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Stadt im MK hat ein Taxi-Problem

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Von: Florian Hesse

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Vogel heißt das Taxi-Schilde auf dem Dach bei den Fahrern. In Halver fehlt es zurzeit im Stadtbild.
Vogel heißt das Taxi-Schilde auf dem Dach bei den Fahrern. In Halver fehlt es zurzeit im Stadtbild. © Paul Zinken/dpa

Halver hat ein Taxi-Problem. Seit einigen Wochen geht nichts mehr, was früher selbstverständlich war: der Weg vom Arzt, aus der Kneipe oder mit Einkaufstaschen bepackt nach Hause. Taxi Schmidt, einziges Unternehmen vor Ort, kämpft beim Märkischen Kreis um die Verlängerung der Konzession. Bis dahin stehen alle Räder still.

Halver - Woran es genau hängt, ist am Ende von außen nicht festzustellen. Margarita Schmidt, Taxi-Unternehmerin und seit 30 Jahren im Geschäft, wie sie selbst sagt, beklagt eine unfassbare Bürokratie, die ihr beim Märkischen Kreis im Wege stehe.

Im Lüdenscheider Kreishaus hingegen erkennt man durchaus die Situation, die in Halver mit dem Wegfall des einzigen Taxiunternehmens entstanden ist. Die Konzession sei im Februar ausgelaufen, bestätigt Pressesprecher Alexander Bange. Man habe sich mit dem Taxi-Unternehmen auch darauf verständigt, dass keine neue Beantragung nötig sei, sondern lediglich eine Verlängerung. Noch fehlten Unterlagen. Würden die eingereicht, „behandeln wir das bevorzugt“, sagt Bange, „weil das für Halver natürlich wichtig ist“.

Margarita Schmidt wiederum ist der Auffassung, alles Notwendige eingereicht zu haben – in Schriftform wie per E-Mail. Sie wolle nun erneut versuchen, in direkten Kontakt mit der Straßenverkehrsbehörde zu treten, kündigt sie nach dem Gespräch mit unserer Redaktion an.

Das heikle Thema hat es in den letzten Wochen bis auf höchste Ebene geschafft. Rund 30 Telefonate, schätzt Bürgermeister Michael Brosch, habe er in der Angelegenheit geführt, auch mit Landrat Marco Voge, der seine Unterstützung zugesichert habe, soweit es in seinen Kräften stehe.

Dabei scheint Halvers Taxi-Krise nicht nur hausgemacht. Die ohnehin und gerade in kleinen Städten schwierige Branche ist von Corona massiv gebeutelt worden. Das zwischenzeitliche komplette Aus für Veranstaltungen und der Rückgang bei Kunden aus der Gastronomie hatte einen Teil des Geschäfts zum Erliegen gebracht, während die Fixkosten blieben. Die Explosion bei den Dieselpreisen kommt hinzu. Die Anhebung der Preise muss auf Kreisebene politisch beschlossen werden. Anfang Juli könnte sie kommen (» Artikel unten). Attraktiver wird sie allerdings die Fahrt mit dem Taxi auch nicht machen.

Für Margarita Schmidt war das Anlass zu Überlegungen, den Betrieb ganz einzustellen. Das hat sie sich anders überlegt. „Ich wollte Halver nicht allein lassen“, sagt sie, „ich liebe meine Kundschaft und hätte es mir noch mal angetan“.

Das begrüßt auch Bürgermeister Brosch: „Ich unterstütze das ausdrücklich.“ Ein Wegfall des einzigen Taxi-Unternehmens bezeichnet er als „absolute Katastrophe“. Das betreffe weniger das Kneipengeschäft, das auch Margarita Schmidt nicht so hoch hängt. „Unter der Woche ab 18 Uhr könnte man den Wagen auch stehen lassen“, findet sie.

Brosch geht es vielmehr um Menschen, die nicht mobil sind und die auch mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht zurechtkommen, weil Haltestellen weit weg sind oder die Taktung nicht passt. Was die zurzeit machen, ist, sich einen Wagen aus Lüdenscheid oder Schalksmühle zu rufen mit den entsprechenden Mehrkosten. „Diese Kunden musste ich abgeben“, bedauert die Unternehmerin. Aber ohne Konzession darf sie ihr Taxi nicht fahren.

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