Pilot aus Halver nimmt Stellung

Rechtliche Unklarheiten: Wo dürfen Drohnen fliegen?

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Für Hobby-Piloten ist die Drohnenfliegerei einfach ein Zeitvertreib, Tierschützer sehen in den Fluggeräten eine Störung der heimischen Vogelarten.

Halver - Tierschützer in Halver hatten sich über Drohnen-Piloten beschwert. Ein Pilot aus Halver nimmt jetzt Stellung.

Da er in seiner Freizeit selbst gerne seine Drohne fliegen lässt, weiß der Halveraner David Blankenburg dass viele Mitbürger dem Thema Drohnen kritisch bis ablehnend gegenüberstehen. „Ich versuche, das Wort Drohne zu vermeiden, weil es sehr negativ behaftet ist“, sagt er. Es löse im Kopf gleich Assoziationen mit Kriegsszenarien aus. Er bevorzugt die Bezeichnung Copter für seine Fluggeräte und nennt sich selbst lieber Copter-Pilot.

Die von Mitgliedern des Tierschutzvereins Halver-Schalksmühle geäußerten Vorwürfe gegenüber Hobbypiloten, die im Landschaftsschutzgebiet mit ihren Drohnen unterwegs sind, hält Blankenburg für stark übertrieben. „Es gibt in allen Bereichen schwarze Schafe, sicher auch bei Drohnen- und Copter-Piloten, die sich an nichts halten“, sagt Blankenburg. „Aber die Darstellung der Tierschützer hat mit der Realität nichts zu tun.“ 

Keine Chance gegen einen Vogel

Das bezieht sich zum Beispiel auf den Vorwurf, Drohnen würden gezielt in Richtung von Vögeln gelenkt. Eine Begegnung mit einem Vogel sei für die Hobby-Piloten das Schlimmste, was passieren könne, sagt Blankenburg. „Ich hatte schon die Situation, dass ein großer Vogel aufstieg und in Richtung des Copters flog. Das ist dann spannend.“ Eine Chance gegen einen Vogel habe man als Pilot nicht. „Der Vogel muss einen Copter nur berühren, dann liegt das Ding auf dem Boden.“ Fliehen ist keine Option. Das würde eher den Jagdinstinkt eines Raubvogels wecken und wäre ohnehin zum Scheitern verurteilt, denn der Vogel wäre viel schneller. „Am besten bleibt man in der Luft stehen, dann verliert der Vogel das Interesse.“ 

David Blankenburg bezweifelt, dass das Verbot von Modell- und Motorsport im Landschaftsschutzgebiet auch für Drohnen gilt.

Blankenburg hat immer eine Mappe mit allen notwendigen Unterlagen dabei, wenn er seine Drohne oder seinen Copter fliegen lässt. Darunter sind sein Kenntnisnachweis – oft auch als Drohnen-Führerschein bezeichnet – und ein Nachweis darüber, dass seine Drohne entsprechend versichert ist. „Ich kann ja nicht ausschließen, dass die Drohne abstürzt und ein Auto beschädigt“, erklärt Blankenburg. Für den Fall ist die Drohne auch vorschriftsmäßig mit einem kleinen Schild als seine gekennzeichnet. 

Mappe mit allen wichtigen Papieren

In der Mappe hat er auch Einverständniserklärungen abgeheftet, die er benötigt, wenn er ein Privatgrundstück überfliegt. „Wenn ich von einem Haus oder Privatgrundstück Aufnahmen mache, brauche ich eine Einverständniserklärung.“ 

Mit seinen Unterlagen versuche er, auch bei Begegnungen mit Drohnengegnern über sein Hobby aufzuklären, was erlaubt sei, wie die Kamera funktioniert. „Wenn man in vernünftiger Weise hingeht und mit den Leuten redet, ist das kein Problem.“ Blankenburg habe aber oft genug das Gegenteil erlebt, nämlich, dass plötzlich Leute auftauchen und loswettern würden, weil er seinen Copter auf einer Wiese steigen lässt. „Da heißt es dann: ,Sie dürfen das nicht, packen Sie das ein oder ich rufe die Polizei.’“ Vorsorglich habe er Kopien seiner Unterlagen bei Ordnungsamt und Polizei eingereicht, damit man dort im Fall einer Beschwerde direkt wisse, dass er die nötigen Nachweise besitze, um Drohnen fliegen zu dürfen. 

Drohnen-Piloten verlassen sich auf Apps

Dass Drohnenflug im Landschaftsschutzgebiet generell verboten sei, stimme allerdings nicht, sagt Blankenburg. Er beruft sich dabei auf die App, die er wie viele andere Copter-Piloten nutzt, um zu überprüfen, wo er fliegen darf und wo nicht. Beispiele für solche Anwendungen sind Map2Fly oder die DFS-Drohnen-App der Deutschen Flugsicherung, die auch Blankenburg selbst verwendet. Laut Beschreibung informiert die App mit Kartenmaterial aus amtlichen Quellen und der DFS für jeden Standort darüber, welche Regeln dort zu beachten sind und welche Gebiete und Einrichtungen nicht oder nur eingeschränkt überflogen werden dürfen. Sie vergleicht den jeweiligen Standort mit den Datenbanken und gibt dann die Rückmeldung „Flug erlaubt“ oder „Flug verboten“. 

Apps dienen den Drohnen-Piloten als Hilfe.

Im letzten Fall lässt sich mit einem Klick feststellen, aus welchem Grund – zum Beispiel wegen Wohnbebauung in der Nähe. Auch bei Naturschutzgebieten gibt die App an, dass der Flug nicht gestattet ist, wie es in der Luftverkehrs-Ordnung geregelt ist (Paragraf 21b Abs. 6).

„Für uns ist das eindeutig, dass im Naturschutzgebiet nicht geflogen werden darf, es sei denn, man hat eine Ausnahmegenehmigung“, erklärt auch Andreas Mersch von der Bezirksregierung Münster, die als Luftfahrtbehörde auch für den Regierungsbezirk Arnsberg zuständig ist. Da man nur für luftfahrtrechtliche Belange zuständig sei, könne man sich zum Thema Landschaftsschutzgebiete in Bezug auf Drohnen nicht äußern. Mersch bestätigt, dass man in dieser Frage mit der Bezirksregierung Arnsberg in Kontakt stehe, um dazu eine Einschätzung abzugeben – allerdings aus rein luftrechtlicher Sicht. 

Weite Teile im MK sind Landschaftsschutzgebiet

Dass er in einem Naturschutzgebiet nicht fliegt, da gebe es für ihn keine Diskussion, sagt Blankenburg: „Aber das kann man bei einem Landschaftsschutzgebiet nicht sagen, weil es das in der App nicht gibt.“ Da Landschaftsschutzgebiete in der App nicht erfasst sind, kann diese deswegen nicht die Auskunft „Flug verboten“ erteilen. Damit widerspricht die App der Landschaftsschutzgebietverordnung, die den Drohnenflug in solchen Gebieten untersagt. 

Weite Teile des Märkischen Kreises sind Landschaftsschutzgebiet und entsprechend auf Karten des Geodatenportals markiert. „Dieser Karte zufolge dürfte man dann nirgendwo im Märkischen Kreis fliegen“, sagt Blankenburg. So grundsätzlich das Fliegen zu untersagen, ginge nicht, findet er. „Dann kann ich das Ding nur noch ins Regal stellen.“ 

Vor allem stört den Piloten, dass das Drohnenverbot anscheinend nicht an die DFS und die zuständige Luftverkehrsbehörde weitergegeben wurde und so auch nicht in der App erfasst ist, auf die er und andere sich bei ihrem Hobby verlassen. „Die ist für uns maßgeblich“, sagt Blankenburg. Dass das Flugverbot für Drohnen im Landschaftsschutzgebiet nicht in der App auftaucht, sei allerdings kein Versäumnis des Kreises als Untere Landschaftsbehörde, sagt Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises. „Wer eine App entwickelt, muss sich über die Gesetzeslage informieren.“ 

App-Entwickler muss sich über Gesetze informieren

Denn abgesehen von der sogenannten Drohnen-Verordnung, welche die Nutzung des Luftraums regelt, müssten auch andere Gesetze und Verordnungen eingehalten werden – in diesem Fall die Landschaftsschutzgebietsverordnung. „Denn nicht nur die Genehmigungen der Luftfahrtbehörde gelten für den jeweiligen Drohnen-Piloten“, sagt der Kreissprecher. So bleiben gemäß Luftverkehrsordnung unter anderem Schutzvorschriften insbesondere des Bundesnaturschutzgesetzes sowie Rechtsvorschriften, die aufgrund dieses Gesetzes erlassen worden sind oder fortgelten, unberührt.

 Für Blankenburg ist es ohnehin nicht nachzuvollziehen, dass Drohnen unter ein auf die Modellfliegerei abzielendes Flugverbot fallen sollen (Paragraf 3, Abs. 1 Nr. 6 der Landschaftsgebietverordnung). Schon die Dezibelbelastung bei den batteriebetriebenen Drohnen sei eine ganz andere als bei Modellflugzeugen oder -hubschraubern, die mit Benzin angetrieben werden. Außerdem stamme die betreffende Verordnung von 2006, als es Drohnen, wie man sie heute kenne, noch gar nicht gab. „Richtig ist, dass die Landschaftsschutzgebietverordnung aus einer Zeit stammt, als noch nicht jedermann mit Drohnen umhergeflogen ist“, bestätig Kreissprecher Klein. 

Kreis bittet Bezirksregierung um Klärung

Er kommt aber trotzdem zu einem eindeutigen Schluss: „Für uns ist nach wie vor die Sache klar, dass eine Drohne motorgetrieben ist und daher unter diese Gesetzgebung fällt.“ Der Kreis habe allerdings eine Anfrage an die Bezirksregierung Arnsberg geschickt, um diesen Sachverhalt zu klären. „Da gibt es Klarstellungsbedarf.“

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