Konzepte in Oberbrügge führen ins Nichts

Halver - Ein Service, der nicht angenommen wird und ein Dorfladen, der einfach nicht eröffnet wird – obwohl es doch so gut geplant war. Kristian Hamm unternahm vor anderthalb Jahren den Versuch, den Halveraner Ortsteil Oberbrügge wieder zum Leben zu erwecken, nachdem ein Supermarkt geschlossen wurde. Ein Erfolg ist nicht in Sicht.

„Theoretisch könnten wir nächste Woche Mittwoch den Dorfladen eröffnen“, sagt Initiator Kristian Hamm. „Das Konzept steht, aber Juristen und Steuerprüfer der Bezirksregierung Arnsberg argumentieren dagegen.“ Wann der Dorfladen kommt, sei überhaupt nicht absehbar. Nachdem eine große Supermarktkette den Ortsteil verließ, sind die Oberbrügger auf die Geschäfte im Zentrum angewiesen. Dafür wurde im Sommer vergangenen Jahres ein Einkaufstaxi ins Leben gerufen, bei dem sich Tanja Seidler, Lothar Nöll und Karin Rust bereit erklärten, älteren und weniger mobilen Oberbrüggern jeweils mittwochs beim Einkauf zu helfen. 

Mit Unterstützung aus Mitteln des Leader-Programms und der Stadt Halver hätte das Einkaufstaxi eine gute Grundlage gehabt, aber der Service wird nicht in Anspruch genommen. Demnach habe es nur eine ältere Dame gegeben, die für wenige Male mit dem Taxi ihren Einkauf erledigte. Allerdings habe sie den Service nur genutzt, weil ihre Tochter krankheitsbedingt nicht fahren konnte. 

Hilfe annehmen fällt schwer

„Im Vorfeld haben wir nicht darüber nachgedacht“, sagt Hamm. „Aber heute wissen wir, dass es den älteren Menschen anscheinend schwer fällt, Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Einerseits falle es ihnen schwer, zuzugeben, dass ihre Kinder sich eventuell nicht genügend um die Eltern kümmern, andererseits sei es ihnen ein Bedürfnis, selbstständig und unabhängig zu bleiben. „Sie fahren dann tatsächlich lieber mit dem Bus.“ 

Einfacher wäre es jedoch, wenn die Oberbrügger vor Ort einen Laden hätten, bei dem sie die für den Alltag notwendigen Lebens- und Hausmittel erwerben könnten. Doch das ursprünglich für das vergangene Jahr geplante Projekt Dorfladen ist noch in Prüfung durch Anwälte und Steuerberater. Laut deren Argumentation wäre der Dorfladen nicht gemeinnützig, was bedeuten würde, dass ihm die Gemeinnützigkeit entzogen werden würde, wenn er wie geplant umgesetzt werden würde. Grund dafür ist, dass ein Dorfladen sich selbst nicht tragen kann – das zeigen Erfahrungen aller Dorfläden aus dem Umkreis. Er wäre damit auf Spenden angewiesen, die aber ein gemeinnütziges Unternehmen nicht annehmen darf. 

Abgelehnt wegen fehlender Sachkenntnis 

Auf die optimale Lösung wurden Hamm und seine Partner von einem Anwalt aus Hamburg aufmerksam gemacht. Anstelle eines eingetragenen Vereins könne auch ein wirtschaftlicher Verein eingetragen werden. Einen solchen hat Hamm dann auch in Arnsberg beantragt, aber der Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt., dass der Bearbeiter „keine Sachkenntnis über diese Art des Vereins hat“. „Das muss man sich mal vorstellen“, sagt Hamm. 

Rein menschlich sei es schon nicht nachvollziehbar dass der Dorfladen keine Berechtigung bekommt. Dass es aber aus reiner Unkenntnis weiterhin keine Chance gibt für eine Ermöglichung, ärgert Hamm. „In dem Konzept steckt viel Arbeit, Zeit und Geld“, sagt er. Neben Mobiliar für den Laden –Theken, Regalen und Verkaufstische – wurde darüber hinaus auch eine App geplant, die Online-Shopping ermöglichen sollte, sowie PC-Kurse für Senioren. Hamm seien die Hände gebunden. Die Idee einer Genossenschaft stieß bei Oberbrüggern, bei denen er nachfragte, auf Widerwillen. „Auf der einen Seite beschweren sich die Bürger über Oberbrügge, aber auf der anderen Seite zeigen sie auch kein aktives Engagement.“

Wer das Einkaufstaxi in Anspruch nehmen möchte, kann es unter Tel. 02351/7872854 kostenfrei buchen.

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