Plastikmüll 25 Jahre auf den Feldern

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Halver/Herscheid - Dass Plastik in den Meeren schwimmt, ist mittlerweile bekannt. Es wird als großes Problem wahrgenommen und erste Lösungsversuche wurden bereits unternommen. Für viele ist es jedoch neu, dass in großen Mengen Plastikmüll auf den Feldern und Äckern liegt.

Auch auf Feldern vom Halveraner Biobauern Rainer Dowy sind Plastikrückstände zu finden. Wie kommt es überhaupt dorthin? Am Feld am Rande Herscheids, das der Halveraner Landwirt Rainer Dowy bewirtschaftet, ist nach dem Pflügen Plastikmüll ans Licht gekommen. 

„Der ist schon 25 Jahre alt“, sagt Dowy. Damals habe das Feld ein anderer Bauer bewirtschaftet und dort Mais angepflanzt. Dieser wurde mit einer weißen Plastikfolie abgedeckt. „Das Erntegut wird festgefahren und mit einer Folie siliert, damit weder Luft noch Feuchtigkeit Einfluss nehmen können“, erklärt Thomas Wiethege, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Orstverbandes. Auch wenn Wiethege zugibt, dass die Entfernung solch einer Folie nicht einfach ist, sagt er auch: „Ein ordentlicher Landwirt räumt sein Feld wieder auf. Auf der Fläche von Dowy ist das nicht passiert. 

Silofolie in langen Streifen 

Vor Kurzem hat er Roggen gepflanzt, welcher das gepflügte Feld schon bald wieder ergrünen lassen wird. Bis dahin sehen Spaziergänger und Anwohner allerdings auf dem ganzen Feld verteilt die Verschmutzung: Überreste weißer Plastikfolie. Entweder liegen sie auf dem Feld oder sie wurden vom Wind in die angrenzenden Wälder getragen. 

Anders als im Meer, schwimmt der Müll nicht auf dem Wasser uns ist als Strudel sichtbar. Viele Reste sind tief in der Erde vergraben und nur ein Teil ist an der Oberfläche zu sehen. Wer kräftig zieht, hält bis zu 40 Zentimeter lange Folien in den Händen. „Die großen Stücke an der Oberfläche habe ich bereits entfernt“, sagt Dowy. „Aber die ganzen kleinen bleiben liegen.“ Es sei unmöglich alle Einzelteile aufzusammeln. „Das schadet nicht“, sagt Dowy und sieht kein Umweltproblem. 

Beim Ernten werden die Plastikfolien zum Teil mit aufgenommen werden, der Rest verbleibt im Feld. Zwar diene der Roggen diesmal nicht als Futtermittel, sondern als Streugut für die Ställe, aber sollte beim nächsten Mal Futtermittel gepflanzt werden, wird das Plastik noch immer dort sein. 

Um Wildtiere macht sich Dowy keine Gedanken. „Sie fressen das Plastik nicht.“ Ulrich Ackfeld kann auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigen, dass zumindest Rehe das Plastik nicht fressen werden. „Rehe selektieren sehr stark ihr Futter und essen nur einzelne Kräuter – anders als Kühe.“ Er sehe das Problem eher darin, dass sich das Plastik im Laufe der Jahre zerkleinern wird und es bei kleinen Teilen auch nicht mehr sicher sei, dass nicht auch Tiere etwas davon aufnehmen. Wiethege ist zudem zuversichtlich, dass selbst Kühe größere Plastikfolien aussortieren würden, eine „Sauerei“ auf dem Feld sei es aber allemal. 

Ackfeld spricht, als größeren Ursache von Plastik auf den Feldern, mineralische Dünger an. Sie seien zwar aus Lebensmittelresten gewonnen, allerdings sind durch die Bioabfallverordnung bis zu 0,5 Prozent Kunststoffanteile im Material erlaubt. Es ist also davon auszugehen, dass Plastikrückstände mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf vielen andere Feldern zu finden sind.

Plastik wird liegen bleiben 

„Das eigentliche Problem ist viel grundsätzlicher“, sagt Ackfeld. „Alle Nahrungsmittel sind verpackt – das kann nicht gut sein.“ So werden beispielsweise Tiefkühlpizzen und Joghurtbecher samt Plastikverpackung geschreddert. Gegen diese Vermischung von Materialien hilft entweder die allgemeine Vermeidung oder Reduzierung von Plastikverpackungen, oder eine genaue Trennung, damit ein Recycling ermöglicht werden kann. Wo auch immer die Plastikteile sich irgendwann befinden: Sie werden liegen bleiben. Ob im Meer oder auf Feldern.

*Artikel wurde aufgrund einer missverständlichen Darstellung leicht geändert, Stand: 2. Januar 2019.

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