Immer mehr Wildschweine: Drückjagd in Halvers Wäldern und Feldern

+

Halver - Im Halveraner Wald nimmt die Wildschwein-Population weiter zu. Landwirte haben daher mit extremen Ernteschäden zu kämpfen.

Bernd Volkenrath, Leiter des Halveraner Hegerings, sieht nur eine Möglichkeit, dem Problem entgegenzuwirken – und die dürfte einem tierlieben Laien auf den ersten Blick missfallen. „Wir müssen etwas tun“, sagt der Hegeringsleiter überzeugt.

In der Praxis bedeutet das den Griff zur Waffe. 70 Prozent der Frischlinge – also Jungtiere, die maximal ein Jahr alt sind – müssen geschossen werden, um die Populations-Explosion langfristig in den Griff bekommen zu können. Ob dieser Wert realistisch sei? „Das ist von Revier zu Revier unterschiedlich. Manche schaffen es, manche wiederum nicht.“ 

In einem sogenannten Mastjahr, in dem Witterung und Nahrungsangebot für das Schwarzwild ideal sind, liege die Vermehrungsrate bei 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahresbestand. Für den Wildschweinzuwachs gebe es mehrere Gründe. Zunächst habe sich die Nahrungssituation für die Tiere sehr günstig entwickelt. 

„Wildschweine fressen gern Mais und Getreide“, sagt Volkenrath. Allein die Anbaufläche von Mais hat sich seit den 1960er-Jahren in Deutschland verdreißigfacht, das geht aus einer Grafik des Statistischen Bundesamtes hervor. „Zudem bieten die hohen Maispflanzen den Tieren einen idealen Rückzugsort“, erklärt der Hegerings-Vorsitzende. Bei entsprechend hoher Eichelmast sei der Wald für Wildschweine „ein echtes Schlaraffenland“.

Für Ende November ist eine Drückjagd geplant, die gleichzeitig in allen 19 Halveraner Waldgebieten stattfinden soll. „Das Gebiet umfasst rund 6500 Hektar.“ Dabei geht es zunächst darum, die Tiere zurück in die Wälder zu drängen, um dann dort auch zum gezielten Schuss zu kommen. „Das Schwarzwild soll bei dieser Drückjagd gar nicht erst zur Ruhe kommen können. Daher ist es wichtig, dass zwischen den Revieren keine weißen Flecken entstehen, in denen nicht gejagt wird“, sagt der Waidmann aus Schwenke. 

Das Visier von Volkenrath und seinen Waidkollegen liege dann vor allem auf den Frischlingen und Jungtieren, die bereits nach acht Monaten wieder eigenen Nachwuchs zur Welt bringen. „Bis zu einjährige Frischlinge dürfen über das ganze Jahr geschossen werden“, erklärt Volkenrath.

Alle älteren Tiere sind zwischen dem 1. August und dem 15. Januar zum Abschuss freigegeben. Wichtig sei es, die Sozialstrukturen der Tiere nicht zu zerstören: „Führende Bachen sind daher ein absolutes Tabu für uns.“ Ohne ein Leittier würden die Frischlinge sonst noch mehr Schäden anrichten. Bei der Jagd auf Wildschweine sei eine reibungslose Kommunikation zwischen Jägern und Landwirten wichtig: „Das funktioniert bei uns sehr gut“, betont Volkenrath. Die Landwirte würden ihm Bescheid geben, wenn Wildschweine aufgetaucht sind und Schaden angerichtet haben. „Dann jagen wir.“

Um Erfolge feiern zu können, sei es auch notwendig, „sich mal eine Vollmondnacht bei Eiseskälte um die Ohren zu schlagen“. Da die Wildschweine nachtaktiv sind, sei es ohnehin schwer, sie zu später Stunde zu erwischen. „Wenn der Mond hell ist und Schnee liegt, vereinfacht uns das die Arbeit natürlich.“ Ein strenger Winter würde die Arbeit der Jäger ebenfalls erleichtern: Bei einer nasskalten Witterung sind die Überlebenschancen – vor allem der jungen Tiere – geringer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.