Sony verklagte 23-jährigen Halveraner

- Symbolbild dpa

Halver -  Von den Größenordnungen war es ein Kampf Goliath gegen David, der jetzt im Amtsgericht Lüdenscheid ausgefochten wurde. Der Elektronikkonzern Sony hatte eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, gegen einen Informatiker aus Halver Strafanzeige zu stellen.

Von Thomas Krumm

Der 23-Jährige sollte einen angeblich gestohlenen Prototypen einer neuen Spielkonsole unrechtmäßig erworben und weiterverkauft haben.

Der Vorwurf lautete auf Hehlerei. „Das passt nur mit einer gewissen Schieflage auf das Problem“, stellte Richter Thomas Kabus nach dem vorläufigen Abschluss des Verfahrens fest. Es gehe bei der Auseinandersetzung vor allem um urheber- und lizenzrechtliche Fragen. Und die seien vor einem Zivilgericht wohl besser aufgehoben.

Der Angeklagte erklärte, was passiert war: Als Informatiker habe er ein Interesse daran, neu entwickelte Spielkonsolen, die als interne Entwicklungsmodelle normalerweise im Elektronikkonzern verbleiben, zu testen. Zu diesem Zweck habe er das strittige Gerät, das in einem Internet-Chat angeboten worden sei, zum Preis von 500 Euro erworben. „Für mich war das ein normales arbeitstechnisches Gerät.“

Als freiberuflicher Informatiker hatte er im Jahre 2008/2009 sogar Kontakt zum Unternehmen Sony Online Entertainment unterhalten, und von diesem im Rahmen eines Auftrags die Berechtigung bekommen, Sicherheitslücken aufzudecken und Sicherheitstests durchzuführen.

„In meinem normalen Beruf bin ich mit denselben Aufgaben beschäftigt“, erklärte der Angeklagte. Neben diesen Tätigkeiten war der junge Mann jedoch als Blogger im Netz aktiv, wo er auch die Ergebnisse seiner Forschungen an Spielkonsolen veröffentlichte: „Normale Kunden haben ein Interesse daran, nicht freigegebene Funktionen ihrer Geräte zu nutzen.“

In einer Erklärung stellten Sonys Rechtsanwälte hingegen den – aus Sicht des Unternehmens – unrechtmäßigen Erwerb des Prototyps in den Mittelpunkt: „Er ist nicht der unschuldige gutgläubige Junge von nebenan“, ließ das Unternehmen das Gericht wissen. Angesichts des geringen Kaufpreises von 500 Euro habe dem Angeklagten bewusst sein müssen, „dass das Gerät gestohlen gewesen sein muss“. Dafür gab es allerdings keinen Beweis.

Merkwürdig blieb allerdings, dass der 23-Jährige das Gerät nach Abschluss seiner Recherchen für 2000 englische Pfund weiterverkauft hatte. Unter Entwicklern sei es jedoch üblich, solche Geräte günstig abzugeben, erklärte der Angeklagte die Differenz. Sammler, die sich eine solche Rarität in eine Vitrine stellen wollen, seien aber bereit, wesentlich mehr zu bezahlen.

Um das Strafverfahren fortzuführen, hätte die Verkäuferin des Entwicklungsmodells zu einer Fortsetzungsverhandlung geladen werden müssen – aus Dresden. Außerdem war die Materie so kompliziert, dass letztlich nur aufwändige Sachverständigengutachten über Urheberrechtsfragen und viele technische Details die Angelegenheit angemessen hätten aufhellen können.

Staatsanwaltschaft und Richter Thomas Kabus verständigten sich deshalb über eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage. Der Angeklagte und seine Strafverteidigerin Karolina Ziaja-Stegk aus Witten taten sich schwer damit, stimmten aber letztlich zu: Gegen 900 Euro Geldauflage wird das Verfahren wegen Hehlerei endgültig eingestellt. Das Geld soll an den Verein Glücksbringer gezahlt werden.

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