Borkenkäfer auch in Halver

Harvester statt Naherholung im Fichtenwald an der Herpine

Förster Ulrich Ackfeld mit York Schäfer, Betreiber des Kletterwaldes, bei der Begutachtung des Fichtenbestandes unterhalb der Herpine.
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Förster Ulrich Ackfeld mit York Schäfer, Betreiber des Kletterwaldes, bei der Begutachtung des Fichtenbestandes unterhalb der Herpine.

Rund 80.000 Festmeter Fichtenholz, anderthalb mal so viel wie bei Kyrill, sind seit Jahresbeginn aus Halvers Wäldern abgefahren worden. Die nächsten 1000 tun richtig weh.

Halver - Der Borkenkäfer ist auch über die großen Bestände unterhalb des Waldfreibads hergefallen, die sich an den Herpineteichen am Hang entlang parallel zur Schleifkottenbahn erstrecken. Am 28. September beginnt dort das große Abräumen bis fast zur Ortslage Siepen.

Grün und tot

Der Laie sieht den Bäumen in der Regel nicht an, wie kaputt sie schon sind. Förster Ulrich Ackfeld dagegen kennt jedes Stadium des Dahinsiechens aus der täglichen Praxis. Rieselt das Bohrmehl schon zum Stammfuß, regnet es grüne Nadeln? Dann muss die Fichte raus, um nicht als Basislager für die nächsten Käferflüge zu dienen. Und der Bestand ist in der Fläche befallen.

Nach und nach muss der Kletterpark in den benachbarten Laubwald umziehen.

Die Abfuhr

Wie kriegt man das Holz aus dem Wald? Das ist bei der Herpine-Aktion schwieriger als anderswo. Den größeren Teil, etwa zwei Drittel, will man über die Schiene der Schleifkottenbahn schaffen. Mit dem Betreiberverein ist ausgehandelt, dass der Draisinen-Verkehr vom 28. September bis zum 2. Oktober ruht. Um mit Rückegerät und Harvester über die Schienen zu kommen, werden die Gleise mit Holz überbaut. Andere Lösungen seien nicht praktikabel, hat sich herausgestellt. Die Laufbänder der schweren Maschinen würden alles kaputtfahren. Dieser Teil des Holzes wird in Richtung Winkhof gelagert. Die Abfahrt in Container-Lkw erfolgt anschließend über die Straße Winkhof.

Schwerer Verkehr

Der übrige Teil der Stämme wird an der Herpine vorbei und über den Herpiner Weg aus dem Wald gefahren. Im Begegnungsverkehr mit den Lkw dürfte es dort eng werden. Unter Umständen muss ein zeitweiliges Halteverbot verhängt werden, so die Überlegung.

Das Bohrmehl am Stammfuß verrät den Käfer.

Naherholung?

Der Bereich Herpine, Kletterwald, Enten- und Gänseteich samt Trainingspfad dürfte Halvers beliebtestes und am stärksten frequentierte Naherholungsgebiet sein. Während der Arbeiten fällt das weitestgehend flach. Schilder und Flatterbänder sollen auf die Gefahr aufmerksam machen. Die Stadt Halver, Förster und auch Astrid Becker von der Forstbetriebsgemeinschaft appellieren an de Vernunft von Läufern, Radlern, Gassigehern und Spaziergängern, dem Bereich fernzubleiben. Die Maschinisten auf dem schweren Gerät sind mit allen Sinnen bei der Arbeit im Holz. In großem Umkreis der Geräte besteht Lebensgefahr, wenn teils 20 Meter lange Bäume fallen.

Kletterwald

Der Kletterwald Halver muss sich neu erfinden. Die nächsten beiden Winter will York Schäfer nutzen, um ihn aus den Fichten in die Laubbaumbestände zu verlagern, die nicht derart massiv vom Käfer bedroht sind. Geschlagen geben will er sich angesichts der Erschwernisse aber nicht. Seinen Vertrag mit der Stadt Halver hat er verlängert, und Bürgermeister Michael Brosch freute sich über das positive Signal. Ziel sei es, den Kletterpark zu erhalten und Ersatz zu schaffen für die Stationen, die der Käfer angefressen hat oder noch anfressen wird.

Die Herpine

Halvers einzigartiges Waldfreibad dürfte unter der Holzaktion weniger leiden als vielleicht gedacht. Der Bereich hinter der Rutsche ist bestanden mit jüngerem Laubholz. Erst in Richtung des Demenz-Kompetenz-Zentrums Haus Waldfrieden steht eine Reihe Fichten, die auf Dauer kaum zu halten sein wird. Im Gegensatz dazu wird sich das Landschaftsbild im Bereich der darunterliegenden Teiche aber dramatisch verändern.

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