Dorn: Japaner besonders großzügig

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Nur eine Auswahl: Wolfram Dorn ist mehrfach für seine Verdienste ausgezeichnet worden.

HALVER ▪ Die Liste der Ehrungen und Auszeichnungen ist lang. Unter den 17 aufgeführten sind Wolfram Dorn einige in ganz besonderer Erinnerung geblieben, andere vor allem aufgrund ihrer Bedeutung, wie das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Doch erst jetzt, an seinem 86. Geburtstag, den der Parlamentarische Staatssekretär a.D. gestern im kleinen Kreis gefeiert hat, heftet sich der vormals jüngste Bürgermeister der Bundesrepublik einige der Orden an.

Es ist nicht eine im Alter plötzlich aufkommende Eitelkeit, die den seit einiger Zeit in Halver lebenden Dorn dazu veranlasst. Vielmehr der Wunsch nahe stehender Menschen. Mit der Professionalität eines früheren Berufspolitikers präsentiert der FDP-Mann daher die erhaltenen Ehrenzeichen, die auf dem edlen Zwirn des Anzugs und auf dem strahlenden Weiß seines Hemdes deutlich ins Auge stechen. Erst noch mit einer gewissen Unlust für dieses Zurschaustellen versehen, später aber dann mit der Erinnerung an die mit den Orden verbundenen Geschichten locker und auch fröhlich dreinblickend, wird ein Stück Nachkriegsgeschichte erzählt.

Und diese muss nicht immer vollständig, chronologisch, auch nicht mit den wichtigsten Ereignissen beginnen, sondern kann auch mit einer persönlichen Hitliste versehen werden. Und so schildert der 86-jährige Halveraner zuerst die mit den 1972 erhaltenden Ehrungen einhergehenden Aktivitäten. Vier Auszeichnungen erhält Dorn in dem Jahr: Mit dem Goldenen Ehrenschild der japanischen Polizei, dem Goldenen Orden für Ehrenmitglieder des japanischen Parlaments, der Ehrenmedaille der Stadt Hiroshima und der Ehrenplakette der Universität Hiroshima kehrt der Teilnehmer einer Delegation des Sportausschusses des Deutschen Bundestages nach Deutschland zurück. „Die Japaner waren am großzügigsten“, kann Dorn selbst Jahrzehnte danach die Auszeichnungsfreude schwer begreifen. „Wahrscheinlich war das so, weil damals so wenige ausländische Politiker kamen.“ Doch nicht nur zum Ordenabholen und Händeschütteln war Dorn 1972 in Japan, sondern er wollte auch etwas zum Positiven verändern helfen. Schließlich galt es für den Politiker seinerzeit, mitzuhelfen, ein neues System gegen die Verbrechensbekämpfung auf die Beine zu stellen. Vom Land selbst ist der frühere Staatssekretär im Außenministerium bis heute beeindruckt. „Es ist faszinierend, dass vier Weltreligionen in einem Land zusammenleben und es keinerlei Konflikte gab – das hat mir damals sehr imponiert.“

Auf die Ehrungen in den Jahren 1979 und 1994 blickt der gebürtige Werdohler mit einer besonderen Wertschätzung. „Die Verleihung der Verdienstorden berührt mich schon sehr.“ Während der damalige Bundespräsident Walter Scheel im Jahr 1979 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichte, gab es um die Verleihung im Jahr 1994 mehr Aufsehen. Da Dorn zwar Staatssekretär war, aber aufgrund der „Spiegel-Affäre“ nicht mehr ins Ministeramt kam, wie er schildert, habe die Ordenskanzlei die Verleihung abgelehnt, Bundespräsident Johannes Rau hingegen persönlich darauf hingewirkt, dass es doch etwas mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland wird.

Eine weitere Auszeichnung der zahlreichen Verdienste für die Bundesrepublik und ihre Bürger hat Dorn aber abgelehnt. Einen Ehrendoktortitel wollte er sich nie auf den Briefkopf setzen lassen. „Nein, ich nehme keinen Ehrendoktor an, wenn ich nicht studiert habe.“ Und so steht auf einer schlichten weißen Visitenkarte nur „Wolfram Dorn Parlamentarischer Staatssekretär a.D.“.

Zum Ende der vielen Geschichten, mit denen Dorn schon Bücher gefüllt hat, packt der 86-Jährige die Orden und Auszeichnungen mit einer gewissen Erleichterung wieder in die Schatullen. Denn dort sind sie seiner Ansicht nach am besten aufgehoben, nicht an seiner Kleidung. Dafür sind es vielleicht auch einfach zu viele. ▪ Marco Fraune

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