Digitalisierung an Halvers Schulen

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Halver - Die Digitalisierung aller Halveraner Schulen wird ein Millionenprojekt. Auch die laufenden Folgekosten werden jährlich in etwa im sechsstelligen Bereich liegen. Eine Alternative dazu sieht man in der Schulpolitik nicht.

MEP, ausgeschrieben Medienentwicklungsplan 2019 bis 2024, lautete das Thema für die gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Bildung und Jugend und des Arbeitskreises Schule. Die harten Zahlen: fast 800 000 Euro an Investitionskosten für Humboldtschule, Anne-Frank-Gymnasium, Regenbogen und Lindenhofschule. 98 000 Euro veranschlagt die Südwestfalen-IT für laufenden Kosten für Software und technischen Support. 

Der Medienentwicklungsplan, den der IT-Dienstleister im Auftrag der Stadt erstellt hat, fußt auf vorhandenen Medienkonzepten der Schulen. Er ist Grundvoraussetzung, um an erhebliche Fördermittel des Bundes aus dem Digitalpakt zu gelangen, wie Kai Hellmann, stellvertretender Fachbereichsleiter für Bürgerdienste, im Ausschuss erläuterte. 

Zu beschließen gab es in der langen Sitzung im Bürgerzentrum am Dienstagabend zunächst noch nichts. Eine konkrete Beschlussvorlage kündigte Hellmann für die Septembersitzung an. „Es ist ein großes Geschäft, das wir vor uns haben“, so Hellmanns Ausblick auf die Einführung der Neuen Medien in die Schullandschaft. 

Die Beschaffung und der Einsatz von Tablets sowie die Installation schneller Leitungen mit zum Teil kompletten Neuverkabelungen an den Schulen für Verbindungen im Gigabit-Bereich sei dabei „kein Selbstzweck“, wie Ausschussvorsitzender Werner Lemmert feststellte. Es gehe um Qualität von Unterricht und Lernen. 

Für Martina Hesse, Fraktionschefin der CDU, ist es eine einfache „Konsequenz, in Erhalt und Unterhaltung unserer Schulen zu investieren. Da gibt es kein Wenn und Aber.“ Der offenkundige Konsens in der Sache allerdings dürfte nichts daran ändern, dass es im Detail noch enormen Diskussionsbedarf geben wird. 

Für Paul Meurer, Schulleiter des AFG, stellt sich zunächst eine Grundsatzfrage: Warum werde nicht auf eine Versorgung aller Schüler hingearbeitet? „Jedes Kind muss Zugang haben“, sagte Meurer, dessen Schule ein anderes Konzept verfolgt. Am AFG setzen die Schüler durchweg eigene Hardware ein. „Bring your own device“, heißt es dort. 

Im Medienkonzept der Südwestfalen-IT aber ist von einem Ist-Stand von acht Schülern die Rede, die sich ein Gerät teilen müssen. Ziel für 2024 seien drei Schüler pro Tablet. Ganz abgesehen von dieser Frage wird es kritisch beim Support. Wer kümmert sich in der Praxis darum, dass die Infrastruktur und die Endgeräte funktionieren? Für den Ladezustand des Akkus über Updates bis zu Fehlerbehebungen könnten niemals die Lehrer verantwortlich sein. 

„Wie schnell ist jemand vor Ort, wenn’s hakt?“, wollten die Schulleiter konkret von Marcus Dunker von Südwestfalen-IT wissen. Denn im Plan steht, dass der sogenannte First-Level-Support von den Lehrern geleistet werden müsse. Für weitergehende Unterstützung und natürlich gegen Bezahlung bietet sich Südwestfalen IT an. Frust durch Abstürze fürchten die Fachleute in der Praxis. 

Und offene Fragen gibt es auch in anderer Hinsicht: fehlende Fortbildungsmöglichkeiten und didaktische Konzepte sowie der Einbau des Digitalen in die Lehrpläne machen Sorgen für die praktische Umsetzung.

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