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„Sieht doch aus wie 80“: Die älteste Frau der Stadt feiert ihren Geburtstag

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Von: Sarah Lorencic

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Bernd Lauermann überreicht seiner ältesten Bewohnerin einen Liebesbrief, wie er es nennt.
Bernd Lauermann überreicht seiner ältesten Bewohnerin einen Liebesbrief, wie er es nennt. © Lorencic, Sarah

„Sie sieht doch aus wie 80“, sagt die Tochter von Martha Gläser und nimmt ihre Mutter herzlich in den Arm. Nein, keiner hat jemals damit gerechnet, dass sieeinmal so alt wird.

Halver – Aber nun sitzt sie an einem gedeckten Kuchentisch und bekommt sogar Besuch vom Stadtoberhaupt Halvers, Bürgermeister Michael Brosch, sowie einen Brief vom Bundespräsidenten.

Auf 100 Jahre zurückblicken, da hören Geschichten nicht auf. Wenn es aber um die wesentlichen Dinge im Leben geht, ist die Liste kurz: die Familie. Fünf Schwestern, selbst zwei Kinder, vier Enkelkinder und momentan ist ein Urenkel unterwegs, wie Tochter Gisela Lenk erzählt. Seit 1994 ist Martha Gläser Witwe. Zehn Jahre älter war ihr Mann, den sie bereits in Schlesien als Kind kennenlernte, aber erst nach Jahren der Vertreibung und Flucht über Umwege in Lüdenscheid wieder traf und lieben lernte. Nach vielen Schicksalsschlägen, unter anderem der Verlust der Mutter mit zwölf Jahren, sehnte sich Martha Gläser nach einer Familie und Frieden.

Martha Gläser ist 100 Jahre alt geworden: ein Grund zum Feiern, den sich auch Bürgermeister Michael Brosch und Waldfrieden-Leiter Bernd Lauermann nicht nehmen lassen.
Martha Gläser ist 100 Jahre alt geworden: ein Grund zum Feiern, den sich auch Bürgermeister Michael Brosch und Waldfrieden-Leiter Bernd Lauermann nicht nehmen lassen. © Lorencic, Sarah

Ihre Lieben beschreiben sie als immer fröhlich. Martha Gläser ist ein absoluter Familienmensch und eine leidenschaftliche Köchin. Und ja, die Kochkunst kann auch Waldfrieden-Leiter Bernd Lauermann bestätigen. Als Martha Gläser vor sieben Jahren in die Wohngruppe kam, stand sie als Chefin in der Küche der Bewohner, erzählt Lauermann und lacht.

Heute ist ihre Bewegung eingeschränkter. Der Rollstuhl hält sie aber nicht davon ab, genau zu beobachten, was in der Küche passiert. Nicht von ungefähr kam der Tipp von Hans-Erich Lenk, seiner Schwiegermutter ein Kochbuch mit vielen Bildern zu schenken. Und das Geschenk, das Michael Brosch im Namen der Stadt mitbrachte, ist ein voller Erfolg.

Regelmäßige Gäste: Tochter Gisela Lenk und ihr Mann Hans-Erich kommen jeden zweiten Tag zu Besuch in die Wohngruppe von ihrer Mutter.
Regelmäßige Gäste: Tochter Gisela Lenk und ihr Mann Hans-Erich kommen jeden zweiten Tag zu Besuch in die Wohngruppe von ihrer Mutter. © Sarah Lorencic

Martha Gläser strahlt noch immer übers ganze Gesicht, lacht herzlich und je nach Tagesfassung macht sie auch noch so einiges alleine. Demenz ist auch bei der 100-Jährigen schon länger ein Thema, auch wenn es die Tochter zunächst gar nicht so wahrgenommen hat. Der Umzug ins Haus Waldfrieden mit 93 Jahren wurde mitunter deswegen nötig. Bis dato lebte sie in ihrem Haus in Lüdenscheid. Leicht war der Anfang nicht, erinnert sich auch Bernd Lauermann und kennt die schwere Anfangszeit von einigen Bewohnern. „Einen alten Baum pflanzt man eigentlich nicht mehr um“, erklärt er. Aber nach kurzer Zeit wurde die Wohngruppe Martha Gläsers neues Zuhause, aus dem sie auch nicht mehr weg wollte. An ein Weihnachten erinnert sich Tochter Gisela. Da wollte die Mutter schnurstracks wieder zurück an den Hälversprung. Für die 65-Jährige ein gutes Zeichen.

Zu Besuch kommt die Tochter alle zwei Tage. „Wenn wir nicht so oft kommen würden, würde sie nicht mehr leben“, ist sich Hans-Erich Lenk sicher. Nicht selten sterben ältere Bewohner dann, wenn plötzlich ihre Kinder sterben, die selbst bereits Senioren sind. Corona hat das Aufrechterhalten von Kontakten erschwert. Einige Wochen konnte auch Martha Gläser keinen Besuch empfangen. Der Dank geht in Richtung der Betreuer, die mit ihrer zur Verfügung stehenden Zeit stets versuchten, aufzufangen, was möglich war.

Den 100. Geburtstag konnte Martha Gläser wieder feiern. Ihre Stimmung war richtig gut, freut sich Tochter Gisela Lenk. Am 26. Dezember wurde der Ehrentag im Kreise der Familie und mit Bewohnern gefeiert. Für alle ein besonderer Tag, wie auch für Michael Brosch: „Sowas gibt es selten.“

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