Doppelter „Neunzigster“: Zwillinge feiern Geburtstag

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Die Zwillingsschwestern Gisela und Vera-Ruth Schmidt feierten ihren 90. Geburtstag. ▪

HALVER ▪ Seit 90 Jahren gehen sie gemeinsam durch dick und dünn. Sie kennen sich in- und auswendig, pflegen die gleichen Hobbys, weichen nicht von der Seite des anderen. Gisela und Vera-Ruth Schmidt blickten am Dienstag auf insgesamt 180 Lebensjahre zurück.

Die Zwillinge feierten in der Tagespflege des Seniorenzentrums Bethanien ihren Geburstag, oder besser: ihre Geburtstage. Doppelt hält schließlich besser, heißt es. Und das wissen die Schmidt-Schwestern aus 90-jähriger Erfahrung.

Dass in Halver ein solcher Geburtstag von Zwillingen gefeiert wird, ist freilich selten. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte denn auch die stellvertretende Bürgermeisterin Regina Reininghaus, die den Damen im Namen der Stadt Glückwünsche nebst einem Blumengruß überbrachte. Bei der kleinen Feierstunde an der Bachstraße blickten Gisela und Vera-Ruth Schmidt auf bewegende Jahrzehnte zurück, an deren Anfang die Geburt im schlesischen Linitz stand. Dort kamen die Schwestern als jüngste von fünf Kindern zur Welt – wobei Vera-Ruth der etwas ältere Zwilling ist. Dafür habe Gisela nicht selten das letzte Wort, wie Freunde berichteten. Doch darüber schmunzeln beide. Sie verstehen sich eben immer noch – an wirklich heftige Streitfälle konnte sich gestern niemand erinnern. Gisela und Vera-Ruth sind ein eingeschworenes Paar, das nichts und niemand trennen konnte: „Männer brauchen wir nicht. Wir haben doch uns“, sagt Gisela und lacht. Von Beginn an lebten die Zwillinge zusammen: Erst in ihrer Heimat Linitz, nach der Flucht aus Schlesien Ende 1945 für acht Jahre in Schalksmühle. Denn in der Volme-Region hatten sie viele Verwandte: Ihre Mutter Olga, eine geborene Turck, hatte Halver einst der Liebe wegen verlassen. In Linitz heiratete sie den Lehrer Karl Schmidt, mit dem sie fünf Kinder großzog.

Doch nicht Schalksmühle, sondern Lüdenscheid sollte die Stadt sein, in der Gisela und Vera-Ruth Schmidt die längste Zeit ihres Lebens verbrachten: Bis 2009, also insgesamt 56 Jahre, lebten sie in der Bergstadt. Und dabei zeigte sich auch beruflich schnell, dass beide vieles gemeinsam haben. Etwa die Vorliebe für Verwaltungstätigkeiten: Während Gisela in der Lüdenscheider Kämmerei arbeitete, war Vera-Ruth im Finanzamt Hagen beschäftigt. Und auch außerhalb des Berufs waren die Zwillinge gemeinsam aktiv: Die Leichtathletik hatte es beiden angetan. Und nicht nur die. Waren die Schwestern lange im evangelischen Gemeindechor aktiv, so singen sie immer noch gerne zusammen – und zwar regelmäßig. Die Bibelstunden im Haus Waldfrieden sind fester Bestandteil in der Planung der beiden: Dort singen sie mehrstimmig – und zwar souverän, wie am Festtag deutlich wurde.

Seit 2009 leben Gisela und Vera-Ruth Schmidt nun in Halver an der Südstraße. Auch hier fühlen sie sich wohl, wie sie sagen. Und dafür sorgen nicht zuletzt die vielen Freunde und Verwandten, die hier wohnen und auch mit den Schwestern feierten. ▪ zach

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