Anwohner verärgert

Ein Festsaal sorgt für Ärger - Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

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Idyllisch: Ortseingang von Ober Buschhausen.

Halver - Ober Buschhausen ist kein Ort des Lärms. Mitte zwischen Halver und Breckerfeld gelegen, herrscht hier eine Idylle, die die Bewohner zu schätzen wissen. Und die sie bewahren wollen. Mit dem Bau eines Festsaals durch die Draut Foods GmbH lässt sich das ihrer Meinung nach nicht vereinen.

„Die Baubehörde ist uns gegenüber in der Schuld.“ Seitens des Märkischen Kreises, der dem Catering-Anbeiter in Ober Buschhausen den Bau einer Festhalle für 150 Gäste mit Außenterrasse genehmigt hat, fühlen sich viele Anwohner im Stich gelassen. „Unser Gegenüber ist nicht die Firma Draut Foods, unser Gegenüber ist der Märkische Kreis“, stellen etwa Dieter Fastenrath und Susanne Wareham klar. 

„Unser Ziel ist es, das Dorf zu erhalten“, heißt es im Gespräch. „Wir wollen keinen Bruch.“ Um das Bauvorhaben des Unternehmens zu stoppen, haben die Nachbarn mittlerweile Klage eingereicht und einen Baustopp beantragt. Am Mittwoch war das Verwaltungsgericht Arnsberg vor Ort, um sich an Ort und Stelle ein Bild von der Festhalle, die sich bereits im Bau befindet und laut Draut-Homepage im Spätsommer eröffnet werden soll, zu machen. 

Ängste und Sorgen um das Leben im 80 Seelen-Dorf

Was die Anwohner auf die Barrikaden treibt, sind Ängste und Sorgen um das Leben im 80 Seelen-Dorf. „In Ober Buschhausen gibt es noch eine intakte Dorfstruktur“, erzählen sie. „Hier leben rund 80 Leute – davon 25 Kinder.“ Diese konnten bis jetzt ungestört draußen spielen. 

Wenn ein Festsaal für 150 Gäste – fast das Doppelte der Einwohnerzahl der Dorfgemeinschaft – kommt, dürfte es damit vorbei sein, befürchten sie. Zumal die Zufahrtsstraße nach Ober Buschhausen bekanntlich sehr eng ist und der Veranstaltungsort am Ende des Dorfes in unmittelbarer Nachbarschaft der anderen Dörfler liegt. Somit müsste jeder, der den Saal besuchen will, durchs Dorf fahren. Eine andere Zufahrt als über das enge Ringstraßensystem ist nicht möglich. „Es gibt keine Ausweichflächen.“ 

Parken von 150 Gästen ist ein Problem

Wo die 150 Gäste parken sollen, wenn der Festsaal öffnet, ist den Anwohnern ebenfalls ein Rätsel. Nach ihren Informationen seien lediglich 34 Parkplätze genehmigt worden. Die übrigen Fahrzeuge dürften, so die Befürchtung, entlang der Fahrbahn parken. Die Angst: verstopfte Straßen und keine Zufahrtsmöglichkeiten für Rettungsfahrzeuge. „Wir haben hier auch Pflegebedürftige und alte Menschen.“ Vom Lärm, der bei Hochzeitsfeiern und anderen Veranstaltungen zu erwarten ist, ganz zu schweigen. 

Der neue Festsaal mit ausgebautem Dachboden befindet sich nach entsprechender Genehmigung des Märkischen Kreises schon längst im Bau.

„Es wäre schön gewesen, wenn wir vom Märkischen Kreis informiert worden wären“, kritisieren die Anwohner. Auf Nachfrage seien Informationen nur sehr spärlich und zögerlich geflossen. „Es geht hier um die Frage: Wie kann es sein, dass der Märkische Kreis einseitig zugunsten eines Unternehmens entscheidet und die Fürsorgepflicht gegenüber allen anderen vergisst? Das ist eine einseitige Entscheidung, die in keinster Weise in unserem Interesse ist.“

Wasserschutzzone II in Ober Buschhausen

Da in Ober Buschhausen als Wasserschutzzone II obendrein besondere Ge- und Verbote gelten, ist die Entscheidung für die Anwohner doppelt unverständlich. „Die Struktur der Region gibt eine Festhalle nicht her.“ Ober Buschhausen sei schließlich kein Tourismusgebiet, sondern immer noch eine landwirtschaftlich genutzte Region. Der Bauherr selbst will sich zur derzeitigen Debatte um den Festsaal uns gegenüber  nicht äußern, verweist auf die vorliegende Genehmigung des Kreises. Auch zu den möglichen Nutzungsformen des Saals gab es bis Dienstag keine offizielle Stellungnahme. 

Wie das Unternehmen selbst auf seiner Internetseite schreibt, wird es mittlerweile in dritter Generation betrieben und hat sich seit den 1970er-Jahren vom reinen Eierproduzenten zum Caterer und Essensdienstleister entwickelt. Seit Oktober 2015 firmiert das Unternehmen als „Draut Foods“ mit zwölf Mitarbeitern und eigener Großküche.

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