Digitale Christvesper: Einige Kirchengemeinden sagen Präsenzgottesdienste ab

Die Nicolai-Kirche in Halver
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Veranstaltungen ohne Besucher: Die Gottesdienste an den Weihnachtstagen aus der evangelischen Nicolai-Kirche werden live gestreamt, Besucher gibt es nicht.

Die Evangelische Kirche von Westfalen liegt den Kirchengemeinden nahe, wegen des Coronavirus an Weihnachten auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Wir haben bei einigen Gemeinden nachgehört, wie ihre Pläne nun aussehen.

Halver - Die Evangelische Kirchengemeinde Oberbrügge wird der Empfehlung folgen. Ab sofort und bis zum Ende des Lockdowns am 10. Januar sollen die 465 Kirchengemeinden auf dringenden Rat der viertgrößten deutschen Landeskirche weder in Kirchen oder Gemeindehäusern noch unter freiem Himmel Gottesdienste feiern, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern. „Angesichts der gegenwärtigen und deutlich veränderten Lage“ sei der Verzicht auf Versammlungen von Menschen – bewährten Schutzkonzepten zum Trotz – ein Gebot der Vernunft.

Wie Pfarrer Thomas Wienand von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbrügge erläuterte, wird die Gemeinde in Oberbrügge der Empfehlung folgen und auf Präsenzgottesdienste verzichten. Noch am Mittwochabend setzten sich die Verantwortlichen in einer Sondersitzung zusammen, um über mögliche Alternativen zu beraten. Als „deprimierend und bedauerlich“ bezeichnete der Pfarrer die Lage. Gerade in Zeiten wie diesen habe die Kirche den Menschen etwas zu sagen. Auf der anderen Seite wolle die Gemeinde aber nicht dafür verantwortlich sein, wenn etwas passiert.

Die Lage ist deprimierend und bedauerlich.

Thomas Wienand Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbrügge

Bei der Evangelischen Kirchengemeinde Halver sieht das ähnlich aus. Laut Mitteilung von Mittwoch finden die Weihnachtsgottesdienste nur in digitaler Form statt. An Heiligabend ist der Familiengottesdienst ab 14.30 Uhr über die Youtube-Plattform zu verfolgen. Das gilt auch für die Christvesper ab 17 Uhr. Am 1. und 2. Weihnachtstag findet jeweils ein Online-Gottesdienst ab 10 Uhr statt.

Von einer „schwierigen Abwägung zwischen dem Verkündigungsauftrag der Kirche und dem Gesundheitsschutz“ sprach Dr. Christof Grote. Der neue Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg hat am Dienstag selbst an der Online-Konferenz mit Präses Dr. Annette Kurschus sowie den Superintendenten und Kirchenleitungen der Evangelischen Kirche von Westfalen teilgenommen. Er berichtet, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Zweieinhalb Stunden habe diese Konferenz gedauert.

Auch für ihn selbst, so betonte Grote, sei es bitter, dass er als neuer Superintendent, der noch nicht einmal zwei Monate im Amt ist, den Gemeinden mitteilen müsse, dass sie keine Weihnachtsgottesdienste feiern sollten. „Aber wenn ich die Zahlen von heute sehe, kann ich die Empfehlung mittragen“, sagte er am Mittwoch. Er sei froh, dass zumindest viele Kirchen offen seien, um den Menschen in dieser Zeit Andacht und Gebet zu ermöglichen. Außerdem gebe es in vielen Gemeinden die Möglichkeit von digitalen Gottesdiensten. Von den Pfarrern wisse Grote, dass sie in der Seelsorge stark involviert seien und den Kontakt zu den Gemeindemitgliedern halten.

Katholiken halten vorerst an Plan fest

Mit Abmeldungen, Abstandsregeln und Alltagsmasken versucht hingegen die Katholische Pfarrei Christus König Gläubigen Präsenzgottesdienste an Weihnachten zu ermöglichen. Vom Bistum Essen sei noch keine Weisung gekommen, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, erläuterte Pfarrer Claus Optenhöfel auf Nachfrage. Stand jetzt: „Wir planen Weihnachten Gottesdienste zu feiern.“ Allerdings könne sich das jederzeit ändern, wenn sich die Infektionslage ändere und eine große Steigerung der Infektionen zu beklagen sei. Auch mit Anmeldung sei nicht die Sicherheit gegeben, dass alles so stattfinden könne wie jetzt geplant.

Angehalten sei die Pfarrei seitens des Bistums, die Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren und besonders sorgfältig auf Einhaltung aller Schutzmaßnahmen zu achten. Von daher würden die Gottesdienste – so sie wie geplant stattfinden – kurz, knapp und auf wenige Besucher beschränkt sein. Die offene Kirche und Online-Impulse werde es jedoch in jedem Fall geben. Ein zeitnaher Austausch mit den Pfarrern im Kreisdekanat zur derzeitigen Situation ist angedacht.

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