Kettenreaktion durch Hochwasser und Corona ausgelöst

Dem Handwerk geht das Material aus

 Gerd Allefeld, Geschäftsführer der Tischlerei Pierenkemper in Halver.
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 Gerd Allefeld, Geschäftsführer der Tischlerei Pierenkemper in Halver.

„Keiner weiß, wann sich die Lage entspannt“, sagt Gerd Allefeld, Geschäftsführer der Tischlerei Pierenkemper in Halver. Preissteigerungen, verbunden mit Lieferengpässen und Materialknappheit, wie sie Dachdecker, Zimmerer, Schreiner und andere Handwerker momentan erleben, hat er in 30 Berufsjahren noch nicht erlebt.

Halver - „Früher hat sich mal etwas verschoben“, sagt er. „Aber nicht in dem Ausmaß wie jetzt.“ Wann sich die Lage entspanne, wisse niemand. Mit Co-Geschäftsführer Olaf Jarosch, der dieser Tage in der näheren und weiteren Umgebung zahlreiche Hochwasserschäden begutachtete, ist er sich einig, dass sich die Lage durch die Flut verschärfen wird. „Es gab schon vor dem Hochwasser Probleme. Das wird ein Riesenproblem werden.“ Kein Material, kaum Kapazitäten, weil alle ausgelastet sind. „Wenn jetzt alle neue Zimmertüren brauchen, wird sich die Situation verschärfen“, befürchtet Gerd Allefeld. „Alle, die eine Versicherung haben, werden jetzt auswechseln wollen. Das wird auf lange Zeit ein Problem.“

Probleme nicht nur beim Holz

Schon seit Monaten steigen die Preise für Möbel- und Bauholz, das ist bekannt. Nicht nur die Holzpreise, auch die Preise für andere Materialien sind gestiegen. Schon im April beklagte Dr. Johann Quatmann, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes des Tischlerhandwerks NRW, vor dem Hintergrund galoppierender Preise: „Man weiß nicht, wohin die Reise geht.“ Eine Kalkulation und das Abschließen von Neuverträgen seien für die Betriebe angesichts dieser Entwicklung enorm schwierig. Die Firmen würden darum kämpfen, an Material zu kommen.

Lieferzeiten verdreifacht

„Eins greift ins andere“, sagt auch Gerd Allefeld, der von einer Kettenreaktion spricht. Bei Fenstern und Türen beispielsweise hätten sich die Lieferzeiten teilweise verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht. Teilweise seien Fenster und Türen, die jetzt bestellt werden, nicht vor Dezember zu bekommen. Das beginne schon damit, dass die Fensterfirmen nicht an das notwendige Vormaterial – etwa Holz oder Granulat – herankommen. Ähnlich verhalte es sich mit Schubkästen. „Wir haben Schubkästen sonst montags bestellt, und Ende der Woche waren sie da. Jetzt dauert es acht Wochen. Und dann kann es noch passieren, dass die Kleinteile fehlen.“ Die Nachfrage sei groß, Material sei nicht zu kriegen. Ähnlich verhalte es sich bei Beschlägen für Möbel, Fenster und Türen. Auch da müssten sich Verbraucher auf längere Wartezeiten einstellen.

Häuslebauer trifft es hart

Durch Corona hätten manche Firmen die Produktion heruntergefahren. „Der Gedanke war falsch. Es wurde weniger produziert – und die Nachfrage war da.“ Nicht besser sehe die Lage bei Zuschnittware – Spanplatten, MDF-Platten und OSB-Platten – aus. „Entweder hat der Lieferant die Platten auf Lager oder es braucht acht bis zwölf Wochen Lieferzeit.“ Obendrein könne es passieren, dass vom Bestellten nur ein gewisses Kontingent geliefert werde. „Es ist nichts mehr da auf dem Markt.“ Zwar sei das eigene Lager derzeit voll. „Aber die Lagerkapazität ist begrenzt.“ Zu kalkulieren, werde immer schwieriger. Das Bauen insgesamt werde teurer. Häuslebauer treffe es bisweilen hart.

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