium Musica Sacra Köln am Sonntag in der katholischen Kirche Christus König.

Halver - Die Aufführung der Johannespassion von der Kantorei Halver, den Solisten und dem Consortium Musica Sacra Köln rührte am Sonntagabend viele der Besucher zu Tränen.

Von Monika Salzmann

Die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach, neben der Matthäus-Passion die einzige vollständig erhaltene Passion aus der Feder des Barockmeisters, gehört mit Fug und Recht zu den bedeutendsten Werken der Musikgeschichte. Anders, als ihr Schwesternwerk liegt die Vertonung des Passionsberichts nach dem Evangelium des Johannes jedoch nicht in einer endgültig festgelegten Fassung vor, sondern in teilweise höchst unterschiedlichen Versionen – vermutlich, um das Werk zu verschiedenen Anlässen mehrfach verwenden zu können.

In der Fassung von 1724, mit Orchester und Solisten, brachte die Kantorei Halver das ergreifende Werk, das dem Chor eine tragende Rolle beimisst, am Sonntag in der Christus-König-Kirche unter Leitung von Maike Lehmkuhl bildgewaltig zu Gehör. Dramatisch, in opulenten Chören, Turbachören und Chorälen, bewegenden Arien und aufwühlenden Rezitativen schilderten die Ausführenden das Leiden und Sterben Jesu.

Eine hochkarätige Solistenriege und ein virtuos aufspielendes Orchester standen den Halveranern bei der Aufführung des Meisterwerks zur Seite. Mit Steffanie Patzke (Sopran), Beate Koepp (Alt), Thomas Heyer (Tenor), Harald Martini (Bass) und Florian Conze (Bass) war jede Stimme und Rolle hervorragend besetzt. Auf barocken Instrumenten wie der Laute versetzte das Consortium Musica Sacra Köln, das Chor und Solisten ein einfühlsamer Begleiter war, zurück in die Lebenswirklichkeit Bachs und die Aufführungspraxis seiner Zeit. Meisterhaft führte Maike Lehmkuhl die Chorpartien, vokalsolistischen Nummern und die Orchesterstimme zu einem geschlossenen Ganzen zusammen.

Mancher in der voll besetzten katholischen Kirche verdrückte da eine Träne der Rührung. Zu Recht gab’s „Standing Ovations“ und nicht enden wollenden Beifall für diesen ergreifenden Ohrenschmaus. In zwei Teilen, beginnend bei Verrat und Gefangennahme Jesu bis hin zur Grablegung, gelang der Kantorei und ihren Gästen eine Aufführung aus einem Guss – intensiv, aufrüttelnd und packend von der ersten bis zur letzten Minute.

Schon der gewaltige Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ war ein Paukenschlag. In den Turbachören mit zugespitzter Tonsprache war die schreiende Volksmasse, die Jesu Tod forderte, erschreckend nah vor Augen. In den Chorälen nahm der Chor andächtig die Rolle der gläubigen Gemeinde ein.

Sänger meistern Schwierigkeiten

Mit Bravour meisterten die Sängerinnen und Sänger die immensen gesangstechnischen Schwierigkeiten der Komposition. Als Evangelist kommentierte Thomas Heyer, Professor für Gesang an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt, das biblische Geschehen in hochdramatischen, vom Basso continuo begleiteten Rezitativen.

Große innere Ruhe strahlte Harald Martini, von früheren Aufführungen der Kantorei in bester Erinnerung, als sich in den Willen Gottes fügender Jesus aus. In der Rolle des von Zweifeln geplagten Pilatus machte der junge Lüdenscheider Florian Conze, der seit dem Wintersemester 2014/15 bei Professor Thomas Heyer in Frankfurt studiert, eine gute Figur. In lyrischen Arien kamen die herrlichen Stimmen von Steffanie Patzke und Beate Koepp – beide in Halver bestens bekannt – zum Tragen. Als Sponsoren ermöglichten die Stiftung Inge und Werner Turck, die Volksbank und die Sparkasse die Aufführung des opulenten Werks.

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