Vom Einmaleins und den Mathematik-„Todsünden“

Mit direkten Beispielen aus der Kindertherapie veranschaulichte Wolfgang Hoffmann den Eltern mögliche Probleme der Kinder mit Mathematik. ▪ Finger

HALVER ▪ In Sachen Mathematik haben Kinder und ihre Eltern oft einiges gemeinsam – wie etwa die Nutzung der Finger beim Zählen und Rechnen, wie Kinder- und Jugendpsychotherapeut Wolfgang Hoffmann am Donnerstagabend vor rund 25 Eltern im Forum der Lindenhofschule deutlich machte. Hoffmann, selbst diplomierter Mathematiker, war im Rahmen der Pädagogischen Woche bereits zum dritten Mal zu einem Informationsabend geladen worden, um über mögliche Lernprobleme jüngerer Schüler im Fach Mathematik zu berichten.

„Alte Weisheiten wie üben, üben, üben bis es klappt oder das Auswendig-lernen von Zahlenreihen wie dem ‚kleinen Einmal eins‘ sind absolute Todsünden. Sie stressen die Eltern selbst, die Kinder umso mehr und diese lernen hierbei nicht rechnen, sondern behalten sich kurzzeitig gewisse Kenntnisse, die sie aber gar nicht verstehen“, so Hoffmann. „Das Phänomen dabei ist: was wir nicht verstehen, vergessen wir schnell wieder. So rechnen die Kinder nicht, sondern zählen nur – und das Problem bleibt bestehen“, ergänzte der Mitarbeiter des mathematisch-lerntherapeutischen Zentrums Bochum-Dortmund. Auch die Nutzung des Computers zur Basislernhilfe für jüngere Schüler sei nicht empfehlenswert. Stattdessen empfiehlt der Experte, auch aus den eigenen Erfahrungen diverser therapierter Kinder, dass man sich wieder den klassischen Kinderspielen zur Lernhilfe widmen sollte. Beispiele wären hier „Mensch, ärgere dich nicht“ oder „Flohhüpfen“, dass laut Hoffmann auch die Feinmotorik der Kinder fördere.

„Wichtig ist, dass Kinder den kardinalen Zahlenbegriff verstehen. Dies bedeutet, dass Zahlen aus Zahlen bestehen und aufeinander aufbauen“, erläuterte Hoffmann den Eltern. Ein gutes Beispiel hierfür, auch zum heimischen Üben, gab Hoffmann anhand von Würfelbildern, die von der Anordnung her aufeinander aufbauen. So ließen sich aus verschiedenen Zahlen beliebig andere bilden. Logik und Zahlenverständnis zu erlernen sei primär wichtig, so dass die Eltern den Kindern möglichst auch nicht das Fingerzählen verbieten sollten. Spontan stellte Hoffmann den Erwachsenen dabei zwei Aufgaben, bei denen er aufzeigte, dass selbst die Älteren teilweise ebenfalls noch diese Hilfe, oft unbewusst, in Anspruch nehmen würden. „Sie setzen ihr Kind umso mehr unter Druck und Denkstress, wenn solche Hilfen nur im Kopf genutzt werden können. In solchen Momenten sind die Kinder durch zusätzliche Denkarbeit umso mehr konzentriert, bekommen jedoch unberechtigte Kritik, zum Beispiel dass sie nicht aufpassen würden“, erklärte Wolfgang Hoffmann.

Zum Ende des anderthalbstündigen Vortrages eröffnete der Redner eine offene Diskussionsrunde, in der die Eltern Fragen stellen konnten. Hier wurden eigene Erfahrungen und Sorgen ausgetauscht und diskutiert. Zudem betonte Schulleiterin Beate Segieth, dass man sich bei Lernproblemen der Kinder daheim an die Schule wenden könnte. ▪ bf

http://www.mlz-dortmund.de

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