Meinung zur Bonpflicht

Bonpflicht ist "absolute Verschwendung" - Reaktionen aus dem Einzelhandel

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Ein Mülleimer als Sinnbild: Die Bons landen, wie in diesem Beispiel bei der Bäckerei Hosselmann, zumeist sofort im Müll.

Halver – „Nicht registrierte Bargeldumsätze“ – damit soll (muss) seit dem 1. Januar 2020 Schluss sein. Seitdem müssen auch Einzelhändler für alle Waren Kassenbons ausdrucken und ihren Kunden an die Hand geben. Einzelhändler in Halver haben für die Neuerung wenig Verständnis.

 „Das ist eine absolute Verschwendung“, findet Belgin Erdogan, Filialleiterin der Bäckerei Hosselmann. Die zwei Mülleimer hinter der Ladentheke der Bäckerei im Rewe-Markt dienen als Sinnbild und sind bereits zur Mittagszeit prall gefüllt mit Kassenbons.„Wir bieten den Kunden natürlich den Bon an, weil wir es müssen. Aber von 500 Kunden nehmen höchstens 5 den Bon. Diese Kunden wollten den Ausdruck bereits auch vor dem 1. Januar. Jetzt alle Bons auszudrucken, ist total unnötig. Wenn die Kunden ihn nicht wollen, schmeißen wir den Bon in den Müll“, ärgert sich Erdogan. 

Bonpflicht verursacht weitere Kosten

Zudem verursache die neue Bonpflicht weitere Kosten: „Wir verwenden Thermorollen, die nicht preiswert sind. Es wird immer davon geredet, dass man sparen solle. Aber durch diese Pflicht haben wir höhere Ausgaben, die im Endeffekt im Müll landen.“ Die Kasse wurde bereits im vergangenen Jahr umgestellt, sodass die Mitarbeiter vom Finanzamt mit einem Chip die Daten aus dem Kassengerät auslesen können.

Noel Clever, Kioskinhaber Clever tippen & shoppen, findet die Bonpflicht „unnötig“.

Auch Noel Clever vom Kiosk Clever tippen & shoppen hat sein Kassensystem schon vor längerer Zeit umgestellt. „Ich bin da absolut gläsern. Meine Steuernummer ist auch auf dem Bon hinterlegt und jede einzeln verkaufte Süßigkeit ist in der Kasse abgespeichert, seien es nur zehn Cent. Mit den neuen Kassen können die Steuerprüfer alles einsehen. Für mich war das jetzt unproblematischer als für andere Einzelhändler, die sich eventuell neue Kassen zulegen mussten“, so Clever, der die neue Bonpflicht ebenso wie Erdogan als „unnötig“ titulierte.

Wenig Kunden wollen den Bon 

 „Meine Kunden wollen keinen Bon haben beziehungsweise nehmen diesen nicht in Anspruch. Auf der einen Seite redet die ganze Welt davon, unser Klima zu verbessern, und auf der anderen Seite werden so unzählige Ressourcen verbraucht. Das ist alles andere als umweltfreundlich“, sieht der Kioskbetreiber die neue Bonpflicht sehr kritisch. 

Filialleiterin Belgin Erdogan (links) und Mitarbeiterin Daniela Steimel von der Bäckerei Hosselmann ärgern sich über den zusätzlich produzierten Müll.

Auf wenig Gegenliebe stieß die Neuerung auch beim Imbiss Döner 2000 auf der Frankfurter Straße. „Es ist ein großer Aufwand entstanden, nur um die einzelnen Bons in den Müll zu schmeißen, weil sie kein Kunde möchte. 

Muhsin Konuk, Mitarbeiter Döner 2000, sieht den hohen Papierverbrauch kritisch.

Für das verschwendete Papier müssen viele Bäume sterben“, zeigt Mitarbeiter Muksin Konuk kein Verständnis für die aufkommenden Mehrkosten und auch ein Kunde sagt ergänzend: „Ich möchte einfach meinen Döner essen und nicht noch einen Bon bekommen. Das ist in meinen Augen nicht sinnvoll.“

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