Neues Pflegegesetz im Fokus

+

Halver - Seit Anfang des Jahres wird das neue Pflegestärkungsgesetz umgesetzt. Zu dieser umfassenden Modernisierung der Pflegeversicherung informierte am 6. April Beraterin Andrea Henneken von der Diakonie Mark-Ruhr im Bürgerzentrum am Park.

Das neue Gesetz, so die Referentin, definiert den Bedürftigkeitsbegriff neu. Nicht mehr die Defizite der Betroffenen, sondern die Selbstständigkeit und der Umgang mit den Folgen der Erkrankung sind ausschlaggebend für den Pflegegrad.

Am Antragsweg für das Pflegegeld über die Pflegekasse und die anschließende Prüfung durch den Medizinischen Dienst ändert sich nichts, erläuterte Henneken. Neu ist, dass es statt der bisherigen drei Pflegestufen jetzt fünf Pflegegrade gebe. „Damit sollen, besser als bisher, alle für die Lebens- und Altersbewältigung relevanten Beeinträchtigungen begutachtet werden.“ Basis der neuen Bewertungsform sind acht Module.

Modul 1 bewertet die Mobilität der Antragsteller. Die Bewertungskriterien reichen, wie bei allen anderen Modulen, von „Selbstständig“, „Überwiegend Selbstständig“, „Überwiegend Unselbstständig“ bis „Unselbstständig“. Die Mitarbeiterin des Medizinischen Dienstes vergibt bei ihrer Begutachtung jeweils Punkte, aus denen dann der Pflegegrad errechnet wird.

Modul 2 stellt die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten in den Mittelpunkt. Dabei werden, stärker als bislang, die Folgen von Demenz erfasst.

Modul 3 berücksichtigt Verhaltensweisen Modul 3 berücksichtigt Verhaltensweisen und psychische Problemlagen. Die Möglichkeit der Selbstversorgung ist Thema in Modul 4 – das reicht von der Fähigkeit zur Körperpflege bis zur benötigten Hilfe beim Essen und Trinken.

In Modul 5 geht es um den Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen. Bewertet wird beispielsweise, wie viel Hilfe ein Pflegebedürftiger bei der Medikamenteneinnahme benötigt. Modul sechs beschäftigt sich mit der Gestaltung des Alltaglebens und den sozialen Kontakten. Zentrale Fragestellung hier: Wie gut kann der Patient noch am sozialen Leben teilnehmen und welche Hilfen benötigt er dafür? In Modul 7 geht es um die außerhäuslichen Aktivitäten. Geprüft wird beispielsweise der pflegerische Aufwand, der für das Erreichen eines behindertengerechten Arbeitsplatzes nötig ist. In Modul 8 schließlich geht es um die Haushaltsführung. Vorteil des neuen Verfahrens: Es wurden nicht nur Leistungen ausgebaut, sondern diese können auch besser miteinander kombiniert werden. Andrea Henneken: „Das Ziel ist, allen Pflegebedürftigen gerechter zu werden.“ Betroffene, die bereits eine Pflegestufe haben, werden nach dem neuen Gesetz automatisch in einen neuen Pflegegrad übergeleitet. Dabei werden sie in der Regel höher als bisher eingestuft. Das ihnen zustehende Pflegegeld steigt.

Andrea Henneken rät Pflegebedürftigen dringend dazu, nur bei einer deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes eine neue Prüfung nach den überarbeiteten Richtlinien zu beantragen; alle anderen sollten es möglichst bei der alten Beurteilung belassen.

Bis zu 260 Euro Pflegegeld

„Wir geben bei Bedarf pro Person bis zu 260 Euro zum Pflegegeld dazu,“ erklärte Rüdiger Bednarz, Vorsitzender des Förderkreises der Diakonie Halver-Schalksmühle. Ein Service, den es bundesweit nur in wenigen Kommunen gibt. Außerdem unterstützt der Förderkreis die Diakoniestation. Finanziert wird diese Hilfe durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Unterstützung erhalten nur Bürger aus Halver und Schalksmühle, die durch die Diakonie Mark-Ruhr betreut werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare