Motorräder im Fokus

Anwohnersorgen in Schwenke: "Hier wird es knallen"

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Die einzelnen und gemütlichen Tourenfahrer machen den Anwohnern der Kreisstraße 3 wenig Sorge. Aber an den Wochenenden kommen die Motorräder in Massen. Gefahren wird von einigen an der Haftgrenze der Reifen und mit fünfstelligen Drehzahlen.

Halver - „Hier wird es irgendwann knallen.“ Die Frage für Wolfgang Beisenbusch ist nicht, ob an der Kreisstraße zwischen Anschlag und Schwenke etwas passiert, sondern wann.

Sein Anliegen hat er am Montag als Anregung beziehungsweise Beschwerde dem Rat vorgetragen. Unterstrichen wird seine Eingabe durch eine Unterschriftenliste, die er nach seinem Vortrag an Bürgermeister Michael Brosch weiterreichte. 

Im Ergebnis könnte der Anwohner aus Schwenke sogar mehr angestoßen haben, als er eigentlich vorhatte. Die Ratsmitglieder machten sich seine Sorgen fraktionsübergreifend zu eigen. 

Auch über die beliebte Motorradstrecke zwischen den genannten Ortsteilen hinaus betrachtet man die Entwicklung mit Sorge. Denn genau darum geht es: Motorradfahrer, die insbesondere an Wochenende in Massen und teilweise mit atemberaubender Geschwindigkeit über die schmale Kreisstraße 3 knallen. 

Die Größenordnung: „280 Motorräder pro Stunde an einem Wochenendtag“, wie Beisenbusch gezählt hat. Der Schalldruck stoppe jedes Gespräch auf der Terrasse. Der Anwohner der Wipperstraße hat selbst einen Motorradführerschein. Er möchte die Motorradfahrer auch nicht über einen Kamm scheren und stigmatisieren, wird in seinem Vortrag spürbar. Doch die Situation sei nicht mehr haltbar. 

Tempo 100 ist zulässig 

Auf der Kreisstraße 3 gelte das Tempo 100 – unbeschränktes Landstraßentempo also. Die Motorräder teilen sich den Verkehrsraum mit Radfahrern, zum Teil mit Fußgängern und auch immer größeren landwirtschaftlichen Geräten. Eine Familienradtour mit kleineren Kindern sei brandgefährlich, sagt Wolfgang Beisenbusch, selbst passionierter Radfahrer, der die Unterschriften für die Liste per Fahrrad eingesammelt hat. 70 Unterzeichner hatte er am Ende beisammen. Nur einem Haushalt sei die Lage eher egal gewesen, erklärt er. 

Seit 18 Jahren wohnt der Antragsteller in Anschlag, schätzt die Lebensqualität. Doch seit sieben bis acht Jahren habe sich die Situation verschärft bis ins Unerträgliche. Die Autos und Landmaschinen seien breiter geworden, die Motorräder schneller, lauter und vor allem mehr. Beisenbusch spricht sachkundig von Naked-Bikes und offenen Schalldämpfern und der Tatsache, dass das Tempo auf Bundestraßen besser geregelt sei als auf der kurvigen und hügeligen Verbindungsstraße mit schlecht einsehbaren Kurven. 

Heißer Tipp im Internet

Im Internet und vermutlich auch entsprechenden Apps für Biker gilt die Straße als heißer Tipp für Biker. Wer vor dem Ortseingang Schwenke links Richtung Wipperfürth und Bever abbiegt, stößt weiter auf guten Asphalt und schöne Kurven. So was spricht sich herum in den Ballungsräumen des südlichen Ruhrgebiets, Richtung Leverkusen, Köln und bis nach Holland. Von dort aus sind die Motorradtouristen am Wochenende zu Tausenden unterwegs ins Bergische und ins Sauerland. 

In der Ratssitzung lief Beisenbusch offene Türen ein. Kurt-Dietrich Neuhaus (CDU) erinnerte daran, dass vor Jahren schon Peter Starke auf das Problem aufmerksam gemacht habe. Passiert sei nichts. Die Wohnqualität komme abhanden. Häuser verlören an Wert, weil kein Mensch an eine solche Motorradstrecke ziehen wolle. 

„Kommen, um sich auszutoben“ 

„Das würden auch viele unterschreiben, die nicht in Anschlag wohnen“, ist sich auch Monika Ebbinghaus (CDU) sicher. Doch für Familien mit Kindern sei die Strecke „unmöglich“, weil „Motorradfahrer von außerhalb kommen und sich hier austoben“. Auch Martin Kastner (SPD) und Sascha Gerhardt (FDP) begrüßten den Vorstoß.

Doch ebenso parteiübergreifend war klar, dass man die Situation nicht losgelöst betrachten könne. Es gebe weitere Strecken, die man ins Auge fassen müsse, darunter auch Teile der Landesstraße 528, wie Werner Lemmert (UWG) und Karl-Friedrich (Grüne) ins Feld führten. Unter Umständen müsse man hier interkommunal handeln. 

Wie weit das erfolgversprechend ist, ist aber offen. Der weitere Verlauf der Kreisstraße 3 führt nach Süden durchs Kerspetal Richtung Kierspe und Rönsahl. Dort kämpfen die Anwohner seit Jahren gegen die Belastung durch Motorräder. Passiert ist dort bislang nichts.

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