Eine Integrationsgeschichte

Vom Bahnweg zum Gesellenbrief

Integrationsgeschichte in Halver: vom Bahnweg zum Gesellenbrief
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Zwei Männer, ein Team: Reinhard Göddert (links) und sein Auszubildender Ziyodullo Atobekov haben allen Grund zur Freude. Der 25-Jährige hat seinen Gesellenbrief erhalten und ist Zweitbester der Innung Lüdenscheid geworden.

Es ist ein Abschluss, aber vor allem ein Beginn. Ziyodullo Atobekov hält seinen Gesellenbrief in den Händen. Reinhard Göddert strahlt und ist stolz auf seinen Lehrling.

Halver - Vor rund einem Jahr haben wir den 25-Jährigen begleitet und seine Geschichte zum ersten Mal gehört. Jetzt ist eingetreten, woran alle geglaubt haben. Ziyo Atobekov hat nicht nur seinen Gesellenbrief, sondern ist zudem der Zweitbeste der Innung Lüdenscheid sowie der Drittbeste der Vereinigten Innung Lüdenscheid-Iserlohn. „Er ist einfach ein Naturtalent“, sagt der 74-jährige Malermeister.

Nach der Flucht eine Chance in Halver

Jahrelang hatte der Malermeister im Familienbetrieb keinen Auszubildenden mehr. Mit „Ziyo“, wie ihn alle einfach nennen, hat sich das Blatt gewendet. Reinhard Göddert und sein Sohn Oliver, der den Betrieb übernommen hat, sahen von Anfang an großes Potenzial. Und Maler- und Lackierer ist nicht alles, was Ziyo Atobekov gelernt hat.

Er ist einfach ein Naturtalent.

Reinhard Göddert, Malermeister aus Halver

Vor fünf Jahren ist der 25-Jährige aus Tadschikistan geflohen. Nach zwei Jahren in Halver, wohnhaft am Bahnweg und ohne Anrecht auf offizielle Deutschkurse kommt dann endlich eine Chance. Walter Weyland von der Flüchtlingshilfe vermittelt zwischen ihm und Reinhard Göddert. Nach einem Probearbeitstag wird schnell klar, dass der Flüchtling angestellt wird.

Zusammen lernt die Familie mit Ziyo Atobekov Deutsch. Abends, an Wochenenden und Feiertagen. Die Entwicklung fasziniert Reinhard Göddert. Die Schulzeugnisse sind voller Einsen, in der Lehre arbeitet er ebenfalls vorbildlich, sieht die Arbeit nicht nur, sondern sucht sie.

Ziyodullo Atobekov bei der Arbeit: Nach drei Jahren Ausbildung ist der 25-Jährige jetzt Geselle – zudem der Zweitbeste der Innung Lüdenscheid, und der Drittbeste der Vereinigten Innung Iserlohn.

Jetzt blickt die Malerfamilie auf drei Jahre Ausbildung zurück, in denen Ziyo nicht nur ein Teil des Betriebs geworden ist, sondern auch einer der Familie. „Wir sind eine Familie“, sagt der Malermeister. Ziyo Atobekov wurde auf- und an die Hand genommen. Reinhard Göddert hat den Weg in die richtige Richtung gewiesen, erklärt Göddert. „Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu lernen.“

„Ich bin dankbar, dass ich ihn habe“, sagt der Geselle zu Reinhard Göddert. Vor allem, wenn man selbst zweifelt, ist es wichtig, jemanden zu haben, der an einen glaubt. Denn die Zeiten waren und sind noch immer ungewiss. Der 25-Jährige ist nur geduldet. Die Angst vor einer Abschiebung ist immer noch präsent. Aber deshalb aufgeben? „Ich habe mir gesagt, zieh durch – egal, was kommt.“ Anfangs dachte Ziyo Atobekov noch, drei Jahre hält er nicht durch, die Zeit ist zu lang. Aber die Ausbildung verging wie im Flug, sagt er.

Nächstes Ziel: Meister

Jetzt soll es weitergehen. Die unbefristete Anstellung im Malerbetrieb hat er bereits. „Den lassen wir nicht mehr gehen“, sagt Reinhard Göddert und lacht. Das nächste Ziel, auch von Reinhard Göddert, ist es, den Meister zu machen. Den Titel haben bisher alle Auszubildenden des Betriebs geschafft, sagt der Halveraner. Das wird noch ein paar Jahre dauern, aber Reinhard Göddert ist zuversichtlich. Was schneller gehen wird, ist die Besetzung einer weiteren Ausbildungsstelle. Wieder soll es ein Flüchtling sein, dem der Betrieb eine Chance gibt. Einen Bewerber gibt es bereits.

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