Erbitterter Familienstreit landet vor Gericht

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Halver/Lüdenscheid - Bis ins Amtsgericht Lüdenscheid schaffte es ein erbittert geführter Familienstreit aus Halver. Dort allerdings endete die strafrechtliche Fortführung von Wortgefechten und Prügeln mit einem Freispruch für den 39-jährigen Angeklagten.

Der hatte sich immerhin einem Schöffengericht gegenübergesehen, weil ihm ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen wurde. Demjenigen, der sein Auto als Waffe gegen einen anderen Menschen einsetzt, droht als „Verbrecher“ eine Mindeststrafe von einem Jahr. Angeblich sollte der Angeklagte mit 40 bis 50 Stundenkilometern auf dem Hof seines Vaters in Halver vorgefahren und auf den 75-Jährigen zugefahren sein. Laut Anklage hatte der sich nur durch einen Hechtsprung zur Seite retten können. 

„Wir haben uns richtig gezofft“ 

„Ich hatte nicht die Absicht, jemanden zu verletzen“, wies der 39-Jährige die Anklage zurück und ergänzte: „Dann hätte meine Mutter ja auch zur Seite springen müssen.“ Denn die 70-Jährige hatte zum Zeitpunkt des Vorfalls ihrem Ehemann gegenübergestanden und ihn sich vorgeknöpft: „Wir haben uns richtig gezofft, und er hat verbal auf mich eingedonnert.“ Dabei ging es um den Umgang mit dem auf dem Hof lebenden älteren Bruder des Angeklagten und die Zukunft des Hofes – verkaufen oder nicht verkaufen? 

Auf den beiden Seiten dieser Kampflinie zwischen den Eheleuten hatten sich alle anderen Familienmitglieder eingeordnet: Auf der einen Seite war der 75-Jährige mit einer neuen, vergleichsweise friedfertigen „Bekannten“, auf der anderen Seite seine Ehefrau und die beiden Söhne. Die Aussagen hinsichtlich des Geschehens ordneten sich strikt diesem Lagerdenken unter. Schon das hätte wohl keinen Richter veranlasst, eine Verurteilung auf derart kontroverse Aussagen zu stützen. 

"Ich kann nicht sagen, ob ich überfahren worden wäre"

Doch auch der angeblich zur Seite gesprungene 75-jährige Vater war weit davon entfernt, seinen Sohn entscheidend zu belasten: „Ich bin zur Seite gesprungen und kann nicht sagen, ob ich überfahren worden wäre.“ War es ein Sprung oder nur ein Sicherheitsschritt zur Seite, weil der Sohn zügig angefahren kam? „Ob er mich überfahren wollte – das weiß ich nicht!“, sagte der 75-Jährige. 

Eine wirkliche Gefahr habe nie bestanden, beteuerten die Zeugen aus dem Lager des Angeklagten. Sehr unterschiedlich waren auch die Aussagen zu der anschließenden Keilerei, die es zwischen Vater und Sohn gegeben hatte. Letztlich blieb offen, wer von beiden zuerst eine Alu-Stange als Waffe in der Hand gehabt hatte. Als gefährliche Körperverletzungen hatte die Anklage Tritte des Sohns mit dem „beschuhten Fuß“ gegen den Kopf seines angeblich am Boden liegenden Vaters genannt. „Das war nicht so schlimm“, gab der 75-Jährige nun zu Protokoll. Auch gegenüber den kurz nach der Prügelei eingetroffenen Polizeibeamten hatte er nichts davon gesagt. 

Vater und Sohn geraten aneinander 

Es blieb eine Prellmarke am rechten Ellenbogen, die immerhin so deutlich war, dass ein Arzt sie später noch erkennen konnte. Das sprach dafür, dass Vater und Sohn tatsächlich aneinander geraten waren, reichte aber nicht für eine Verurteilung. 

Richter Thomas Kabus regte zunächst eine Einstellung des Verfahrens ein, der sich Verteidiger Dirk Löber allerdings entgegenstellte. Und so gab es den auch von der Staatsanwältin beantragten Freispruch. „Es bleiben erhebliche Zweifel an dem angeklagten Sachverhalt“, sagte Richter Thomas Kabus zur Begründung. Schon zuvor hatte er dem Angeklagten zu verstehen gegeben, dass es sich bei der ganzen Geschichte um eine Familienstreitigkeit handelt, „mit der vor allem Sie und Ihre Eltern klarkommen müssen“.

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