Jugendzentrum Halver feiert 50-jähriges Bestehen

Arndt Spielmann setzt auf gute Arbeit im Jugendzentrum.

AA-Interview: Jugendzentrumsleiter Arndt Spielmann will bei Haushaltskürzungen nicht mehr Geld verlieren als unbedingt erforderlich

HALVER ▪Das Jugendzentrum feiert in diesem Monat das 50-jährige Bestehen. Leiter Arndt Spielmann gibt sich im Gespräch mit AA-Redakteur Marco Fraune zuversichtlich, er weiß aber um den Wandel.

Hat die Offene Kinder- und Jugendarbeit angesichts der Ganztagsangebote noch eine Zukunft?

Spielmann: Offener Ganztag kann für die Jugendarbeit auch eine Chance sein. Schule kann und sollte eigentlich nicht das leisten, was wir leisten, sondern Wissen vermitteln. Seit es einen Ganztag in der Hauptschule an der Mühlenstraße gibt, sind wir auch in das Projekt eingebunden. Und das hat aus meiner Sicht Modellcharakter. Schulleiter Heribert Müller hat keine Berührungsängste gegenüber der Jugendarbeit, da er sieht, dass wir auf anderen Gebieten Experten sind. Die Schüler nehmen uns anders wahr als Lehrer und Schulsozialarbeiter.

Der Trend geht eindeutig hin zur Kontaktaufnahme außerhalb des Jugendzentrums?

Spielmann: Auch. Synergieeffekte gerade durch eine Ganztagsschul-Arbeitsgemeinschaft im Jugendzentrum ist der Einstieg für manches Kind in unsere Einrichtung. So nehmen wir einen leichten Wandel der Besucher wahr. Wir als Jugendzentrum müssen beweglich sein und das tun wir, daher haben wir eine Zukunft.

Im Rücken haben Sie aber eine Kommune, die kein Geld hat. Wenn Sie dies mit einbeziehen, wie sehen dann die Zukunftsaussichten aus?

Spielmann: Ich bin nur bedingt optimistisch – wie alle, die in einer Einrichtung arbeiten, die eine freiwillige Leistung darstellt. Wir leisten hier kontinuierlich gute Arbeit, das ist bis zu den entscheidenden Stellen vorgedrungen. Geld wird aber immer unser Problem sein. Bei unserer Arbeit ist es schwer, eine Kosten-Nutzen-Rechnung zu erstellen.

Ein Bild verfestigt sich bei vielen Erwachsenen: Die Kinder und Jugendlichen sitzen einen Großteil der Zeit vor dem eigenen Rechner und „zocken“. Ist das aktuelle Programm des Jugendzentrums wirklich geeignet, entgegenzuwirken, ohne über Handy und ICQ zu kommunizieren?

Spielmann: Das ist nicht mein Ziel. Ich werde auch nicht StudiVZ abschaffen. Ich will, dass die Kinder und Jugendlichen reinkommen und die Internet-Seiten hier nutzen. Dann besteht die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Anders gesagt: Können mit dem aktuellen Programm Jugendliche ins Jugendzentrum gelockt werden?

Spielmann: Wir haben für die Jugendlichen nicht so ein festes Programmangebot mit festen Anmeldungen. Die sind damit häufig überfordert. Es bringt mehr, situative Angebote zu machen.

Ihre Vorgängerin, Elvira Wiegand, geborene Ickert, hat sich nach der Arbeit als Leiterin dem Studium Kriminologie und Polizeiwissenschaft gewidmet. Wie hat sich der Umgang unter Jugendlichen verändert – ist mehr Gewalt im Spiel?

Spielmann: Für die Einrichtung selbst sind die Probleme nicht größer geworden. Vor etwa zehn Jahren hatten wir eine Zeit, in der es Probleme mit Gewalt gab. Seinerzeit haben wir rigoros durchgegriffen. Wir haben eine ganze Zeit aussortiert und Hausverbote erteilt. Das spricht sich rum – bis heute.

Blicken wir in die Zukunft: Warum soll und wird es die Einrichtung auch in fünf Jahrzehnten noch geben?

Spielmann: Darüber kann ich lange sinnieren. Aber der Kern und die Idee unserer Arbeit, das wird nicht überflüssig. Der Bedarf an sozialpädagogischen Angeboten wird bleiben.

Was sollte sich in dem Geburtstagsgeschenk für das Jugendzentrum befinden, das die Stadt zum „50.“ überreicht?

Spielmann: Für mich wäre es ein großes Geschenk, wenn wir so weiter arbeiten können wie bisher. Ich will bei Haushaltskürzungen nicht mehr Geld verlieren als unbedingt erforderlich. Die Präsenz professioneller Mitarbeiter und ein attraktives Angebot sind wichtig für die Arbeit mit Jugendlichen.

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