Keine Abstimmung über MVZ im Ausschuss

Offene Fragen bleiben zurück - MVZ wichtiger denn je

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Halver - In Zeiten des Coronavirus ist die Überlegung, ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu errichten aktueller als sonst. Im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen wurde viel diskutiert und geredet. Aber eine Abstimmung gab es nicht – kein Beschluss.

Eine Entscheidung über das MVZ sollte in den Hauptausschuss verschoben werden, der nun allerdings morgen aufgrund des Coronavirus abgesagt wurde. Grund dafür, dass es keine Abstimmung gab, war, dass die eingeladenen Experten krankheitsbedingt nicht im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen für die Beantwortung von Fragen und Erklärungen waren. Doch es gab viele Fragen und Erklärungsbedarf. 

Die grundsätzliche Frage war, was bedeutet der Hausarztmangel, auch in Anbetracht des demografischen Wandels. In zehn Jahren fehlen mehr als 6000 Ärzte in Deutschland. Das ist die Einschätzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Damit verbunden sind rund 10 000 Hausarztpraxen. Die ärztliche Versorgung in der Region Oben an der Volme wird als wichtiger „Teil der Daseinsvorsorge“ verstanden, sagte Thomas Gehring im Ausschuss für Kultur, Soziales und Sport am Donnerstag. Nicht zuletzt sei eine ärztliche Versorgung im Haus- und Facharztbereich ein wichtiger Standortfaktor für Stadt und Wirtschaft. 

Regionale 2025 im Blick

„Um der Entwicklung frühzeitig Rechnung zu tragen, wurde das Thema in das interkommunale Handlungskonzept der Kommunen für die Regionale 2025 vorsorglich aufgenommen“, heißt es in der Beschlussvorlage. Angestrebt werde eine „Nachhaltige und möglichst flächendeckende Versorgungssicherheit“. 

Wichtig anzumerken war es Thomas Gehring, dass es ein grundlegender Gedanke sei, nicht als Konkurrenz aufzutreten. Gespräche mit den niedergelassenen Hausärzten hätten ergeben, dass Hausärzte das auch nicht so gedeutet hätten, sondern begrüßen würden. In Anbetracht der Tatsache, dass auch in Halver einige Hausarztpraxen in den kommenden Jahren aufgrund des Alters der Ärzte schließen könnten, werde das Angebot eines MVZ sogar als Entlastung verstanden. Denn die Patienten, die durch den Wegfall einer Praxis anfallen würden, könnte keine bereits bestehende Praxis auffangen. Dafür fehlten die Kapazitäten. 

Gründung einer Genossenschaft ist möglich

Diskutiert wurde im Ausschuss darüber, wie das MVZ realisiert werden kann. Die Möglichkeit der Gründung einer Genossenschaft als Träger sei möglich. Diese Rechtsform erlaubt die juristische Einbindung von Krankenhäusern, Vertragsärzten und Dritten bei Bedarf. Das erste MVZ dieser Art wurde in Neuenrade eröffnet. 

Für Halver wurde aufbauend auf einem Workshop, der vor einem Jahr stattfand und den Fallzahlen je Vollzeit-Arztstelle ein Modell mit drei Ärzten und Zielerreichungsgard von 70 Prozent im laufenden Betrieb ins Auge gefasst. Näheres zu diesem Modell konnte im Ausschuss nicht erläutert werden, weil sowohl Dr. Hartmut Rohlfing als auch Ingo Jakschies vom Büro „gesunddenken.de“ – das sich mit Projektentwicklungen im Gesundwesen beschäftigt und unter anderem beim Gesundheitscampus Sauerland in Balve beteiligt ist – nicht anwesend waren. Jakschies hätte vor allem Fragen zur Ertrags- und Kostenseite solch eines MVZ erläutert. „Wo ist die Rolle der Stadt Halver als Investor?“, „Wo würde solch ein MVZ stehen?“ Das sind Fragen, die im Ausschuss von Tischseite zu Tischseite gingen. 

Viele Fragen müssen noch geklärt werden

Klar ist: Viele Fragen müssen gemeinsam mit Kierspe angegangen werden. Klar ist aber auch, Halveraner wollen ihre Ärzte in Halver wissen. Auch der Faktor Zeit fehlte einigen Mitgliedern im Ausschuss. „Wir wissen, was wir wollen. Und wir wollen das vorwärts bringen“, sagte Monika Ebbinghaus. Fakt ist: „Wir kriegen ein Hausarztproblem.“ Weil zu viele Fragen unbeantwortet blieben, wurde der Beschluss in den Hauptausschuss vertagt. Weil dieser nicht stattfindet, ist noch unklar, wann der nächste Beschluss gefasst wird. Womöglich verschiebt sich eine Abstimmung in die kommende Ausschuss-Periode.

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