Herksiepe und Schillerstein weiter im Gespräch

Baugebiete bleiben Thema in Halver - Grüne äußern sich zu Vorwürfen

Herksiepe Baugebiet Halver
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Zwischen Linger Weg und Lingen befindet sich das mögliche Bauegebiet Herksiepe.

Es hagelt recht späte Kritik an den Baugebieten Herksiepe und Schillerstein. Personen, die Umweltgründe anführen, werfen den Grünen vor, zu wenig getan zu haben. Aber das sieht die Partei anders.

Halver – Ja, die Kritik kommt spät. Aber nicht zu spät, sagen Matthias Clever und Jana Schrage, Fraktionsvorsitzender der Grünen und die Stellevertreterin. Noch könnten die Baugebiete Herksiepe und Schillerstein theoretisch verhindert werden. Und theoretisch hätten es die Stimmen der Grünen im Rat sein können, die gemeinsam mit den Enthaltungen seitens der SPD den Beschluss gestoppt hätten. „Aber wir haben nicht nur eine ökologische Verantwortung, sondern auch eine Verantwortung gegenüber der Stadt“, sagt Jana Schrage. Würde das Projekt gestoppt werden, wäre das mit einem großen Verlust für Halver verbunden.

„Wir haben versucht, für eine relativ verfangene Situation eine Lösung zu finden“, führt Schrage aus. „Nämlich die Situation, dass CDU, UWG und FDP weitermachen wollten, die SPD sich aus verschiedenen Gründen umentschieden hat, die Flächen aber bereits gekauft wurden.“

Großen Schaden für die Stadt verhindern

Gekauft wurde die Fläche am Ende des Linger Wegs mit dem klaren Ziel, sie zu bebauen – das müsste auch der SPD klar sein. „Das ist echt ein Dilemma“, sagte sich daraufhin die Fraktion der Grünen. Denn sie wollen nicht, dass der Stadt ein großer Schaden entsteht. Den Plan jetzt noch zu kippen, stand nicht zur Debatte. Und zuvor hat sich keine Mehrheit gefunden. Die SPD war immer für die Baugebiete – bis jetzt.

Das interpretiert so manch einer falsch: Die SPD übernimmt die Rolle der Grünen, sagte der gebürtige Halveraner Thilo Kortmann. Den Vorwurf, dass die Grünen sich nicht trotzdem bemüht hätten, weisen sie zurück. In vielen Sitzungen, die nicht öffentlich waren, waren sie es, die bewirkt haben, dass die zu bebauende Fläche reduziert wird. „Das nehmen die Leute leider oft nicht wahr“, sagt Clever. Grundstücksverhandlungen sind nie öffentlich. Aber alles andere, was öffentlich sein kann, sollte, wenn es nach Matthias Clever geht, in Zukunft möglichst offen und transparent sein. „Seit Jahren setzt sich die Grünen-Fraktion als einzige Fraktion gegen Flächenfraß in Halver ein, sei es bei Gewerbe- oder Wohngebieten“, heißt es dazu auch im Antrag der Grünen. Zu nennen sei hier das Gewerbegebiet in Oeckinghausen, das durch die Grünen verkleinert wurde, und auch die Wiese gegenüber wird nicht bebaut – nur die neue Rettungswache wird dort errichtet.

„Uns ist es wichtiger, dass wir gemeinsam Kompromisse und gute Lösungen für die gesamte Stadt finden, als in eine Fundamental-Position zu gehen – weil sie uns nicht helfen würde“, sagt Jana Schrage. Denn dass sie mit fünf Sitzen im Rat nicht alles verhindern können, ist ihnen bewusst. „Es wären fünf verschenkte Stimmen“, sagt Schrage. Aber abgesehen davon waren die Grünen die einzigen, die seit Beginn der Diskussion um die Baugebiete dagegen gestimmt haben. Sowohl im Dezember 2019 als auch im Januar 2020. Nicht die SPD. Besser sei der Ansatz, dass man versucht, aus ökologischer Sicht das Beste rauszuholen und der Verantwortung der Stadt gegenüber gerecht zu werden, sagt Schrage.

  • Ein Gesamtkonzept für die Stadt: Es kann nicht sein, dass immer hier und da Bauland ausgewiesen wird, es aber keine Gesamtschau gibt, was es für einen Bedarf gibt. Bedarf an sozialem Wohnungsbau, Etagenbau, Einfamilienhäusern. Wie können wir den Bedarf, wenn wir uns ganz Halver angucken, versuchen, zu decken, Wichtig ist ein langfristiger Plan für Halver, sagt Schrage.
  • Die Stadt muss sehen, wie sie Einnahmen generieren kann, ohne Bauland zu verkaufen. Im Moment hängt die Haushaltssicherung zum Stück weit daran, dass der Kämmerer einen guten Job macht, sagt Schrage. „Das muss verstetigt werden, ohne dass wir ständig Bauland verkaufen.“ Es müssen andere Einnahmequellen gefunden werden.

Diese Forderungen sind Teil eines Antrags. Einen weiteren Antrag legte die Fraktion im Rat vor. Dieser betrifft die Wohngebiete und sieht eine zukunftsweisende Wohnsiedlung vor. Die erste Öko-Siedlung Halvers soll geschaffen werden: mit erneuerbaren Energien heizen, Flachdächer begrünen und Vorgärten bepflanzen, Hecken statt Zäune setzen werden und eine Streuobstwiese sowie ein naturnaher Spielplatz sollen entstehen.

Die Suche nach Lösungen

Die Sorgen der Anwohner können Matthias Clever und Jana Schrage nachvollziehen. Wirklich ernst nehmen sollte man die Befürchtung der Anwohner, dass deren Brunnen trockenfallen und sich die verkehrliche Situation weiter verschlechtern könnte. Auch hier müsse man auf die Suche nach Lösungen gehen. Begrüßen würden es Schrage und Clever jedoch auch, wenn die, die sich jetzt gegen die Baugebiete aussprechen, auch für etwas einsetzen würden, das nicht vor der eigenen Haustür passiert. „Wir könnten Unterstützung gebrauchen“, sagt Jana Schrage.

Distanzieren will sich die Partei auch von dem Vorwurf, einen Block mit CDU, UWG und FDP zu bilden. Die Türen sind für alle Parteien offen. Derselben Meinung waren sie zu Beginn der Gespräche zu den neuen Baugebieten nicht. Jetzt aber versuchen sie, das Beste aus der Situation rauszuholen.

Kämmerer Markus Tempelmann ist besorgt um die Entwicklung in Sachen Baugebiete.

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