„Diese zwei Monate überleben wir nicht“

Zahlreiche Anlieger des Bächterhofs diskutierten mit Vertretern der Stadtverwaltung die geplante Abriegelung ihrer Straße. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Es war beinahe eine Bürgerversammlung, die am Montag im Ratssaal über die Bühne ging – wenn auch eine verspätete, wie viele Anlieger des Bächterhofs meinen.

Es ging um die Auswirkungen des Kreisverkehr-Baus an der Von-Vincke-Straße, um Existenzängste – und um die Rolle, die die Stadt im Vorfeld gespielt hat. Es war wohl auch der steigende öffentliche Druck, der dazu geführt hat, dass Vertreter von Stadtverwaltung und Interessengemeinschaft am späten Nachmittag an einem Tisch saßen. Er habe viele, auch persönliche Gespräche zum Thema Kreisverkehr und Umleitungen geführt, betonte Bürgermeister Dr. Bernd Eicker zu Beginn der Versammlung. Die Ausgangslage des gestrigen Treffens war klar: Anwohner wie Geschäftsleute des Bächterhofs wollen sich mit der Abriegelung ihrer Straße vom Rest der Innenstadt nicht abfinden. Sie kritisierten in der Vorwoche die Pläne von Straßen.NRW und fühlten sich von der Stadtverwaltung im Stich gelassen (wir berichteten). Doch allen Hoffnungen, den Durchgangsverkehr zum Bächterhof zumindest teilweise zu ermöglichen, musste Bernd Eicker gestern zunächst eine Abfuhr erteilen: „Wir haben intensive Gespräche mit dem Straßenverkehrsamt des Märkischen Kreises geführt. Aber unsere Bemühungen haben erstmal zu nichts geführt.“

Gleich zwei Alternativen habe die Stadt der Behörde in Lüdenscheid vorgelegt: Zum einen die Ausfahrt aus dem Bächterhof auf die Frankfurter Straße über ein Stopp-Schild. Zum anderen das Rechtsabbiegen aus der Marktstraße in den Bächterhof. Beides sei abgelehnt worden, „weil man ein extremes Verkehrschaos befürchtet“, so der Bürgermeister. Anders als von Seiten der Stadt vorgeschlagen, wolle die Kreisbehörde zunächst die Sperrungen testen, um diese gegebenenfalls aufzuheben – und nicht umgekehrt agieren. Als Grund seien Sicherheitsbedenken angeführt worden. Verständnis zeigten alle Seiten dafür, dass die Zufahrt aus der Frankfurter Straße in den Bächterhof nicht ermöglicht werden kann: In diesem Fall wäre mit einem Rückstau hinter jenen Fahrzeugen zu rechnen, die in den Bächterhof fahren wollen, jedoch auf den vorfahrtberechtigten Verkehr aus der Marktstraße warten müssten.

10 000 Fahrzeuge fahren pro Tag durch Halver

Lutz Eicker vom Fachbereich „Bürgerdienste“ betonte die Notwendigkeit, für eine großzügige Umleitung infolge des Kreuzungsbereichs an der B 229/Von-Vincke-Straße zu sorgen: Verkehrszählungen hätten gezeigt, dass täglich bis zu 10 000 Fahrzeuge Halver durchfahren würden. „Wir hoffen jedoch, zumindest ein Drittel dieses Verkehrs durch frühzeitige Hinweise aus der Innenstadt heraushalten zu können“, so Lutz Eicker. Während man sowohl Autos aus Radevormwald als auch aus Kierspe über Oberbrügge nach Lüdenscheid schicken könne, sei dies mit Lastwagen nicht möglich. Die Sicherheit von Fußgängern wäre entlang der Heerstraße massiv gefährdet.

In diesem Zuge betonte Bürgermeister Bernd Eicker erneut, dass die „Hauptzuständigkeit“ in dieser Sache beim Landesbetrieb Straßen.NRW liege – und dort schließlich auch die Fachkräfte für solche Verkehrsmaßnahmen säßen. Dennoch wolle die Stadt nach Beginn der Umleitungsregelung schnellstmöglich eine, wenn auch eingeschränkte Anbindung des Bächterhofs an die Hauptverkehrsader der Stadt erreichen. Die Ansprechpartner im Kreishaus hätten zugesagt, sich zeitnah die Situation vor Ort anzuschauen und gegebenenfalls Verbesserungen vorzunehmen.

Ein Versprechen, das nicht nur Yvonne Pektopalyan mit Interesse zur Kenntnis nahm. Wie ihre „Mitstreiter“ aus dem Einzelhandel – 13 waren im Ratssaal erschienen – befürchtet sie existenzgefährdende Umsatzeinbußen. „Wir werden diese zwei Monate nicht überleben“, sagte die Backshop-Betreiberin mit Blick auf die anvisierte Bauzeit. Und Schlecker-Filialleiterin Brigitte Frischmuth wurde angesichts der Drogeriemärkte in Frankfurter- und Bahnhofstraße nicht weniger deutlich: „Das wäre unser Genickbruch.“

Dass den Geschäftsleuten nochmals ein Aufschub von einem Tag gewährt wird, war gestern nur eine Randnotiz: Die Umleitung soll nun erst am Donnerstag statt am morgigen Mittwoch in Kraft treten. Ursprünglich war Straßen.NRW vom vergangenen Freitag als Starttermin ausgegangen. ▪ Frank Zacharias

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare