„Ein sensibles Thema, das angepackt werden muss“

Nicht nur interessierte Bürger folgten am Montag den Ausführungen zum neuen Müllsystem, sondern vor allem auch viele Politiker.

HALVER ▪ Dass es ein sensibles Thema in der Bürgerschaft ist, dessen waren sich Bürgermeister Dr. Bernd Eicker, Kämmerer Markus Tempelmann und Kai Hellmann, Leiter des Steueramtes, mehr als bewusst. Dennoch sind sie nach wie vor der Auffassung, dass das derzeitige Müllsystem angepackt und verändert werden muss.

Und das machten sie auch den interessierten Bürgern, darunter zahlreiche Politiker, deutlich, die am Montagabend zur Bürgerinformationsveranstaltung gekommen waren (wir berichteten). Dabei zeigten sie ihnen vorweg die Probleme und Nachteile beim bisherigen Chipsystem auf, aber auch die Vorteile, die das Neue ihrer Meinung nach mit sich bringen würde. So erinnerte Hellmann beispielsweise an den hygienischen Aspekt, der beim derzeitigen vierwöchigen Abfahrrhythmus bisweilen leide, an die Unstimmigkeiten bei der Chiphandhabe, die teilweise nicht aus den Taschen fallen oder sogar manipuliert würden, aber auch an den immensen Arbeitsaufwand in der Verwaltung, den die Verteilung der Müllchips mit sich brächte. „Unser Ziel ist es, den Service für die Bürger zu verbessern und die Abläufe in der Verwaltung zu optimieren – und zwar ohne Gebührensteigerung.“

Anhand von Beispielrechnungen zeigte Hellmann auf, was sich für die Bürger verändern würde –  inklusive des 14-tägigen Abfuhrrhythmus’, der Berechnung pro Grundstück statt bisher Haushalt sowie der Einsparungen durch Kompostierung. Aber auch die Verringerung der Tonnenzahl, die nicht gerade zur Verschönerung des Stadtbildes beitrage, sowie die Vermeidung wilder Müllkippen wurden thematisiert. Dabei betonte Hellmann, dass die Anregungen, die innerhalb der politischen Ausschüsse aufgekommen waren, bereits in das neue Konzept eingeflossen seien. Kämmerer Tempelmann wies zudem darauf hin, „dass man keinesfalls ein exotisches System einführt, sondern vielmehr eines abschaffen will“. Denn mit den Müllchips stehe man in der Region – mit Ausnahme von Herscheid – ziemlich alleine da.

Für die Bürger stellte sich die Frage, ob die 14-tägige Leerung nicht zu einer verstärkten Müllproduktion beitrage, „da ja sowieso geleert und dafür bezahlt wird.“ Dieser Auffassung konnten sich die Verantwortlichen der Verwaltung nicht anschließen. „Nur, weil ich jetzt mehr Volumen zur Verfügung habe, ändere ich doch nicht mein Müllverhalten“, verwies unter anderem Bürgermeister Dr. Bernd Eicker darauf, dass viele Bürger ein entsprechendes Umweltbewusstsein hätten. Ebenfalls bemängelt wurde von einigen anwesenden Bürgern die ihrer Meinung nach Ungerechtigkeit des neuen Abrechnungssystems, gerade bei Mehrfamilienhäusern, in denen eine Kompostierung nicht erlaubt sei. „Hier fühle ich mich als Bürger betrogen“, so eine Halveranerin. Dies wollten die Verantwortlichen so jedoch nicht stehen lassen. „Ein gerechtes System wird es nicht geben“, waren sie sich sicher.

Bis zur Sondersitzung des Rates am 30. August sollen die vorgebrachten Einwände der Bürger nun in der Vorlage Berücksichtigung finden. ▪ Kerstin Zacharias

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