Der Wald ist in Gefahr

„Explosion beim Börkenkäfer“: Das befallene Holz muss schnell aus dem Wald

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Einsatztrupps befördern das befallene Käferholz aus dem Wald: Im Bild ist die Baustelle Schlachtenrader Eck/Abzweig Gut Voswinckel zu sehen.

Halver - „Seit Vatertag haben wir eine Explosion beim Borkenkäfer erlebt“, sagt Förster Ulrich Ackfeld. Vatertag war am 21. Mai. Die Entwicklung seitdem ist enorm.

An mehreren Stellen im Wald wird Käferholz abgeholzt und abtransportiert. Vom Ausmaß geschädigter Flächen konnte sich der Vorstand der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Halver am Donnerstag bei einer Ortsbesichtigung am Schlachtenrader Eck zum Abzweig Gut Voswinckel, wo derzeit Käferholz im Akkord auf Lkw verladen und abtransportiert wird, ein Bild machen. 

Ab dieser Woche werde das Kontingent an Lastwagen auf 27 pro Tag gesteigert, erläuterte Förster Ulrich Ackfeld, der den Vorstand über die Entwicklung der Borkenkäferkalamität informierte. Danach werde die Zahl der Fahrzeuge auf 35 täglich erhöht. 

Blick auf eine abgeholzte Fläche nahe Gut Voswinckel.

„Jeder Lkw ist mit 30 Festmetern Holz beladen.“ Bis dato seien bereits zwischen 30 000 und 35 000 Festmeter Käferholz geerntet worden. Davon sei der Verkauf von 20 000 Festmetern Holz inzwischen abgewickelt. Zum Vergleich: Ansonsten würden in einem ganzen Jahr rund 12 000 Festmeter Holz geerntet. 

Drei Einsatztrupps sind in Halvers Wäldern unterwegs

Derzeit seien drei Einsatztrupps wie am Schlachtenrader Eck auf Halveraner Gebiet unterwegs. „Das Equipment wird uns wahrscheinlich noch das ganze Jahr verfolgen“, stellte Ulrich Ackfeld in Aussicht. „Wir brauchen die Ketten, die wir gerade vor Ort haben.“ 

Förster Ulrich Ackfeld (rechts) und Revierassistent Amir Halilovic informieren über die vom Borkenkäfer verursachten Schäden im Wald.

Neben Ackfeld nahmen Forstamtsleiter Jörn Hevendehl und Revierassistent Amir Halilovic an der Vorstandssitzung mit Ortsbesichtigung teil. Bürgermeister Michael Brosch hieß Halilovic bei der Sitzung auf Gut Voswinckel als Neubürger der Stadt willkommen. 

Ausnahmesituation auch für Waldbesucher

„Wir müssen zusehen, dass wir die Flächen freibekommen, um neu anpflanzen zu können“, ergänzte Astrid Becker, Geschäftsführerin der FBG Halver. „Wir finden sonst keine Unternehmen, die das leisten können“, erklärte sie die Eile. Absatzwege zu finden, werde sonst auch schwierig. An die Bevölkerung richtete sie den Appell, die Forstwege freizuhalten und auf Gefahren im Wald durch die Baumfällarbeiten zu achten. „Alle Zufahrten zu den Wäldern müssen freigehalten werden“, betonte sie. „Das ist eine Ausnahmesituation.“ 

Die Holzstämme stapeln sich nicht nur am Schlachtenrader Eck. In Halver gibt es weitere Lagerplätze für das Käferholz.

Die Kolonnen würden auch in den Abendstunden und am Wochenende arbeiten. Drei Viertel des Holzeinschlags werde mit Containern nach Übersee (China) verschifft. Wichtig sei, dass das Käferholz schnell aus dem Wald komme, bat sie um Verständnis. Wie zu hören war, exportiert ein vollbeladener Lastwagen rund 300 000 Käfer. Im Hafen werden die Container begiftet, um die Schädlinge abzutöten. 

100 Jahre Arbeit seien verloren

Lobende Worte fand Forstamtsleiter Jörn Hevendehl für die FBG. „Der Solidargedanke wird hier gepflegt.“ Die Situation im Märkischen Kreis, den er als Hotspot in Sachen Borkenkäfer skizzierte, nahm er in den Blick. „Wir haben jetzt jedes Jahr Kyrill“, betonte er. „Der Käfer frisst sich langsam, aber sicher durch.“ Das sei eine historische Kalamität. „Wir verlieren 100 Jahre Arbeit.“ Corona komme an, das Thema Wald dagegen nicht, beklagte er. Bei Kyrill habe jeder die Sturmschäden sofort gesehen, ergänzte Astrid Becker. Beim Borkenkäfer geschehe die Schädigung des Waldes hingegen schleichend. Erste befallene Bäume haben die Förster mittlerweile sogar im Umfeld der Herpine entdeckt.

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