„Ein lösbares Problem“

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Dierk Bleiker und seine Frau Stephanie leiten die Therapie- und Lebensgemeinschaft Armbrüster in Hagebüchen.

Halver - Es sind zwei Welten, die aufeinandertreffen: Auf der einen Seite stehen die Bewohner der Therapie- und Lebensgemeinschaft Armbrüster in Hagebüchen, auf der anderen Seite die Jägerschaft des dortigen Reviers Schmidthausen.

Von Friederike Domke

Die Leidenschaft des einen kann das Leben des anderen im schlimmsten Falle komplett durcheinander bringen. Damit dies nicht geschieht und Hobby und Leben gleichermaßen stattfinden können, gilt es, Absprachen zu treffen und aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Und genau daran hakt es derzeit, finden Dierk und Stephanie Bleiker, die die Wohnbereichsleitung des Hauses innehaben und in Hagebüchen gemeinsam mit acht geistig behinderten Mitbewohnern leben. Die meisten von ihnen leben mit einer sogenannten Doppeldiagnose. Das heißt, sie sind Autisten, einhergehend mit einem frühkindlichen Hirnschaden und sind in ihrer geistigen Wahrnehmung und Handlung eingeschränkt.

„Wir betreuen Menschen, die sich gar nicht oder nur schwer in Gemeinschaften einbringen und darin leben können“, erklärt Dierk Bleiker. Ihnen einen in ihrem Rahmen normalen Alltag zu ermöglichen, sie individuell auf verfolgbare Ziele vorzubereiten und sie zu begleiten, sei das Ziel der Therapie- und Lebensgemeinschaften Armbrüster. Die etwas abgeschiedene, ländliche Lage in Hagebüchen trage zur Ausführung des Konzeptes bei, erklärt Bleiker, der um ein Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger gebeten hat. „Die Menschen können und sollen allein in den umliegenden Wäldern unterwegs sein.“

Wald und Feld sind aber auch das Revier der Jäger. Rund um die Ortschaft Hagebüchen befindet sich das Revier Schmidthausen. Bleiker: „In den vergangenen Jahren haben wir immer Jäger angesprochen, sie möchten uns bei erhöhtem Jagdaufkommen bitte im Vorfeld informieren.“ Denn „eine Begegnung mit angeschossenem oder getötetem Wild oder der Schuss eines Gewehres“ könne für die Bewohner Folgen haben. „Man kann nicht davon ausgehen, dass unsere Bewohner der Situation angemessen reagieren. Traumatische Erfahrungen oder Übersprungshandlungen können die Folge sein.“

Und dem wollen Stephanie und Dierk Bleiker unbedingt entgegenwirken: „Wenn wir früh genug von den Aktivitäten der Jägerschaft informiert würden, könnten wir für eine Minimierung der Gefahr für unsere Bewohner sorgen und uns darauf einstellen. Uns wurde zwar zugesichert, dass wir informiert werden, es ist aber nie passiert.“ Vor einem Monat hatten Bleikers schließlich eine E-Mail an den Hegering und die Untere Jagdbehörde verfasst, in der sie ihre Belange aufführten.

Ein Jagdaufseher des Reviers habe schließlich die Einladung der Bleikers angenommen und sich mit dem Ehepaar über die Angelegenheit unterhalten. „Wir haben ihm unsere Situation erklärt, die er nachvollziehen konnte und versprach, sich darum zu kümmern.“ Nur zwei Wochen später hatten sich rund um das Maisfeld, das unmittelbar an den Garten des Hauses angrenzt, Jäger versammelt. „Wir wussten von nichts.“ Warum die Absprachen nicht funktionieren, darüber kann Dierk Bleiker nur mutmaßen. „Wir wollen die Jäger ja nicht einschränken oder ihnen ihre Tätigkeit verbieten. Wir bitten nur um eine rechtzeitige Bekanntgabe“, betont Bleiker.

Warum ein Kommunikationsproblem zwischen den Bleikers und den Jägern besteht, weiß auch Bernd Volkenrath nicht. Der Hegeringleiter kennt die Problematik im Revier Schmidthausen, stellt aber zugleich fest, dass er in dieser Sache nur eine vermittelnde, keinesfalls eine weisende Position einnehmen könne. Das obliege den Beständern des Reviers, den Jagdaufsehern oder auch der Unteren Jagdbehörde.

Nach einem Telefonat mit dem Allgemeinen Anzeiger hatte Volkenrath gestern Rücksprache mit dem zuständigen Jagdaufseher geführt. Der wiederum bestätigte, den Bleikers im Gespräch „grünes Licht“ gegeben zu haben und wundert sich ebenfalls, dass die Kommunikation offensichtlich nur schwer in Gang komme. „Er will sich nun nochmal dafür einsetzen, dass die Jagdausübenden rund um Hagebüchen Rücksprache mit den Bleikers halten.“ Volkenrath: „Ich sehe dort ein durchaus lösbares Problem.“

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