Eine Million Euro aus der Holzernte jährlich

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So sieht er aus, ein gut befestigter Forstwirtschaftsweg. Auf dem Schotterbelag können Lkw geerntetes Holz abfahren, Spaziergänger trockenen und sicheren Fußes ihren Ausflug in den Wald genießen.

Halver - Der Wald ist ein Erholungsgebiet. Gerade in Halver – der Stadt im Grünen – suchen besonders an den Wochenenden viele hundert Bürger die umliegenden Wälder für einen Spaziergang oder eine Wanderung auf. Aber der Wald ist noch viel mehr: Er ist Wirtschaftsfaktor und bietet Menschen einen Arbeitsplatz.

Auch Ulrich Ackfeld, der als Revierförster für den Forstbetriebsbezirk Halver vielen Bürgern bekannt ist. Angestellt beim Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein Westfalen, koordiniert und plant er alle Aufgaben, die der Arbeitsplatz „Wald“ mit sich bringt. In erster Linie ist das die Beratung und Betreuung der einzelnen Forstbesitzer. Von den insgesamt rund zweieinhalbtausend Hektar Wald auf Halveraner Gebiet gehören nur 160 Hektar der Stadt. Der Rest verteilt sich auf 350 private Waldbesitzer. Zwischen zehn- und sechzehntausend Festmetern Holz werden in diesen Wäldern geerntet, mit rund 90 Prozent macht die Fichte darunter den größten Anteil aus. Für den Hausbau, so Ackfeld, eigne sich die Fichte am besten. Pro Jahr werden auf einem Hektar sieben Festmeter geerntet, rund eine Million Euro allein auf Halveraner Gebiet dabei erwirtschaftet.

Verarbeitet werden die abgeernteten Holzbestände meist in nahegelegenen Sägewerken. Um sie dorthin zu transportieren, braucht es entsprechende Lkw, die wiederum auf befestigten Wegen unterwegs sein müssen. Einen Wirtschaftszweig mitten in der Natur möglichst unauffällig zu etablieren, verlangt besonderes Geschick. Schließlich, so Ackfeld, könne man ja keine doppelspurige Teerstraße durch den Wald legen.

Jüngst war ein sogenannter Gräder in den Wäldern zwischen Oberbrügge und der Ortschaft Berge unterwegs, der die Forstwirtschaftswege von Schlamm befreit. „Ein Gräder ist eine Raupe ohne Ketten“, versucht er das monströs anmutende Gefährt zu beschreiben. Mit einem Räumschild wird überschüssiger Schlamm abgeschoben und der Wasserabfluss auf den Wegen reguliert. „Wenn das auf den Wegen stehende Wasser nicht abfließen kann, weichen die Wege auf“, erklärt der Experte die Problematik. Die Forstwirtschaftswege würden zum Zwecke der Waldbewirtschaftung angelegt, gleichzeitig aber durch die Holzernte belastet. „Die primäre Nutzung der Wege sind die Holzerntearbeiten, und dafür müssen sie Jahr für Jahr in Schuss gehalten werden“, erklärt Ackfeld. Die Wege schwemmen durch häufige Benutzung aus und zurück bleiben Mulden und Wasser.

„Das sieht im ersten Moment ziemlich wüst und grob aus“ erklärt Ackfeld die noch frische Spur des Gräders im Halveraner Wald. Aber schon nach einem Jahr „erobert“ sich die Natur die Wegesränder zurück. Die begradigten Wege werden im letzten Arbeitsschritt mit Schotter befestigt. „Von Zerstörung und Verwüstung reden wir hier nicht“, macht der Revierförster klar. Und letzendlich profitiere auch der Spaziergänger davon. „Trockenen Fußes und auf gut befestigten Wegen können die Besucher durch den Wald spazieren.“ Die einzigen, denen die Schotterwege weniger gefallen, seien die Reiter. „Die mögen weiche Böden natürlich viel lieber“, weiß der Revierförster.

„Mein Beruf ist zweigeteilt, auf der einen Seite muss ich innerhalb eines natürlichen Arbeitsplatzes sehr ökonomisch auf der anderen Seite auch so ökologisch wie möglich arbeiten.“ Revierförster Ulrich Ackfeld müsse Geschäftssinn und kaufmännisches Geschick haben, wenn es darum geht, wertvolles, marktgerechtes Holz zu produzieren und zu verkaufen, zugleich ist er aber in gleichem Maße auch Natur- und Umweltschützer.

Von Friederike Domke

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