Neue Wundertüte

Eine Kita komplett aus Holz - der Rohbau steht zum Teil

Baustellenfoto der Awo-Kita „Wundertüte“
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Das erste Geschoss der neuen Awo-Kita von oben.

In Halver entsteht eine neue Kita - und sie ist groß und besonders ökologisch.

Halver – Die Wände kommen schon am Stück auf dem Laster zur Baustelle. Dann geht alles ziemlich fix. Auf der Bodenplatte aus Beton wird gerade die neue Wundertüte gebaut.

Am vergangenen Montag begann der Hochbau der neuen Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) auf dem Gelände des früheren Fußballplatzes am Schulzentrum. Am Donnerstag war die Sache mit dem Erdgeschoss weitgehend erledigt.

Zwischendecke, Obergeschoss und Dach werden in den kommenden Wochen montiert sein. Dann steht im Grundgerüst der Neubau für die Wundertüte, komplett aus Holz gefertigt, nahezu energieneutral und auf jeden Fall ohne CO2-Ausstoß im Alltagsbetrieb.

Wichtigstes Tatwerkzeug: der Akkuschrauber.

Möglich macht es die Holzrahmenbauweise, auf die sich der Generalübernehmer des Projekts, die Soester Firma Materio, spezialisiert hat. Auch in der Nachbargemeinde Schalksmühle kümmert sich diese Firma derzeit um den Neubau einer Kita.

Im Rohbau riecht‘s nach Fichte

Im Rohbau riecht’s nach Fichte. Daraus bestehen die passgenau gefertigten Elemente aus Leimholz, die inzwischen die Zwischen- und die Außenwände der neuen Kita bilden. Nach innen ist es eine dichte und stabilisierende OSB-Platte, auf der Außenseite eine dampfdurchlässige Holzfaserplatte, auf der später die weitere Holzbeplankung aufgeschraubt wird, die von außen sichtbar sein wird, wie Bauamtschef Michael Schmidt bei der kurzen Begehung erklärt. Optisch veredelt wird die Fassade am Ende mit einem Lasuranstrich, den das Holz zwar technisch nicht nötig hätte, der aber gegen den Grauton hilft, der sich über die Zeit von alleine einstellen würde.

Blank „geflügelter“ Beton. Auf der Bodenplatte gibt’s keinen Estrich.

Bevor das alles soweit ist, werden die Elemente aufgefüllt. Zellulose, der Grundstoff für Papier, wird in Flocken eingeblasen und entfaltet dort die Isolierwirkung.

Die hohen Dämmwerte sind der eine Teil des Niedrigenergiehauses, der andere ist die Heizungsanlage. Denn die gibt es in der neuen Awo-Kita nicht, zumindest nicht in konventioneller Form. Fossile Brennstoffe kommen überhaupt nicht zum Einsatz.

Die Fußbodenheizung ist in der Bodenplatte selbst eingebaut, die Wärmedämmung, die ansonsten unterm Estrich liegen würde, liegt bereits unter der Bodenplatte. Das Ergebnis ist eine großflächige Fußbodenheizung, die den blank polierten Betonsockel selbst als Wärmespeicher nutzt.

Fotovoltaik auf dem Dach

Die nötige Wärme dafür kommt aus der Luft. Eine Luftwärmepumpe entzieht der Außenluft über Rücktauscher die nötige Heizungsenergie. Der Strom dafür kommt vom Kita-Dach über die Fotovoltaikanlage. Was an Reststrom für die Kita benötigt wird, muss, soweit es nicht über den Pufferspeicher bereitgehalten werden kann, aus dem Netz bezogen werden. Doch auch dieser Strom sei zertifiziert und aus erneuerbaren Energien gewonnen, erklärt Schmidt das System weiter.

Die Elemente kommen per Lkw, der Kran setzt sie an die Position.

Nötig wurde der Neubau, der insgesamt rund 3,3 Millionen Euro kosten wird, weil die Awo-Kita mit ihrem Standort an der Weststraße räumlich an Grenzen stößt und demnächst von fünf auf sechs Gruppen einschließlich einer heilpädagogischen wachsen wird. Zudem weist das Gebäude bauliche Mängel auf, die wirtschaftlich kaum zu beheben sind. Auf der Suche nach einer Alternative sprang die Stadt in die Bresche mit dem Gelände nahe den Schulen. Sie ist Bauherr und errichtet die neue Wundertüte auf eigene Kosten. Auf lange Sicht werde sich der Bau mit der Miete amortisieren, so die Rechnung im Rathaus, wo man um den Engpass bei der Versorgung mit Kita-Plätzen weiß und daher der Awo gerne helfen wollte.

Der Start verzögert sich

Einen Wermutstropfen allerdings gibt’s trotzdem zu verzeichnen. Der Start für die neue Kita war eigentlich fürs neue Kita-Jahr erhofft. Das wäre im August gewesen. Das wird aller Voraussicht nach nicht klappen.

Mit rund zwei Monaten Verzug rechnet Schmidt, was an den Feinabstimmungen im Vorfeld der Ausführung gelegen habe. Kindergärten in Holzbauweise und mit mehr als nur dem Erdgeschoss seien nun mal nicht alltäglich. Umso mehr freue er sich, dass jetzt die Ampeln für das Vorhaben im Einvernehmen mit dem Märkischen Kreis auf Grün stünden, sagt Schmidt beim Ortstermin.

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