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Digitalisierung der Zeitung: Die Arbeit beginnt

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Von: Florian Hesse

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Jeder Jahresband des Allgemeinen Anzeigers kommt auf den Scanner
Jeder Jahresband des Allgemeinen Anzeigers kommt auf den Scanner. © Jana Eilhardt

Scannen, so lange Geld da ist. Die Digitalisierung von 120 Jahren Stadtgeschichte kann beginnen.

Halver - Die Scanner laufen an. Jetzt wird digitalisiert, solange Geld da ist. Und die Vorzeichen sind gut, dass mehr als 120 Jahre Stadtgeschichte in Halver und Schalksmühle, festgehalten auf etwa 200 000 Zeitungsseiten des Allgemeinen Anzeigers, demnächst für jedermann kostenfrei zuhause zugänglich sein könnten.

Mehr als 100 000 Euro wird das am Ende kosten. Die Stadt, weitere Institutionen und private Spender sind eingestiegen. In Düsseldorf liegt beim Land NRW ein Förderantrag, der das Gelingen des aufwendigen Projekts sicherstellen könnte. Allein 20 000 Euro hat die Stadt als Zuschuss zugesagt und damit den Grundstock gelegt. 56 850 Euro sind jetzt im Topf, das seien 57 Prozent der Gesamtsumme, sagt Jana Eilhardt.

Die ehrenamtliche Kuratorin des Regionalmuseums Villa Wippermann hatte das Vorhaben angestoßen und Mitstreiter gewinnen können. Ausgangspunkt waren ihre Recherchen im Archiv der Verlegerfamilie Bell, der der Allgemeine Anzeiger bis ins Jahr 1995 gehörte. Für eine Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Halver hatte sich Jana Eilhardt vor etwa fünf Jahren auf Recherchetour durch die vergilbten, verstaubten Bestände gegeben, die nur durch Zufall und die Aufmerksamkeit des Halveraners Ralf Wegerhoff gerettet worden waren.

Was sie zu lesen fand mit lokalen, gesellschaftlichen Ereignissen, Firmengeschichte, Personalien, lokalem Sport und all dem, was eine kleine Stadt für ihre Bürger ausmacht, wollte sie nicht unrettbar verloren geben. Und auch ein trockener und halbwegs sicherer Lagerplatz, der nach der Sicherung der Bestände gefunden war, hätte das Papier nicht vor dem Fraß einer Einlagerung gerettet.

„Mitte letzter Woche ging es also wirklich los“, berichtet Jana Eilhardt erleichtert vom Fortschritt. Siegfried Preis, Geschäftsführer der Firma PPS PrePressSysteme GmbH in Oberursel – eine Firma für professionelle Digitalisierung alter Dokumente, Handschriften, Zeitungen –, hatte da die ersten Bände mitgenommen. In den nächsten drei Wochen würden die Jahrgänge 1995 bis 1991 gescannt und datentechnischaufbereitet.

Warum aber ausgerechnet 1995 bis 1991? Bis 1995 gehörte der Allgemeine Anzeiger der Verlegerfamilie Bell, die daran alle Rechte hat und alle gebundenen Ausgaben besitzt. Solange das Geld reicht, lasse man von 1995 abwärts scannen.

Nach 1995 gehört der Allgemeine Anzeiger zum Märkischen Zeitungsverlag. Mit dessen Zusage dürfe man bis ins Jahr 2012 scannen. Ob der AA, der ab 2013 beim Märkischen Zeitungsverlag auch in digitaler Form vorliegt, ebenfalls in den virtuellen „Lesesaal“ eingebunden werden dürfe, werde zurzeit noch geklärt. Bände aus dem städtischen Zeitungsarchiv aus den Jahren 1995 bis 2012 seien so schlecht gebunden, dass sie aufgeschnitten im Einzelblatt gescannt werden müssen.

Am Ende der Mühen soll für jedermann von überall auf PC, Handy und Tablet als Ziel der virtuelle Lesesaal stehen. Unter der Adresse https://www.aadigital-archiv.de wird letztlich jede Ausgabe für jeden interessierten Bürger oder auch für Unternehmen die aufgeschriebene und fotografierte Stadtgeschichte aus dem Allgemeinen Anzeiger verfügbar sein mit Recherchemöglichkeit und Verlinkungen (» INFOBOX).

Wer sich mit einer Spende an der weiteren Finanzierung beteiligen möchte, hilft möglicherweise doppelt. Die Digitalisierung des AA ist als Förderprojekt beim Land Nordrhein-Westfalen angemeldet. Beim Heimatfonds habe man mit der Präsentation die zuständigen Mitarbeiter begeistern können, so die Einschätzung von Peter Bell und Jana Eilhardt.

Für jeden vor Ort eingeworbenen Euro gäbe es je einen Euro vom Land dazu. Und in Abstimmung mit der Bezirksregierung habe man die Zusage, mit dem Scannen beginnen zu können, auch wenn noch keine Förderzusage vorliegt. Eile ist insofern geboten, weil der Zuschuss der Stadt Halver in Höhe von 20 000 Euro an das laufende Haushaltsjahr 2022 gebunden ist.

An Entschlossenheit fehlt es den Initiatoren jedenfalls nicht: „Sollten wir keine Fördermittel bekommen, suchen wir halt weiter nach Spendern und scannen weiter, wenn Geld da ist“, sagt Jana Eilhardt.

Spendenkonto

Spender und Spenden in jeder Höhe sind daher weiter willkommen:

Heimatverein Halver e.V. IBAN DE40 4585 0005 0000 2473 04 / Verwendungszweck: Archivdigitalisierung. Spenden sind steuerlich abzugsfähig.

Vom Papier zum Pixel

Der Weg von der fleckigen alten Zeitungsseite auf den Bildschirm zuhause ist komplex. Erste Arbeitsgänge sind das Vorbereiten der Zeitungsbände, das manuelle Einscannen, die optische Bildkorrektur und das Ausrichten und Beschneiden der Seiten. Nächster Schritt ist das „Aufschlauen der Pixel“ mit der Texterkennung sowohl der Frakturschrift wie der später und bis heute verwendeten normalen Schrift. Hinzu kommt eine Layouterkennung, die den Zusammenhang von Text und Bild möglich macht ,eine Artikelseparierung und Indexierung, die für den späteren Leser Bezüge und Zusammenhänge schafft. Am Ende steht eine automatische Verschlagwortung im intelligenten Suchalgorithmen.

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