Kommunalwahl 2020

Digitaler Wahlkampf: Parteien präsentieren sich in den sozialen Medien

Alle fünf Parteien aus Halver sind jetzt auf Facebook. Warum eigentlich? Digitaler Wahlkampf in Zeiten von Corona gewinnt an Bedeutung.
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Alle fünf Parteien aus Halver sind jetzt auf Facebook. Warum eigentlich? Digitaler Wahlkampf in Zeiten von Corona gewinnt an Bedeutung.

Halver - Nur wer online ist, spielt mit. Nur wer online ist, kriegt wohl auch Wählerstimmen. Auffallend, dass seit wenigen Wochen alle Parteien aus Halver ein Facebook-Profil haben. Wir haben uns die Seiten der Parteien mal genauer angesehen. Die erste Werbung im sozialen Netzwerk ist unterwegs. 

Wir sind mitten im Wahlkampf. Am 13. September findet die Kommunalwahl statt. Entweder bleibt Michael Brosch Halvers Bürgermeister oder Markus Tempelmann wird der neue. Die fünf Parteien in Halver stehen nicht nur hinter ihren Kandidaten, sondern seit geraumer Zeit auch auf Facebook. 

Die CDU ist mit Abstand am längsten im sozialen Netzwerk aktiv – seit Dezember 2013. Das war rund ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl 2014, die damals im Mai stattfand. Lange waren die Christdemokraten aus Halver alleine auf Facebook. Im Mai und Juni 2020 zogen die drei Parteien, die mit der CDU gemeinsam den gleichen Bürgermeisterkandidaten Markus Tempelmann unterstützen, nach. Die UWG am 6. Mai, Bündnis 90/Die Grünen am 23. Mai, und die FDP am 3. Juni. Dann war es kurz ruhig im Netz. 

Bürgermeisterkandidat Markus Tempelmann registriert sich bei Facebook

In der Zwischenzeit hat der Bürgermeisterkandidat Markus Tempelmann nicht nur ein persönliches Profil auf Facebook erstellt, sondern kurz darauf, am 19. Juni, auch seine Seite „Markus Tempelmann – Bürgermeister für Halver“. Suchte man nach der SPD Halver, der Partei des amtierenden Bürgermeisters Michael Brosch, gab es keine Ergebnisse – bis Anfang dieses Monats. Am 5. Juli zogen die Sozialdemokraten nach. Was jetzt noch fehlt, ist die Seite von Michael Brosch. Wie er verriet, wird sie noch kommen – beziehungsweise wiederkommen. Sie sei nur einen Klick weit entfernt, denn die Seite, die Brosch bereits für die Kommunalwahl 2014 nutzte, müsse er nur reaktivieren. Das hat er am kommenden Wochenende vor. 

Wenige Gefällt-Mir-Angaben, dafür volle Freundschaftslisten

Wären Gefällt-mir-Angaben Wählerstimmen, sehe es für die Demokratie in Halver nicht gut aus, denn viele gibt es nicht: Die CDU führt durch ihr siebenjähriges Bestehen mit 241 Gefällt-mir-Angaben, gleich dahinter folgt die noch junge Plattform der SPD mit 125. 20 Angaben gehen an die Grünen, die UWG gefällt 16-mal und die FDP liegt mit neun Daumen hoch auf dem letzten Platz. 

Die Seite von Markus Tempelmann. 50 Personen sagen: Gefällt mir. Sechs weitere haben die gewerbliche Seite abonniert.


Anders sehen die Zahlen bei den privaten Profilen aus. Während die Gefällt-mir-Angaben stagnieren, steigen die Freunde der Kandidaten stetig. Michael Brosch kommt auf mehr als 2600 Freunde – in den letzten zwei Tagen kamen 32 Freunde hinzu. Markus Tempelmann hat 479 Facebook-Freunde – bei ihm kamen 13 in zwei Tagen hinzu. Seine Seite gefällt 50 Personen und wird von sechs weiteren abonniert – also still verfolgt, ohne einen Daumen zu heben. 

Das Facebook-Profil von Halvers Bürgermeister Michael Brosch. Mehr als 2600 Freunde hat er.

Inhalte auf den Seiten der Parteien und Bürgermeisterkandidaten

Was passiert auf den einzelnen Seiten der Parteien auf Facebook? Es werden Anträge vorgestellt oder auch Artikel unserer Zeitung geteilt. Informationen aus Politik und Verwaltung sowie Nachrichten werden platziert. Aber auch der Bürgermeisterkandidat wird beworben und alles, was mit ihm in Verbindung steht, geteilt. Themen, die von der SPD angestoßen wurden, erscheinen bei den anderen vier Fraktionen nicht. Andersherum ist es ähnlich: Auf der Seite der SPD kommt beim Scrollen kein Kopfbild von Tempelmann vor, dafür aber vermehrt von Brosch. Die SPD teilt auch Beiträge der CDU und kommentiert sie. Martin Kastner steht als Fraktionsvorsitzender hinter dem Online-Auftritt. Er reagiert und gibt eine andere Sicht auf Themen. Es kommt auch zum Streit auf Facebook. 

Seiten werden auch für Werbung benutzt

Auf den politischen Seiten vertreten die Parteien vor allem ihre eigenen Standpunkte und sind nicht der Objektivität verpflichtet. Die Seiten der Parteien auf Facebook unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von privaten Profilen: Sie sind gewerblich und können Werbung schalten. Dass diese Seiten dem Eigennutz dienen, sieht man auch daran, dass die Seiten der CDU und der SPD Wahlwerbung geschaltet haben. Beide haben momentan Werbeanzeigen für weniger als 100 Euro aktiviert. 

Die CDU hat auch in der Vergangenheit bereits in Werbung investiert. Von der CDU ist aktuell ein Beitrag zum Thema Abgabe des Grünabfalls auf dem Wippermann-Gelände aktiv, von der SPD kursiert Werbung zum Thema Medizinisches Versorgungszentrum. Bis zum 19. Juli lief bei der SPD ebenfalls ein Beitrag zum Werkhof. Bei der CDU war bis vor Kurzem der Antrag der CDU und FDP zu sehen, der die Sanierung der Fassade am alten Feuerwehrgerätehaus vorsieht. Diese Beiträge werden einer gewissen Zielgruppe über Facebook angezeigt, anderen jedoch nicht. Einsehbar ist die Werbung für jeden nur über mehrere Klicks, unter dem Begriff „Seitentransparenz“. 

CDU will mehr Reichweite

Die CDU investiert mehr. Das sieht man daran, dass ihre Reichweite 100 000 bis 500 000 Personen beträgt, die Reichweite der SPD beläuft sich auf 10 000 bis 50 000 Personen. Zwischen 4000- und 5000-mal wurde die Anzeige der CDU auf einem Bildschirm zumindest gesehen, die der SPD von schätzungsweise 2000 bis 3000 Personen. Die Kosten liegen bei beiden Parteien unter 100 Euro. 

 Die Reichweite der CDU (Klick aufs Bild):

Werbung der CDU: Die CDU landet vor allem bei den 13- bis 17-Jährigen auf den Bildschirmen und trifft damit auch Erstwähler, insgesamt eher Männer (62 Prozent)

Die Reichweite der SPD (Klick aufs Bild):

Werbung der SPD: Die SPD erreicht alle Geschlechter gleichermaßen, die Jugend jedoch weniger als die 35- bis 60-Jährigen.

Digitale Strategien auf dem Vormarsch

In Zeiten von Corona sind digitale Strategien auf dem Vormarsch. Informationsstände auf dem Wochenmarkt waren und sind noch immer undenkbar. Besuche von Haus zu Haus ebenfalls. Wie also die Menschen, die Wähler, erreichen? Das Internet ist ein Weg, wenngleich er nicht alle erreicht. Sozialwissenschaftler sagen, Politiker glaubten, ihre Wähler erwarten von ihnen, dass sie online aufzufinden sind. 

Das stimme zwar, Fakt sei aber: Für gerade einmal sieben Prozent der deutschen Bevölkerung seien soziale Netzwerke das Hauptmedium, nur ein Prozent informiere sich dort ausschließlich. Der Großteil suche seine Informationen noch immer auf anderen Kanälen. Das gelte insgesamt für die meisten Länder in Europa, die über einen starken öffentlich-rechtlichen Sender verfügen, wie Prof. Dr. Katharina Kleinen von Königslow, Sozialwissenschaftlerin mit Fokus auf Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg, in einem Interview zur Wahl zum Europäischen Parlament 2019 sagte. 

Politisch Interessierte nicht auf Facebook unterwegs

Auch wenn sich viele Menschen noch über klassische Medien informierten, seien Snack-News immer wichtiger. Das bedeutet, dass Menschen möglichst schnell und nebenbei informiert werden möchten, beispielsweise beim Scrollen auf Facebook – und wenn es nur eine Überschrift ist, die sie lesen. Facebook erreicht zwar im Vergleich die meisten Menschen, weil es viele nutzen. Politisch Interessierte nutzen aber eher das Netzwerk Twitter. Die junge Wählerschaft hat heute nur noch selten Facebook und ist stattdessen auf Youtube oder Whatsapp unterwegs. CDU und UWG setzen seit einigen Tagen zusätzlich auf Instagram. Die CDU hat dort derzeit 29, dieUWG 17 Follower. AuchMichael Brosch ist auf Instagram. Dem Bürgermeister folgen 523 Personen. 

Keine Gefahren im sozialen Netzwerk - Fakten checken

Gedanken muss man sich nicht machen. Die sozialen Netzwerke stellen laut geltender Meinung von Sozialwissenschaftlern zumindest in Deutschland kein Problem dar. Eher seien es politische Akteure, die nicht immer die ganze Wahrheit sagen. Ob sich das soziale Netzwerk letztendlich nicht nur für die Wahl, sondern auch für interne Parteiarbeit und weitere Ziele der Partei lohnt, werden die Fraktionen sehen. Bei der Wahl ist klar: Am Ende gewinnt nicht der Kandidat mit den meisten Gefällt-mir-Angaben oder Freunden im sozialen Netzwerk, sondern der mit den meisten Wählerstimmen.

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