Corona in Halver

Diskussion im Ausschuss: Luftfilter an Schulen sollen kommen

Luftfilter in Klassenraum Corona Schule
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Luftfilter in einem Klassenraum.

Der Bildungsausschuss diskutierte viel. Abwägungen zwischen Kosten und Nutzen zogen sich durch die Debatte. Kommen sollen Luftfilter. Aber in welche Schule und in welche Räume? Viele Fragen sind noch offen, das Ziel aber wird klarer.

Halver – Klassenräume lüften, das reicht. So ist die Empfehlung des Landes. Eine Filteranlage, die viel kostet und deren Wirkung nicht bestätigt sei, sei nicht erforderlich. Die Entscheidung aber ist frei und liegt nun in der Hand der kommunalen Träger. Die Diskussion im Bildungsausschuss nahm am Donnerstag noch einmal Fahrt auf. AFG-Schulleiter Paul Meurer, der wie alle anderen Leiter der Halveraner Einrichtungen anwesend war, sagte, es sei schade, dass nun die Stadt den „Schwarzen Peter“ habe. Jetzt aber, betonte Ausschussvorsitzender Achim Magenheimer (SPD), muss es einen Schritt vorangehen. „Wir wollen eine Lösung finden.“

Für den Weg zur Lösung legte Kai Hellmann, zuständig für Schulangelegenheiten, eine Einschätzung der Verwaltung vor. Von Bund und Land wird der Einsatz von Luftreinigungsanlagen nur in Räumen empfohlen, die aus baulichen Gründen nicht gelüftet werden können. Etwa Klassenräume, deren Fenster nur gekippt werden können oder nur in Form von Oberlichtern vorhanden sind. Eine Auflistung solcher Räume legte die Verwaltung vor und kommt dabei auf zwölf. Sie verteilen sich auf das Lern- und Begegnungszentrum (fünf), die Humboldt- (fünf) sowie Regenbogenschule (zwei).

12 Räume haben laut Landesempfehlung einen Bedarf

Insgesamt gibt es 149 Räume, zu denen noch nicht die Differenzierungsräume gezählt wurden. Eine Anzahl von Anlagen wäre mit der Raumzahl nicht gleichzusetzen, weil eventuell mehrere Anlagen in eine Klasse müssen. Man redet bei einer Ausstattung aller Räume von 325 000 Euro und jährlich wiederholender Kosten von 56 000 Euro für den Austausch der Filter. Rüstete man nur die zwölf Räume, lägen die Kosten bei rund 30 000 Euro. „Bildungsausschuss und Geld verträgt sich nicht“, kommentierte Achim Magenheimer. Erst recht nicht, wenn es auch noch ums Thema Gesundheit gehe.

Regina Büchmann (Grüne) und Sabine Wallmann (UWG) geht der Verwaltungsvorschlag nicht weit genug und sie können die Empfehlungen nicht verstehen. Nicht nur, weil eine Unwirksamkeit behauptet werde, die keine Studie belegt. Sondern auch, weil der Landtag selbst (und auch andere Verwaltungsgebäude der Landesregierung) ihre Räume bereits mit Filteranlagen ausgestattet haben. „Warum sind sie wirksam für Verwaltungsangestellte, aber nicht für Schüler?“, stellte Sabine Wallmann in den Raum. Wenn die Filter nicht wirksam wären, müssten sie öffentliche Einrichtungen auch nicht haben.

Studie wird vorgestellt

Die Studie von Professor Dr. Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr München, die die Wirksamkeit belegt, stellte Regina Büchmann als Sachkundige Bürgerin kurz vor. Aus der Studie geht hervor, dass Luftreiniger mit H14-HEPA-Filter in Herbst und Winter gegenüber Lüften und anderen Techniken die mit Abstand sicherste Maßnahme ist. Im Übrigen die Art Anlagen, die auch im Landtag stünden, ergänzte Sabine Wallmann.

Regina Büchmann sprach auch für die Eltern, die immer mehr forderten, dass Filteranlagen in die Klassenräume kommen und die Kinder geschützt werden und bezog sich dabei auf den Landeselternverband, dem sie angehört. Ob die Filteranlagen auch vor Quarantäne schützen oder vor Schulschließungen? Das stellte Reiner Klausing in den Raum. „Ich stelle mich nicht gegen Elterninteressen“, sagte der Leiter der Humboldtschule. Und auch Daniel Riegel, Leiter der Regenbogenschule, „will die Antwort, dass es etwas bringt“.

Was bringen die Filter?

Gegen den Hinweis, dass die teure Anschaffung nach Corona unnütz werde oder nichtmals genutzt werden könnte, falls die Schulen wieder schließen müssen, argumentierte Sabine Wallmann: Die Anlagen seien nicht nur wirksam gegen Corona, sondern auch gegen sämtliche andere Krankheiten. Dass in der Herbst- und Winterzeit nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer oft krank sind und ausfallen, sei auch vor Corona ein Problem gewesen.

Dass in Anbetracht der Kosten auch der Nutzen klar sein müsse, sagt auch Matthias Ihne (Sachkundiger Bürger, FDP). Unterstützung in diese Richtung gab es vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Marvin Schüle, auch wenn es „eine schwierige Frage“ sei. In der Fraktion sehe man das „pragmatisch“. Wenn Lüften das Virus gut beseitigt, dann finde er die Kosten für Filteranlagen zu hoch.

„Wir haben im Winter massiv gefroren“

Pragmatisch sehen die Schulleiter die Situation in der Schule ohnehin. Und Lüften gehöre nicht unbedingt dazu, wie Monika Lauterbach, Leiterin der Lindenhofschule erklärte. Wenn man im Herbst und Winter lüftet, kühlen die Räume ab, die Kinder frieren, die Temperatur steigt durch das Lüftungsintervall nicht mehr über 15 Grad. „Wir haben den ganzen Winter massiv gefroren.“ Das Problem habe es auch erst kürzlich bei den Abiturklausuren gegeben, wie Paul Meurer ergänzte.

„Der nächste Winter wird kommen“, sagte Sabine Wallmann. Und damit nicht nur diese Situation in den Klassen, sondern ihrer Meinung nach auch Corona. „Das Virus wird uns begleiten“, sagte sie mit Blick auf Mutationen und auch die vorsichtige Haltung von Eltern, ihre Kinder zu impfen, unabhängig von Empfehlungen der Ständigen Impfkommision (Stiko), die für Kinder unter zwölf Jahren noch keinen Impfstoff zugelassen hat.

Unter diesem Aspekt aber kann sich der Bildungsausschuss, um einen Schritt voranzugehen, vorstellen, mit der Ausrüstung der Grundschulklassen zu beginnen. Jetzt heißt es für die Verwaltung, ihre Hausaufgaben zu machen, wie der Ausschuss forderte. Und zwar mit allen Schulleitern ins Gespräch kommen, genaue Bedarfe und auch Details klären, wie das Vorhandensein von Steckdosen in den Räumen.

Einen klaren Ausblick gab es auf die Anmerkung von Matthias Ihne, der die Turnhallen in der Diskussion vermisste. „Das Bitterste für die Schüler war, dass die Sporthallen dicht waren“, sagte Ihne aus Erfahrung als Lehrer der Humboldtschule. Im Falle Humboldtschule steht ein Punkt im Haushalt, der eine neue Filteranlage ermöglichen wird, erläuterte Katrin Siegmund vom Bauamt der Stadt Halver. Wie Thomas Gehring, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, festhielt, wird die Verwaltung mehrere Vorschläge machen. Die Diskussion wird im Hauptausschuss am 23. Juni weitergehen können und bei Einigung auch ein Beschlussvorschlag formuliert und an den Rat am 28. Juni übergeben werden. Weitere Details zu Finanzen konnten am Donnerstag nicht gegeben werden, weil Kämmerer Markus Tempelmann sowie Bürgermeister Michael Brosch nicht an der Sitzung teilnehmen konnten.

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