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Diskussion im MK um die Legalisierung von Cannabis - Sachkundige äußern sich

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Von: Thilo Kortmann

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Eine Tüte wurde gerollt.
Die Cannabis-Legalisierung für Deutschland ist im Gespräch. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Cannabis legalisieren oder verbieten? Diese Frage stellen sich derzeit viele Menschen. Diskutiert wird das in der Politik, auch Sachkundige aus Jugendarbeit und Suchtberatung haben dazu eine Meinung.

Halver – Der süßliche Geruch ist auch in Halver an so manchen Orten wahrnehmbar. Es ist der Rauch eines Joints, einer selbstgedrehten Zigarette mit Cannabis (Hanf) versetzt. Der Konsument kauft den Stoff meist bei einem Dealer schwarz auf der Straße. Der Dealer wiederum hat die Droge aus einem Land wie die Niederlande importiert. Dort ist der Besitz und Konsum zum Beispiel legal. Oder er hat die Pflanze selbst angebaut. Bis heute ist der Konsum und Besitz von Cannabis als Droge in Deutschland illegal. Wird man mit geringer Menge erwischt, drohen ein bis fünf Jahre Freiheitsentzug. Nun steht eine mögliche Legalisierung im Raum: FDP und Grüne sprechen sich dafür aus. Dabei geht es um eine kontrollierte Freigabe.

2019 gab es 25 Rauschgiftdelikte in Halver. 2020 waren es 74 Vergehen mit illegalen Drogen. Arndt Spielmann, Leiter des Jugendcafés Aquarium, stellt erstmal fest: „Hier im Jugendcafé sind alle Drogen wie Alkohol, Nikotin und Cannabis verboten.“ Jedoch, fügt er hinzu, sei das Thema Legalisierung von Hanf als Droge ambivalent. „Ich kann beide Seiten verstehen. Die, die es entkriminalisieren wollen, um die Polizei zu entlasten. Oder es medizinisch bei Krebspatienten zu nutzen. Und die, die es weiterhin verbieten möchten.“ Er sei froh, nicht entscheiden zu müssen.

Jugendliche verharmlosen Cannabis

Hanf als Droge sei nicht ohne. Arndt Spielmann weiß von vielen Jugendlichen aus Gesprächen, dass sie die Droge Cannabis sehr gerne verharmlosen. Wenn die Droge legalisiert wird, sagt der Jugendcafé-Leiter, dann nur mit strenger Regelung. „Es darf nicht so sein wie beim Alkohol, der so leicht für junge Leute im Supermarkt erhältlich ist.“ Er sehe so viele Menschen, auch in der Halveraner Innenstadt, die mit Alkohol herumvegetieren würden. Die Sucht nach Zigaretten ist ebenfalls weit verbreitet. Aus eigener Erfahrung weiß Arndt Spielmann, wie schwierig es ist, von der Nikotinsucht loszukommen.

„Nicht nur die Schulen oder wir als Jugendarbeiter sind in der Pflicht. Auch die Eltern sind gefragt.

Arndt Spielmann, Leiter des Jugendcafés Aquarium

Letztendlich sei es aber auch eine Angelegenheit der Eltern, die über Vor- und Nachteile von Drogen mit ihren Kindern kommunizieren und aufklären müssen – vom Umgang mit dem Smartphone bis hin zu Drogen. „Nicht nur die Schulen oder wir als Jugendarbeiter sind in der Pflicht. Auch die Eltern sind gefragt. Sie müssen mit ihren Kindern über mögliche Gefahren sprechen“, sagt Arndt Spielmann und ergänzt, dass eine sehr wichtige Aufgabe die Suchtprävention sei. Das Jugendcafé an der Helle 15 arbeitet deshalb eng mit Drobs, der Drogenberatung im Märkischen Kreis mit Hauptsitz in Iserlohn, zusammen.

Großes Thema für die Suchtprävention

In der Suchtprävention sieht auch Stefan Tertel, Geschäftsführer von Drobs im MK, den entscheidenden Punkt bei der Legalisierung von Drogen. „In die Suchtprävention muss mehr investiert werden“, sagt er. Seit Jahren habe Drobs aus finanziellen Gründen nur einen Mitarbeiter, der in der Suchtprävention arbeitet, der zu Jugendeinrichtungen und Schulen rausfährt. Bei der Diskussion um die Legalisierung von Cannabis, gehe es natürlich auch ums Geld, sagt Stefan Tertel. Sollte Cannabis legalisiert werden, dann sollte das Geld aus dem Verkauf in die Suchtprävention gesteckt werden. „Anstatt damit Haushaltslöcher zu stopfen“, findet er.

Stefan Tertel begrüßt eine Entkriminalisierung der Hanf-Droge. Bei einer Legalisierung müsse es, so der Experte, jedoch Regeln geben. Er befürwortet den Verkauf von Hanf in Apotheken oder in den Drogenberatungsstellen. „Wir befürchten bei einer Legalisierung, dass sehr junge Menschen die Droge nehmen werden. Ab 18 Jahren ist für uns aber schon zu früh. Wir befürworten eine Legalisierung ab 25 Jahren“, sagt Stefan Tertel und erklärt, dass sich das menschliche Gehirn bis zum 25. Lebensjahr entwickelt und der Konsum von Cannabis psychotische Episoden (schwere seelische Erkrankungen) erzeugen kann.

Wachbleiben mit Amphetaminen

Ein Problem sei auch, dass der THC-Gehalt des Hanfes mit der Zeit gestiegen sei. „Das Cannabis von damals ist mit dem von heute nicht mehr zu vergleichen“, erklärt Tertel. Viele seiner Klienten seien zudem nicht nur von einer Droge abhängig. Immer mehr junge Menschen nutzen Amphetamine zum Wachbleiben für lange Computerspielnächte am Wochenende. Die Droge Hanf diene dann zum Entspannen am Sonntag.

Für Stefan Tertel ist überraschend, dass die Coronakrise zu keiner Schwächung des Drogen-Schwarzmarktes geführt habe. Es habe 2020 genauso viele Drogen gegeben wie in den Jahren zuvor, sagt er und ergänzt: „Beeindruckend, dass es während Corona keinen Knick gab. Das zeigt, wie stabil der Schwarzmarkt für Drogen ist.“

Beeindruckend, dass es während Corona keinen Knick gab. Das zeigt, wie stabil der Schwarzmarkt für Drogen ist.

Stefan Tertel, Geschäftsführer von Drobs im MK

2019 waren es 1057 Fälle von Drogenmissbrauch im Märkischen Kreis. 2020 kam es zu 1316 Rauschgiftdelikten im Kreis. Zu einer möglichen Entlastung der Polizei bei einer Legalisierung von Cannabis, sagt Michael Kaufhold, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Märkischen Kreis, dass dies abzuwarten bleibe. „Der Schwarzmarkt für Cannabis wird nicht verschwinden. Dieser wird eventuell mit niedrigeren Preisen reagieren“, erklärt er. Und bei einer Freigabe, sagt Michael Kaufhold, könne sogar noch mehr Arbeit auf die Polizei zukommen. Dann könne es auch mehr Regeln geben und die Polizei müsse viel intensiver prüfen. „Wenn Menschen mit zwei Kilogramm Hanf durch die Gegend laufen, dann wird die Polizei viel stärker bei Kontrollen gefordert sein“, sagt er.

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