Rückkehr der „Weltklassik“

Endlich wieder Kultur im Bahnhof! Corona-Zwangspause beendet

Ekaterina Litvintseva
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Ekaterina Litvintseva

In der Musikgeschichte gilt das 19. Jahrhundert gemeinhin als Epoche der Romantik, gekennzeichnet durch eine Steigerung des gefühlvollen Ausdrucks und eine Kopplung an außermusikalische Ideen.

Halver - Viele Komponisten ließen sich von der Natur, literarischen Vorlagen, Märchen, Sagen und Fantastischem zu großen Werken inspirieren. Einige von ihnen ließ die russische Pianistin Ekaterina Litvintseva, die am Sonntag im Kulturbahnhof im Rahmen der Weltklassik am Klavier mit romantischem Klangzauber begeisterte, in ihrem Programm „Natur als Quelle der Inspiration – Waldszenen, Erlkönig!“ virtuos zu Wort kommen.

Nach der coronabedingten Zwangspause der Reihe war sowohl bei der Künstlerin wie bei den Besuchern die Freude, wieder live klassische Musik zu erleben, groß. „Wunderbar, dass wir wieder zusammenkommen“, meinte denn auch Inge Zensen (Kulturbeauftragte der Stadt), die die Klassikliebhaber zum musikalischen Spaziergang durch Wald und Flur, durch ferne Länder und in Töne gegossene Erzählkunst einlud. Sich und ihr Programm stellte die in Moskau, Köln und Würzburg ausgebildete Pianistin selbst vor.

Mit Robert Schumanns „Waldszenen“ op. 82, die der Komponist als eine seine besten Kompositionen empfand, stellte sie ein Paradebeispiel romantischer Musik an den Anfang ihres farbenreichen Programms. Als Sehnsuchtsort, in dem die Seele frei atmen kann, in dem jedoch auch Gefahren und Bedrohungen auf Mensch und Tier lauern, brachte Ekaterina Litvintseva ihren Zuhörern den empfindsamen Zyklus – bestehend aus neun kunstvoll gezeichneten Stücken – nahe. Voller Hingabe verlor sie sich in der Musik. Bilder ferner Länder und alltäglicher Begebenheiten malte sie in der feinen, komplexen Tonsprache Claude Debussys und seiner dreiteiligen „Estampes“ – einer Reise nach Java, Granada und Gärten im Regen – aus. Weder Java, dessen Musik er bei der Weltausstellung kennenlernte, noch Granada kannte der Impressionist aus eigener Anschauung. „Wenn man sich Reisen nicht leisten kann, muss man sie durch Fantasie ersetzen“, meinte er dazu.

Virtuos und bezwingend musikalisch erzählte die junge Pianistin von der Faszination, die das Fremde, Exotische auf Debussy ausübte. Als kongeniale Erzählerin bewies sie sich zudem in den Müllerliedern und dem Erlkönig von Franz Schubert, die Franz Liszt für Klavier bearbeitete. Hoffen, Sehnen, Bangen und Leid einer unglücklichen Liebe kamen ihrem nuancenreichen Spiel zum Vorschein. Mit dem „Erlkönig“, der Schubert’schen Vertonung der bekannten Goethe-Ballade in der überwältigenden Tonsprache von Liszt, krönte sie ihren gefeierten Vortrag.

Mit ihrem eigenen Lieblingsstück – Chopins drittem Scherzo – und der „Rose“ von Dora Pejacevic als Zugabe verabschiedete sich die Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe von ihrem begeisterten Publikum aus der Halveraner Kulturszene. Zur Entdeckung geriet dabei das klangschöne Stück der vergessenen kroatischen Komponistin.

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