Verwaltung will sich mit Vereinen an einen Tisch setzen

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Seltene Einblicke in den Hallenboden an der Mühlenstraße: Unter der dünnen, grünen Polyurethan (PUR)-Schicht befindet sich laut Bau-Fachbereichsleiter Franz Helmut Engel eine weitere, etwa eineinhalb Zentimeter dicke Dämpfungsschicht über der Betonkonstruktion. ▪

HALVER ▪ Es war keineswegs ein Votum für einen neuen Hallenboden, aber ein erster Schritt dorthin: Der Auftrag des Hauptausschusses an die Verwaltung, „technische Lösungen für die Sanierung des Hallenbodens an der Mühlenstraße zu eruieren“, ist auf den ersten Blick ein klares Signal. Doch nicht nur der UWG, sondern auch der SG Schalksmühle-Halver (SGSH) geht das nicht weit genug.

Bereits nach Ende der Ausschusssitzung machte Mark Wallmann, künftiger Geschäftsführer der SGSH, seinem Ärger über das eben gehörte Luft. Die Verunsicherung seitens der Unfallkasse sei bei Weitem höher als es den Anschein hat, sogar der Bestandsschutz des Hallenbodens werde geprüft. Markus Knuth, stellvertretender Vorsitzender der SGSH, berief sich auf eine klare Rechtswirksamkeit der DI-Norm. Allen anderen an der Mühlenstraße aktiven Vereinen raten Wallmann und Knuth, ebenfalls den Sportbetrieb einzustellen, um sich für mögliche Schäden nicht haftbar zu machen. Kurzum: Die Fronten zwischen Handballern und Stadtverwaltung sind verhärtet, die Blickwinkel grundsätzlich verschieden.

Am Freitag betonte Bürgermeister Dr. Bernd Eicker auf AA-Anfrage nochmals seine Bereitschaft, über mögliche Finanzierungskonzepte diskutieren zu wollen – allerdings nicht, ohne Vereine wie die SGSH in die Bemühungen mit einzubeziehen. Das lehnte Mark Wallmann jedoch ab: „Wir haben unter ganz anderen Bedingungen angeboten, Geld zu sammeln. Damals dachten wir, dass der Hallenboden zumindest die Normen erfüllt, so dass wir uns lediglich für einen handballgerechteren Untergrund einsetzen wollten. Durch den Prüfbericht wird deutlich, dass nun allein die Stadt in der Verantwortung ist.“

Womit eben jener Begriff genannt ist, der während der Hauptausschusssitzung am Donnerstag wie ein Damoklesschwert über dem Gremium schwebte. Am deutlichsten wurde dabei Paul-Adolf Turck (UWG): „Wenn wir Kinder und Jugendliche auf diesen Boden schicken, müssen wir wissen, was wir tun. Jetzt können wir uns nicht mehr dumm stellen“, sagte der Ratsherr mit Blick auf den vorliegenden Prüfbericht. Turcks Fraktionskollegin Dr. Sabine Wallmann wies zudem auf einen Beschluss des Anne-Frank-Gymnasiums hin, nach Abstimmung mit dem Schuldezernat bis auf weiteres auf Ballspiele unter Wettkampfbedingungen verzichten zu wollen. Der offenbar aktuell eingeschränkte Schulsport sei „nicht das, was wir weiterhin möchten“, so Wallmann.

Sowohl Kurt-Dietrich Neuhaus und Peter Starke (beide CDU) als auch Karl-Friedrich Osenberg (Grüne) genügt jedoch die Analyse des Diplom-Physikers Bernd Härting nicht. Neuhaus wies auf einen Widerspruch zwischen Unfallkasse und Gutachter hin, Osenberg will das Bundesinstitut für Sportwissenschaft in die Debatte einbeziehen. Michael Brosch (SPD) hingegen hält weitere Untersuchungen für überflüssig: „Dadurch wird der Boden auch nicht besser.“ Zumal die Stadt das ohnehin knappe Geld nicht in weiteren Gutachten „versenken“ sollte, so Brosch weiter.

Chancenlos blieb, wie berichtet, der UWG-Antrag, den Hallenboden „schnellstmöglich“ auszutauschen. Doch auch auf den nun gefassten Auftrag, technische Lösungen zu suchen, will die Verwaltung umgehend reagieren: Bau-Fachbereichsleiter Franz Helmut Engel erklärte am Freitag, dass man nun sämtliche betroffenen Vereine zu einem Gespräch einlädt, um mögliche neue Bodenbeläge vorzustellen. Aufgrund des Beton-Unterbaus kämen insbesondere punkt- beziehungsweise flächenelastische Varianten in Frage, die einen flacheren Aufbau haben als etwa Schwingböden. Details will der Fachbereich dann im Gespräch mit den Vereinsvertretern erläutern. ▪ Frank Zacharias

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