Eltern äußern sich

Einen Schritt voraus: Schule im MK ist digital gut aufgestellt 

AFG Halver Anne-Frank-Gymnasium
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Die Schule bleibt in diesen Tagen so gut wie leer. Das Homeschooling funktioniert überwiegend gut – so das Feedback der Eltern.

Kollabierende Lernplattformen, genervte Eltern, Schüler, denen ein Jahr Bildungsrückstand droht. Es sind diese Schlagzeilen, die vielfach die Diskussion ums Homeschooling prägen. Am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) sieht’s anders aus.

Halver – Stefan Laartz und Regina Büchmann aus dem Vorstand der Schulpflegschaft des AFG zeichnen im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger ein anderes Bild. Nämlich: „überwiegend zufrieden.“ Das AFG schaffe es, den Unterricht auf digitalem Weg nach Hause zu verlagern. Das zeigten die Rückmeldungen aus der Elternschaft und auch aus der Schülervertretung. Dass Distanzlernen keine Schule ersetzt, ist Laartz und Büchmann dabei völlig klar. „Schule ist viel mehr als nur Unterricht.“ Doch die Sache mit dem Lernen, die klappt.

Woran das liegt? Es sei im Wesentlichen der Vorlauf, den das AFG schon seit Jahren in Sachen Digitalisierung mitbringe. Die Schule auf das digitale Zeitalter umzustellen, sei seit mehr als fünf Jahren Schulprogramm, häufig auch hart umstritten in der Elternschaft. Die aber sei zurzeit „selten so einmütig wie in diesem Fall“, sagt der Pflegschaftsvorsitzende.

Seit Frühjahr ist der Weg bereits klar

Doch im Frühjahr letzten Jahres sei im Grunde klar gewesen, wohin der Weg führen müsse, wenn die Schule keinen Präsenzunterricht mehr abhalten kann. Im November, sagt Regina Büchmann, habe man im Stresstest geprüft, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden müsse, um Schule zuhause möglich zu machen. Und gerade am Anfang habe es auch Situationen gegeben, wo es „etwas holperig gelaufen ist“, räumt sie ein. Doch es werde jeder Schüler erreicht.

Auch das hat offenbar etwas mit dem Konzept zu tun. „Bring your own device“ heißt das am AFG. Das Endgerät bringen die Schüler beziehungsweise die Familien ein. Wo es nicht möglich ist, versucht die Schule zu helfen – oder auch in Halvers Wohnlagen, wo das Internet nicht zuhause ist. Wenn es hakt, können die Schüler zum Distanzlernen auch in die Schule kommen. Die Geschichte von Kindern aus Oberbrügge, die auf den Berg zum Sticht stiefeln, weil dort besserer Internet-Empfang herrscht, sei übrigens nicht erfunden, stellt Regina Büchmann fest. Doch sie spreche auch für die Notwendigkeit zur Selbstorganisation, die Schüler für diese Form des Unterrichts mitbringen müssten.

Schulpflegschaft befürwortet individuelle Lösungen

Es gehe ihnen auch nicht darum, das Gymnasium und die Konzeption über den grünen Klee zu loben. Es müsse, sagen sie unisono, viel individuellere Lösungen für die Schulen im Land geben, die technisch und räumlich völlig unterschiedlich aufgestellt seien. Das unterscheide sich von Schulform zu Schulform und auch von Stadt zu Stadt. Das AFG tauge insofern auch kaum zum Modell.

Die Aussage, dass Distanzunterricht funktionieren könne, betreffe zudem in erster Linie die Vermittlung von Wissensstoff. Schüler wie Lehrer seien in der Situation vor enorme Herausforderungen gestellt, denn der digitale Unterricht unterscheide sich erheblich von der hergebrachten Art der Lehre. Und am AFG seien Überlegungen akut, ob die Schüler mit dem Stoff daheim nicht teilweise sogar überfrachtet würden – oder sich sogar selbst überfrachteten, weil die gewohnte Unterbrechung im schulischen Lernrhythmus gar nicht stattfinde, weil der flapsige Spruch vom Klassenkameraden oder ein unfreiwillig komischer Beitrag des Lehrers eben ausbleibt. Die soziale Komponente von Schule ist im Lockdown ausgesetzt.

Und auch ein weiteres Problem des Homeschoolings benennen die Elternvertreter offen: Es bestehe die Gefahr, die Chancenungleichheit von Schülern zu verstärken. Im Vorteil bei dieser Art des Lernens seien sicher Eltern, die Bildung zur Aufgabe von Familie machten. Anders herum: Den Bildungsauftrag allein an die Schule zu delegieren, berge die Gefahr, dass Kinder in dieser Form des Unterrichts eher abgehängt werden könnten. Ein Ende der konzeptionellen Entwicklung sei daher kaum in Sicht, ist eine Erfahrung, die der Unterricht zuhause im Lockdown mit sich gebracht hat.

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