Diebe treffen auf Einbruchsopfer

HALVER ▪ Im Landgerichtsprozess gegen sechs Angeklagte aus Halver, Lüdenscheid und Kierspe gaben sich am Mittwoch die durch die Wohnungs- und Hauseinbrüche Geschädigten die Klinke des Gerichtssaals in die Hand.

Dabei wurde erneut deutlich, dass die Angeklagten es vor allem auf Schmuck, hochwertige Elektrogeräte und natürlich Bargeld abgesehen hatten.

Im Hinblick auf die „besuchten“ Häuser bewiesen sie dabei zumeist einen „guten“ Riecher, wo möglicherweise etwas zu holen sein würde: Geschädigte aus Halver berichteten von gestohlenem Schmuck und fünfstelligen Schadenssummen. Ein Unternehmer machte deutlich, worauf es die Täter abgesehen hatten: Er bekam eine einstmals wertvolle Uhr zurück – ausgeschlachtet und ohne ihre goldene Hülle. Auch zahlreiche Schmuckstücke kamen irgendwann zurück, „alles irgendwie zerstört und wertlos“. Zwei weitere Einbruchsopfer aus Halver hatten lediglich zerstörte Türen und Fenster zu beklagen.

Nicht in allen Fällen machten die Täter Beute. So auch nicht an der Südstraße in Lüdenscheid: Äußerst couragiert begegnete eine 89-jährige Rentnerin einem der Einbrecher. „Ich bin dem Täter im Flur begegnet“, erzählte sie vor Gericht. Als sie ankündigte, die Polizei verständigen zu wollen, verschwand der Bursche ohne Beute. Als Täter identifizierte sie den heute 22-jährigen Haupttäter aus Kierspe, für den sie trotz einer zerstörten Tür sogar lobende Worte fand: „Er hat sich im Grunde genommen ordentlich verhalten.“ „Abgesehen von dem Umstand, dass er bei Ihnen eingebrochen hat“, erinnerte der Vorsitzende Richter Marcus Teich angesichts solcher Höflichkeiten an den Grund des Zusammentreffens im Schwurgerichtssaal.

Erheblich weniger zuvorkommend verhielt sich der Haupttäter, als er am 28. Oktober einen 17-Jährigen an der Bushaltestelle Schubertstraße in Lüdenscheid zusammenschlug und ihm ein I-Pad entriss. „Er ging auf mich zu, packte mich, schlug sechs/sieben Mal auf meine Schläfe ein und schmiss mich gegen ein Werbeplakat“, erinnerte sich der 17-Jährige an den brutalen Überfall. „Auf meiner rechten Kopfseite war alles blau. Ich gehe seitdem nicht mehr ohne eine kleine Aluminiumstange aus dem Haus.“ ▪ Thomas Krumm

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