Erntezeit

Die Ernte ist nichts für schwache Nerven - Landwirte resümieren unterschiedlich

Landwirte, Ernte, Halver
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Johannes Johanngieseker mitten im Winterweizenfeld. Der Weizen dient als Futter für das Geflügel auf dem Hof Gieseker.

Die Regenmassen sind Segen und Fluch zugleich. Bei der diesjährigen Ernte wird das ganz besonders deutlich. Für so manchen Landwirt ist die Ernte nichts für schwache Nerven, andere freuen sich über einen üppigen Ertrag. Wir haben drei Landwirte besucht.

Halver – „Nervenaufreibend“, so bezeichnet Johannes Johanngieseker die Winterweizenernte. Der junge Landwirt, der den Geflügelhof Gieseker am Kreisch in der vierten Generation leitet, steht mit seinem Messgerät mitten im Feld – eines von 25 Hektar Getreideflächen, die die Johanngiesekers bewirtschaften.

Der Winterweizen dient als Futter für das Geflügel. Der Landwirt misst die Feuchtigkeit im Weizen. 19,8 Prozent zeigt das Gerät an. „13 Prozent wären perfekt“, sagt er und fügt hinzu, dass der Weizen maximal 15 Prozent an Feuchtigkeit aufweisen dürfe.

Zu kurze Trockenperioden

Dafür gibt es wenig längere Trockenperioden. Regen und Sonne wechseln sich zu schnell ab. „Das Zeitfenster zum Ernten ist zu kurz“, erklärt er. Ideal für das Gedeihen der Pflanze sind sieben Tage Sonne, sieben Tage Regen am Stück, dazu um die 25 Grad und leichter Wind. Doch dieses konstante Wetter gibt es immer seltener.

Gutes Jahr für den Grasschnitt: Kerstin Voswinckel ist zufrieden.

Viel Nässe bedeutet auch viel Unkraut im Feld. Und das sorgt für weitere Feuchtigkeit. „Zum Teil keimt das Korn schon im Korn“, sagt der Landwirt und zeigt auf eine grüne Sprosse im kleinen Korn. Das sei gar nicht gut. Und je länger Johannes Johanngieseker mit der Ernte warten muss, umso schlechter wird die Qualität des Weizens. Viele Ähren sind schon dunkelbraun. Sollte nicht schon bald eine längere Trockenzeit einsetzen, dann muss der zu nasse Winterweizen so schnell wie möglich geerntet werden. Und dann bleibt nur noch die Trocknung der Ernte mit speziellem Gerät, was zusätzliche Kosten bedeutet.

Starkregen kann schädlich sein

Optimistisch gibt er sich hingegen beim Ertrag. Mit immerhin sechseinhalb bis acht Tonnen pro Hektar rechnet der Junior-Landwirt. Enttäuschend war hingegen die Rapsernte: nur drei Tonnen pro Hektar, anstatt der sonst üblichen vier Tonnen plus. „Das Frühjahr war zu lange nass und kalt.“ Starkregen sei besonders schädlich.

Entspannung dagegen bei Stefan Pastoors auf seinem Hof am Ober-Hövel: Der Mais hat sich doch noch gut entwickelt, „der hat stark aufgeholt“, sagt der Landwirt. Mais ist das Futter für seine 145 Milchkühe. Auf fünfzehneinhalb Hektar baut Stefan Pastoors die Pflanze an. 90 Hektar Grünfläche kommen hinzu. Anfang des Jahres sah es mit der Entwicklung der Maispflanze noch ganz anders aus. „Es war ein schlechter Start im Frühjahr, zu nass und zu kalt“, erklärt er.

Stefan Pastoors im Maisfeld: „Es wird eine überdurchschnittliche Ernte.“

Eine regelrechte Aufholjagd hat der Mais dann noch hingelegt. „Es wird eine überdurchschnittliche Ernte“, ist Stefan Pastoors optimistisch. Deshalb rechnet der Landwirt mit 50 Tonnen Maisertrag pro Hektar in diesem Jahr. Zum Vergleich waren es im Jahr 2019 beispielsweise 35 Tonnen pro Hektar. Das war ein sehr schlechtes Jahr. „Es war zu trocken. Wir mussten Mais und Stroh noch dazu kaufen“, blickt er zurück.

Aber es geht nicht nur um den Ertrag, sondern auch um die Qualität der Maispflanze, die komplett zu Viehfutter zerkleinert wird. „Sonne wäre jetzt noch nötig, damit der Maiskolben noch in diesem Jahr an Stärke, Energie und Nährstoffen gewinnt“, erklärt Stefan Pastoors, der den Hof mittlerweile in der vierten Generation führt.

Die Grasernte war sehr gut. Das nasse Wetter war optimal.

Kerstin Voswinckel

Große Freude herrscht bei Familie Voswinckel am Langenscheid. Die Ernte in diesem Jahr hat viel Futter für die Milchkühe eingebracht. „Die Grasernte war sehr gut. Das nasse Wetter war optimal“, sagt Kerstin Voswinckel. Zusammen mit ihren beiden Söhnen Tim und Michael führt sie den Bauernhof, der seit den 1970er-Jahren besteht. 140 Hektar – davon sind 20 Hektar Ackerfläche – bewirtschaftet Familie Voswinckel.

Die beiden Söhne schneiden momentan fast ohne Unterbrechung Gras und kleben Siloballen. Das Gras wächst so gut, dass dieses Jahr sogar der vierte Schnitt wieder möglich ist.

In den vorherigen Jahren war es viel zu trocken. Das hatte Konsequenzen: „Wir mussten unsere Futterreserven aufbrauchen und Gras dazukaufen. Das ist teuer und von der Qualität her ein Unterschied“, erklärt die Landwirtin. Doch 2021 ist perfekt für die Grassilage. Der Regen hat das Gras immer wieder sehr schnell wachsen lassen. „Wir können diesmal sogar wieder Vorräte anlegen oder sogar auch Gras verkaufen“, sagt Kerstin Voswinckel.

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