Digitale Hilfe kommt bei Jugendlichen gut an

Susanne Bisterfeld von der Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt informierte die Mädchen im Jugendzentrum über das Online-Beratungsangebot http://www.find-yourway.de. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Das Erwachsenwerden bringt Probleme mit sich. Das ist nicht neu und schon seit Menschengedenken so. Doch die Möglichkeiten, diese Probleme zu lösen, haben sich im Laufe der Jahrhunderte geändert. Da wundert es nicht, dass auch die Kinder- und Jugendberatung nicht mehr ohne das Medium Internet auskommt. Und so stellte Susanne Bisterfeld von der Beratungsstelle der Arbeitererwohlfahrt (Awo) in Meinerzhagen am Montag der Mädchengruppe im Jugendzentrum ein entsprechendes Angebot ihrer Einrichtung vor.

Seit 2006 bietet die Awo in Meinerzhagen, in deren Einzugsgebiet auch Halver liegt, die Möglichkeit, per E-Mail anonym Rat zu suchen und sich beraten zu lassen. „Die Hemmschwelle ist einfach viel geringer als in der ‚Face-to-Face‘-Beratung“, weiß Bisterfeld, die damit das persönliche Beratungsgespräch „von Angesicht zu Angesicht“ meint. Und so erhofft sie sich auch von dem Gespräch mit Jugendlichen in Halver einen noch höheren Bekanntheitsgrad der Seite http://www.find-yourway.de. Dort, so erläuterte Susanne Bisterfeld, finden die Mädchen und Jungen nicht nur die Möglichkeit, direkt mit den Beraterinnen der Awo Kontakt aufzunehmen, sondern viele weitere Informationen zu den Themen Sucht, Mobbing, Trennung der Eltern, erste Liebe und mehr. Und das Online-Angebot der Arbeiterwohlfahrt kommt gut an. „Insbesondere unmittelbar nach der Vorstellung der Internetseite in Schulen erhalten wir viele Mails“, sagt Bisterfeld.

Die Probleme sind so vielfältig wie die Personen, die dahinter stehen. Und doch lassen sich Schwerpunkte erkennen: „Mädchen berichten uns häufig von Essstörungen oder dem Ritzen in die eigene Haut, mit dem man ja auch Probleme verarbeiten will.“ Jungen wiederum meldeten oft Probleme aus ihrem häuslichen Umfeld oder dem zwischenmenschlichen Bereich. Auch Liebeskummer und andere Trauersituationen würden oftmals angesprochen. Und zwar deutlich und direkt: „Wir haben durch den Mailkontakt eine andere Situation als im persönlichen Gespräch. Die Jugendlichen schreiben in der Situation, die sie gerade belastet. Sonst liegt dieser Zeitpunkt ja meist bereits länger zurück.“

Dabei würden die Beraterinnen lediglich Alter und Geschlecht ihrer Mailkontakte kennen – ein Umstand, den viele Ratsuchende zu schätzen wissen. Jährlich träfen über find-yourway.de etwa 300 Mails in der Beratungsstelle der Awo ein. „Wir versuchen, insbesondere die erste Kontaktaufnahme schnellstmöglich zu bearbeiten. Später antworten wir mindestens wöchentlich“, so Bisterfeld. Die Antworten dürften nie „platt“ sein – „wir zeigen den Jugendlichen ihre Stärken auf und versuchen, dass sie die Welt nicht mehr nur schwarz und weiß sehen“. Doch in besonders ernsten Fällen wird natürlich auch ein persönliches Gespräch anberaumt. „Zu schnell darf man das aber nicht vorschlagen. Sonst verschreckt man die Jugendlichen“, weiß sie aus Erfahrung. ▪ Frank Zacharias

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