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Der Regen kommt zu spät: Aufforstungen im Wald vertrocknen

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Von: Sarah Lorencic

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Weihnachtsbäume
Eine vertrocknete, etwa zweijährige Weißtanne, steht in einer Anpflanzung. (Symbolbild) © Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild

Junge Bäume, die im vergangenen Jahr gepflanzt wurden, sollten der Start einer Aufforstung sein. Doch vieles ist jetzt vertrocknet. Wie sollen die Wälder bloß wieder aufgeforstet werden?

Halver – Noch immer sind nicht alle Fichten gefällt, die aufgrund des Borkenkäferbefalls in den vergangenen trockenen Jahren zerstört wurden. Trotzdem haben einige Waldbesitzer bereits im vergangenen Herbst begonnen, neue Bäume zu pflanzen. Bei der Baumschule Küch, der letzten in Halver und näheren Umgebung, kamen schon früh die Anfragen an, was man pflanzen kann und solle, wie Ernst-Ulrich Küch sagt.

Bei Helmut Wiethege sind die im vergangenen Jahr gepflanzten Eichen jetzt vertrocknet. Sie haben der Dürre nicht standhalten können. Gießen im Wald ist keine Option, obwohl Küch ein paar wenige Waldbesitzer kennt, die mit einem mit Wasser beladenen Gülleanhäger ihren neuen Wald wässern. Dass aber das Wasser die Erde rund um die Wurzel in 20 Zentimeter Tiefe ausreichend befeuchtet, hält er für abwegig. Das Einzige, was helfen kann, ist Regen, sagt Küch. Und davon viel. Dass ein Großteil der neu gesetzten Bäume diesem Wetter nicht standhalten, sei klar. Es kommt jedoch immer auf den Standort und die Baumart an. Eichen und auch Buchen, sagt Küch, würden es nicht schaffen. Lärchen seien dagegen widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Hitze. Trotzdem ist es ein Rückschlag für die Waldbesitzer, die voller Hoffnung und Tatendrang gepflanzt haben, sagt Küch.

FBG Halver wollte eigentlich 18.000 Bäume pflanzen

Verständnis hat auch Astrid Becker von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). In der FBG hatte man sich im Frühjahr zum Glück gegen eine Maßnahme entschieden, bei der 18.000 Bäume gesetzt worden wären. Zu unsicher war der Sommer, sagt Becker. Eine Pflanzung sei nur noch im Spätherbst sinnvoll. Und auch dann kann nicht mit einmal eine ganze Kultur gesetzt werden. Man folge einer Strategie, bei der zunächst eine Randbepflanzung gesetzt wird, erklärt Becker. „Man muss einen Wald langsam aufbauen.“ Zumindest heute mit Blick auf die klimatischen Veränderungen. „Wir müssen lernen, mit dem Klimawandel umzugehen.“ Die Forstämter sind dazu im ständigen Austausch.

Viel wird man auch mit der vorhandenen Naturverjüngung arbeiten müssen. Anders sei eine Entstehung eines neuen Waldes nicht mehr möglich, sagt Becker. Die Bäume, die hier schon verwurzelt sind, haben die Information, dass es hier trocken ist und werden mit dem Klima besser umgehen können. Wenn man einen Blick auf die Flächen wirft, die vor zwei Jahren abgeholzt wurden, könne man sehen, dass sich dort schon viel entwickelt hat, sagt die Halveranerin.

 „Es muss regnen, das ist Wahnsinn.“

Ernst-Ulrich Küch Baumschule Küch

Dass einige Waldbesitzer bereits in Eigenregie angefangen haben aufzuforsten, weiß Astrid Becker. Und sie kann verstehen, dass die Kahlflächen wieder bepflanzt werden sollen. In der FBG wird man allerdings noch warten und es langsam angehen lassen, damit es nachhaltig ist. Denn am Ende muss ein Wald entstehen – undzwar nicht nur einer, der dem Klima gut tut, sondern einer, der auch wirtschaftlich nutzbar ist. Holz als Material müsse den Folgegenerationen ebenso überlassen werden wie ein Wald, der seinen Umweltnutzen hat. Alles andere sei eher „Liebhaberei“, sagt Becker.

Das unterstreicht auch Ernst-Ulrich Küch und sagt, der wirtschaftliche Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden, wenngleich man selbst keinen Gewinn mehr mit dem Wald erzielen wird. Möglich ist eine Aufforstung. Mit den richtigen Pflanzen an passenden Standorten. Eine universelle Lösung gebe es jedoch nicht.

Langsame Aufforstung sinnvoll und anders nicht möglich: Saatgut fehlt

Eine langsame Aufforstung macht aus Küchs Sicht nicht nur Sinn, sondern ist auch anders nicht möglich: die Pflanzen fehlen – und das Saatgut derzeit auch. Hat man in diesem Jahr eigentlich mit viel Eicheln und Bucheckern gerechnet, fallen die Eicheln schon jetzt noch grün vom Baum und Bucheckern sind leer, wie auch Astrid Becker erschreckend festgestellt hat. Im Forst ist zu wenig Saatgut zu finden. Und das in Zeiten des Waldumbaus. Eines der Dinge, die man nicht beschleunigen kann.

Im August hat Ernst-Ulrich Küch die Sommerverschulungssetzlinge aus den Saatbeeten genommen und eingepflanzt. Nach täglichem Gießen in der Baumschule haben es die Pflanzen gut überstanden. „Es muss regnen, das ist Wahnsinn.“ Das trockene Wetter ist für die Natur eine Katastrophe, sagt Küch. So wie es in diesen Tagen regnet, müsste es noch länger regnen. Trotz allen aber geht die Aufforstung weiter. „Ich habe auch in diesem Jahr schon Anfragen“, sagt Küch. „Wir müssen weitermachen.“

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