Schrecken und Grauen aus dem Dunkel der Geschichte

Eindrucksvolles Passionspiel in der Johanneskapelle Halver

„Kein Gericht der Welt, kommt gegen diese Bluthunde an!“, klagt Pontius Pilatus (Stefan Detering) und ließ dem Geschehen freien Lauf. Auch das Flehen seiner Frau (Claudia Baumann) blieb ungehört. -  Foto: Salzmann

Halver - Auf bewegende, ergreifende Weise führte eine Theatergruppe aus der Lüdenscheider Kreuzkirche am Gründonnerstag in der Johanneskapelle Prozess, Leiden und Sterben Jesu vor Augen. An Stelle einer Predigt bereitete das erschütternde Passionsspiel „Die Geschichte vom Holzkreuz“ aus der Feder von Konrad Straub die Gottesdienstbesucher innerlich auf Karfreitag und Ostern vor.

Von Monika Salzmann

Aus der Perspektive des römischen Hauptmanns Markus Quintilius, der sich als Kommandant der Kreuzigung Jesu zu erkennen gab, trat das Passionsgeschehen mit all seinen Schrecken und Grauen eindringlich aus dem Dunkel der Geschichte hervor.

Wie zuvor schon in der Kreuzkirche, wie Pfarrer Martin Pogorzelski zu Beginn des Abendmahlsgottesdienstes erklärte, verbanden die vier Akteure ihre Darstellung der Leidensgeschichte mit einer Sammlung – diesmal für die Instandsetzung der Nicolai-Kirche.

Musikalisch umrahmte der Vermischte Chor des CVJM Halver unter der Leitung von Dorothea Turck-Brudereck den Gottesdienst. Als Akteure schlüpften das Ehepaar Claudia und Uwe Baumann, Sven Schneider und Stefan Detering in die Rollen unmittelbar am Kreuzigungsgeschehen beteiligter Gestalten.

Von der Erkenntnis überwältigt, wen er da ans Kreuz hatte nageln lassen, machte sich der Hauptmann – von Uwe Baumann verkörpert – zum Wortführer des Quartetts. Einen schwachen, zaudernden Pontius Pilatus (Stefan Detering), seine von Alpträumen geplagte Ehefrau (Claudia Baumann) und einen gewissenlosen Herodes (Sven Schneider), an dessen Händen bereits das Blut Johannes des Täufers klebte, rief der Hauptmann als Augenzeugen auf.

In eindringlichem Erzähltheater versetzten die Laienschauspieler in die Antike zurück. In der Ich-Form erzählte der Hauptmann – bis ins Mark erschüttert – vom Prozess, dem Leiden und Sterben Jesu.

Zweifel, Ängste und Beweggründe ihrer Protagonisten kehrten die vier Darsteller in ihrem intimen Kammerspiel anschaulich hervor.

In die Enge getrieben („Kein Gericht der Welt kommt gegen diese Bluthunde an!“), beugte sich Pilatus letztlich dem Volkswillen und ließ dem blutigen Geschehen seinen Lauf. Selbst das Flehen seiner Frau blieb ungehört.

Herodes schien es nichts auszumachen, dass er sich die Hände einmal mehr beschmutzte.

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