Zweisprachige Lesung zum Onleihe24-Start

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Lesung im Torten-Atelier mit David Babin.

Halver - Zu einer deutsch-französischen Lesung hatte die Stadtbücherei mit Unterstützung der VHS Volmetal am Mittwoch ins Tortenatelier eingeladen. Für die Einführung fremdsprachiger eBooks der Onleihe24 in der Stadtbücherei bekamen die Besucher Werke einer besonderen Schriftstellerin zu hören.

Bekannt geworden ist die Französin Anna Gavalda durch ihren Roman „Zusammen ist man weniger allein“, ein Großstadtmärchen, das das Zusammenleben von vier grundverschiedenen Menschen in einer Pariser Wohngemeinschaft beschreibt. 2004 kam das Buch, erfolgreich mit Audrey Tautou verfilmt, auf den Markt. Im Tortenatelier lernten Literaturfreunde die Bestsellerautorin und ihre literarische Welt jetzt aber mit Erzählungen früheren Datums kennen. Als Vortragende entschieden sich Kulturmanager David Babin und die Wahl-Halveranerin Sigrid Cabezas dabei für Geschichten mitten aus dem Leben, heiter und traurig zugleich.

Viele Besucher kamen zur Lesung ins Torten-Atelier.

Aus dem Buch „Je voudrais que quelqu’un m’attende quelque part“ und dem deutschen Pendant „Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“ stammten die Erzählungen, in denen Menschen auf der Suche, die alles haben und trotzdem einsam sind, zu Wort kamen. Anja Neumaier, Leiterin der Stadtbücherei, hieß die zahlreich erschienenen Besucher zur Lesung willkommen. Ab sofort könnten fremdsprachige eMedien – wie das Buch von Anna Gavalda – online ausgeliehen werden, erklärte sie. Englisch- und französischsprachige Bücher sind bereits per Onleihe24 erhältlich. Bücher in anderen Sprachen – unter anderem spanisch und türkisch – sollen folgen.

In der auf Deutsch von Sigrid Cabezas gelesenen Erzählung „Jahrelang“ lernten die Zuhörer im lakonischen Tonfall Gavaldas ein früheres Liebespaar kennen, das sich ein letztes Mal begegnet, als sie dem Tod geweiht ist. Wie ein Schatten folgte die einstige Geliebte, die ihn verließ, darin dem Ich-Erzähler Pierre, der beruflich die Erfolgsleiter hoch geklettert war, Frau und Kinder besaß – und doch unglücklich war. Als sich die todkranke Helena, die Liebe seines Lebens, nach zwölf Jahren Schweigens bei ihm meldete, war es zu spät für einen Neuanfang.

Anna Gavalda schreibe über die Kleinigkeiten des Lebens, die das Leben verändern können, erklärte David Babin, der die Geschichte „Permission“ (Auf Heimaturlaub) im französischen Original vorstellte. „Sie ist nie die Hauptdarstellerin, aber sie erzählt mit einem tiefen Blick.“ Gavalda versuche, das Leben in seinen positiven und negativen Momenten zu beschreiben. Textblätter mit Vokabeln erleichterten den Zugang zum Text. Allerdings war schon eine gute Kenntnis der französischen Sprache notwendig, um dem Text, den Babin vortrug, folgen zu können.

In „Permission“ war es ein junger Soldat, der sich wünschte, dass jemand auf ihn wartet. Hinter „Dieser Mann und diese Frau“, der abschließenden Geschichte, verbarg sich ein Ehepaar auf der Fahrt ins Wochenendhaus. Er ging aus einem einzigen Grund – aus Angst vor teuren Alimenten – nicht mehr fremd. Sie überlegte resigniert, dass sie nie geliebt worden war.

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