Evangelischer Friedhof

Wer beklaut die Toten? Diebstähle auf dem Friedhof

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Diebstahl von Gräbern stört nicht nur die Ruhe der Toten, sondern auch die der Angehörigen.

Halver - Mit dem November und seinen vielen Feiertagen häufen sich auch wieder die Diebstähle auf Halvers Friedhöfen. Nicht nur Kleinigkeiten werden gestohlen. Von der Kapelle des evangelischen Friedhofs montierten Unbekannte das Schneefallgitter ab.

Für viele ist ein Friedhof ein ganz besonderer Ort. Einer des Abschieds, der Trauer, für manche gar ein symbolischer Übergang in eine neue Welt. Ein Ort, an dem die Gesetze von Raum und Zeit nicht mehr gelten – steht die Zeit für die Besucher scheinbar still, ist sie für die Toten längst abgelaufen. 

So abgegrenzt ein Friedhof von der Außenwelt scheint, so sicher fühlen sich dort Diebe. Gesetze gelten für sie keine mehr. Und Moral? Blumen, Vasen, Kerzenhalter oder kleine Figuren werden häufig einfach von Gräbern gestohlen. Hinter solchen Kleinigkeiten stecken meist private Personen, vermutet zumindest die Polizei. Im größeren Stil und meist von Banden werden dagegen Kupfer, Bronze und Messing gestohlen. Jüngst geschehen ist das auf dem evangelischen Friedhof an der Elberfelder Straße. 

Schneefanggitter aus Kupfer gestohlen

Das Schneefanggitter aus Kupfer wurde vom Dach der Kapelle gerissen. Circa zwei Wochen ist das nun her, berichtet Ulrich Streppel. Rund um die Kapelle liegen Dachpfannen aus Schiefer, die das radikale Ausreißen des Gitters verbildlichen. Die Löcher im Dach wurden bereits von einem Dachdecker behoben. Für ein neues Gitter müssen noch Angebote eingeholt werden. 

Nicht das erste Mal, dass im großen Stil Diebe auf dem Friedhof unterwegs waren. Vor einigen Jahren wurden die Regenrinnen, ebenfalls aus Kupfer, allesamt abmontiert. Die neuen Rinnen sind aus Kunststoff – auch das neue Schneefanggitter wird nicht mehr wertvoll für Metalldiebe sein, so viel sei klar, sagt Streppel. Auf der anderen Seite des Daches hängt noch ein Schneefanggitter. „Die Haken waren auch schon geöffnet“, sagt Streppel. Warum es nicht auch direkt mitgenommen wurde und ob die Diebe noch einmal vorhaben wiederzukommen, kann Streppel nur mutmaßen. 

Die Täter kommen, wenn es dunkel ist

Er geht zumindest davon aus, dass die Täter da waren, als es dunkel war. Ab 17 Uhr sind die Mitarbeiter des Friedhofs nicht mehr vor Ort und auch Besucher kommen nur noch selten vorbei. Solche Geschichten hört man auch aus anderen Städten – deutschlandweit. Ulrich Streppel kennt Gräber, an denen alles aus Kupfer gestohlen wurde. Seien es Buchstaben des Grabsteins, Vasen oder Laternen. Wie sich Angehörige fühlen müssen, wenn sie das Grab ihrer Verstorbenen so vorfinden, kann man sich kaum vorstellen, sagt der Friedhofsleiter. „Entsetzt sind sie“, sagt er. Eine Frau erzählte Streppel von dem Diebstahl vom Grabe ihres Mannes. Sie sei so geschockt gewesen, dass sie schlaflose Nächte hatte, erzählte sie ihm. 

Am Grab hat die Trauer einen Platz. Egal, ob Blumen oder Grabsteine – alles hat seine Bedeutung. Auf einem Kindergrab stand ein kleiner Spielzeug-Traktor, erinnert sich Streppel. Doch selbst dieser wurde geklaut. Was bleibt, sind Unverständnis und Traurigkeit. Auch die Mitarbeiterinnen bei Blumen Born kennen diese Problematik. 

Auffälliger Kastenwagen am Friedhof

Keine drei Wochen ist es her, berichtet die Floristin Sylvia Engbrodt, da sah sie einen Kastenwagen auf dem Parkplatz des evangelischen Friedhofs. Auch einer Kundin fiel der Wagen auf. Sie schrieb vorsichtshalber das Kennzeichen auf, wie sie der Floristin hinterher mitteilte. „Für den Fall, dass etwas passiert.“ Denn ausgestiegen sind mehrere Leute, vermutlich süd-osteuropäischer Herkunft, sagt Engbrodt. „Ich fragte mich schon, was die hier wollten. Hier gibt es ja nichts zu sehen.“ Von einem Kastenwagen, aus dem viele Personen ausstiegen, berichtete bereits im vergangenen Jahr eine Mitarbeiterin von Blumen Born. 

Die Polizei sagt klar, es handelt sich dabei immer um eine Straftat – keine Frage. Aber ohne Tatverdacht und Hinweise – keine Chance. In diesem Jahr ging noch keine Anzeige wegen Diebstahls bei der Halveraner Wache ein. Im Laufe des Novembers werde sich das wahrscheinlich ändern, vermuten die Beamten. „Die Verstorbenen kriegen das nicht mehr mit“, sagt Engbrodt. „Aber für die Angehörigen ist das mitunter sehr wichtig.“ Wie es sich anfühlt, wenn man zum verwüsteten Grab der verstorbenen Angehörigen kommt, wissen bereits viele Halveraner. „Früher hat es so etwas nicht gegeben“, sagt Engbrodt, und fragt sich, wie weit die Hemmschwelle heutzutage gesunken ist.

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