DRK und Evangelische Kirchengemeinde vor Ort in Oberbrügge

Hilfe ohne Wenn und Aber

Fluthilfe in Oberbrügge
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Bloß keine Bürokratie: Entschieden und geholfen wird sofort. 

Gut vier Wochen ist es her, dass die Flut durch Oberbrügge gerauscht ist. Einigen Leuten auf dem Parkplatz von Noelle-Niklas sieht man dieses Ereignis auch einen Monat danach noch an.

Halver - „Fragen Sie die doch mal“, sagt einer der Betroffenen und deutet auf ein junges Paar. Woher das Wasser bei ihnen kam? „Aus der Schlemme und aus der Volme.“ Die Siedlung Loewen war schlicht abgesoffen. Bei den beiden stand das Wasser zwei Meter hoch.

Der Parkplatz, auf dem einige der Geschädigten am Donnerstagnachmittag zusammenstehen, „da sind die mit dem Schlauchboot hergefahren“, sagt einer der Anwohner. Viele kommen aus der Siedlung Loewen, eine ganze Reihe aber auch vom Ohler Weg. Handybilder werden rumgezeigt. Die Gespräche drehen sich um Trocknungsgeräte, die wohl noch Wochen laufen werden an immer neuen Standorten in der Wohnung. „Alles, wo es bis hierhin stand“, sagt eine junge Frau und deutet auf ihre Oberschenkel, „ist nicht mehr zu gebrauchen“.

Bis zu 50 Menschen aus Oberbrügge warteten zeitweise auf dem Parkplatz.

Im Feuerwehrfahrzeug sitzen Rotkreuzleiter Werner Neuhoff, Martin Kalthaus vom Ordnungsamt und ein junger Vater mit der kleinen Tochter auf dem Arm. Es geht um die Hilfen, die hier beim Ortstermin direkt beantragt werden können. Der Vater ist Neuhoffs zweiter „Kunde“ an diesem Nachmittag. Etwa 50 Betroffene sind gekommen und warten geduldig. Am Ende des Tages sind 46 Anträge gestellt und bewilligt. Ein Blatt DIN-A4, zehn Felder sind auszufüllen. Das war’s. 46 000 Euro geben Neuhoff und Kalthaus an diesem Nachmittag aus. Alles, was an Spenden hereingekommen ist. Entschieden wird sofort und unbürokratisch. „Montag haben die das Geld auf dem Konto“, sagt Neuhoff.

Gezahlt wird an die, die mit der „normalen“ Soforthilfe von Bund und Land nicht über die Runden kommen. Diese Anträge können bei der Stadt Halver im Rathaus gestellt werden. Mit Stand von Mittwoch waren es allein dort 178 000 Euro in 85 Fällen und 100 000 Euro für Wirtschaft und Gewerbe, sagt Thomas Gehring, Fachbereichsleiter Bürgerdienste im Rathaus. 3500 Euro für Privatleute gibt es. Aber viele sitzen auf deutlich größeren Schäden.

Roland Pfeiffer und Mirella Schönnenberg kümmern sich um ganz praktische Hilfen.

Neben dem Feuerwehrauto steht eine Bierzeltgarnitur. „Einen Kühlschrank brauchen Sie?“, fragt Roland Pfeiffer aus dem Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbrügge eine Frau. Kühlschränke hat Pfeiffer. Einen hat er sogar im Kofferraum. „Ich besorge einen und bringe Ihnen den vorbei“, schlägt er vor. Die Gemeinde hat nicht erst gewartet, sondern aus eigenen Mitteln nach der Flut eingekauft. „Berlet hat uns großzügig Rabatt gewährt“, sagt Pfeiffer. Auch mit Waschmaschinen und Trocknern hilft die Gemeinde.

Es ist ein Soforthilfe-Gemischtwarenladen, der am Donnerstag direkt neben der friedlich plätschernden Volme sein Lager aufgeschlagen hat. Was verfügbar ist, steht auf einem zusammengeklebten Plakat. Man kann auch Anträge stellen beim Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, der noch einmal bis zu 300 Euro pro Haushalt in Aussicht stellt – je nachdem, wie lange die Mittel reichen. Auch an die Haustiere hat man gedacht. Es wird Kontakt vermittelt zur Pfötchenhilfe in Lüdenscheid, wenn es um „Futter, Leinen, Körbchen usw. für Haustiere“ nicht mehr reicht.

Die Putzmittelfirma Jemako hat sich bereit erklärt, Reinigungsmittel zur Verfügung zu stellen. Mirella Schönnenberg aus der Gemeinde notiert Anforderungen, und am Tisch wird fachlich besprochen, welches Mittel wofür taugt und was vielleicht zu scharf für Laminat, aber gut für Fliesen sein könnte. Da kehrt dann – und das ist vielleicht gut so – ein bisschen Normalität ein für die Menschen, deren Leben vor erst einem Monat durch die Volmeflut völlig durcheinandergewirbelt wurde.

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