Führungszeugnis mit Einträgen

Drogen-Vergangenheit holt 34-Jährigen ein - er landet vor Gericht

34-Jähriger vor Gericht.
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34-Jähriger vor Gericht.

Zügig abgehandelt war im Amtsgericht Lüdenscheid der strafrechtliche Vorwurf gegen einen 34-jährigen Angeklagten, den seine Vergangenheit eingeholt hatte.

Halver/Lüdenscheid – Der 34-Jährige bestelte von Halver aus Waren im Wert von rund 51 Euro, bezahlter aber die Rechnung nicht: „Das ist passiert. Tut mir leid.“

So konnten sich die Prozessbeteiligten auf die Frage konzentrieren, wie es mit ihm weiter gehen soll. Er selbst hatte sich in dieser Frage bereits positioniert: „So geht es nicht weiter“, hatte er beschlossen, eine Drogenentgiftung gemacht und sich in einer betreuten Wohngruppe wieder aufgerappelt. Nach dem positiven Aufschwung in seinem eigenen Leben wollte er „ein Praktikum im sozialen Bereich“ machen, was zunächst auch gelang.

Immer wieder kommt ihm seine Vergangenheit dazwischen

Doch immer wieder kam ihm seine Vergangenheit dazwischen: Sein polizeiliches Führungszeugnis hatte einige Einträge, aufgrund derer ihm eine mögliche Ausbildung zur Pflegefachkraft verwehrt wurde. Das sei „ein heikles Thema“, erklärte der Angeklagte im Amtsgericht. „Die obersten Chefs sind nicht so dafür.“ Ihm sei aber eine Perspektive eröffnet worden: „Wenn mein Führungszeugnis sauber ist, soll ich mich noch mal melden.“ Denn die Einträge im Register waren schon etwas angestaubt und kurz vor der Löschung.

Dem stand allerdings eine mögliche neue Verurteilung wegen der extrem unvernünftigen Internet-Bestellung entgegen, die der Angeklagte aufgrund seines leeren Kontos nicht mehr bezahlen konnte. Die alten Einträge hätte er dann erneut auf lange Zeit mit sich herumschleppen müssen.

Offene Worte den Angeklagten helfen

Angesichts der offenen Worte des 34-Jährigen wollte aber auch der Staatsanwalt ihm die berufliche Perspektive im Pflegebereich nicht verbauen: „Der Angeklagte macht auf mich einen vernünftigen Eindruck.“

Und so fanden Richter Andreas Lyra und die anderen Prozessbeteiligten eine Lösung, die dem 34-Jährigen den Weg in den Arbeitsmarkt nicht verbaut: Nach der Klärung der belasteten finanziellen Möglichkeiten des verschuldeten Angeklagten stimmten alle der vorläufigen Einstellung des Strafverfahrens zu. Sobald er eine für ihn nicht nur symbolische, sondern spürbare Geldbuße von 120 Euro bezahlt hat, schließen sich die Aktendeckel über dem Betrug endgültig.

Damit behält der 34-Jährige die Chance, sein Leben endgültig in den Griff zu bekommen. Ein erster Schritt soll der Gang zur Schuldnerberatung in Hagen sein. Die habe aber eine lange Warteliste und vergebe Termine wegen der Corona-Pandemie erst wieder ab einer Inzidenz von unter 30, bedauerte er.

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